Mert Matan und die Debatte um die homophobe Subkultur

gay-prank

Szene aus dem YouTube-Video von Mert Matan

Der deutsch-türkische YouTuber Mert Matan hat eine Debatte um Homophobie in so genannten Parallelgesellschaften ausgelöst. In einem „Prank“-Video (das sind Videos, in denen Streiche gespielt werden) erzählt der junge Hamburger seinem Vater, dass er vermeintlich schwul sei. Die Reaktion des Vaters hierauf ist fatal. Wie unvermittelt rastet der Vater aus und schlägt auf seinen Sohn ein. Der Vater lässt in seiner Wut erst von dem Sohn ab, als ihm dieser versichern kann, dass es sich um einen „Scherz“ gehandelt habe.

Nicht nur homosexuellen Zuschauern sollte bei diesem Anblick das Lachen im Halse stecken bleiben. Das Video dient dazu eine gesellschaftliche Debatte über Toleranz und Vorurteilen anzustoßen. Es gibt mehrere Dinge, die ich an diesem Video und den Diskussionen um das Video fatal finde. Nicht nur, dass ein Vater seinen 20-jährigen Sohn schlägt, es zeigt auch seine Wut gegen Homosexualität als solches. Es zeigt aber auch wie sich eine Rassismus und Homophobie-Debatte aus einem solchen als harmlos gedachten Video entwickeln kann.

Die Reaktionen auf dieses Video waren nicht nur heftig sie waren teilweise rassistisch. Auf der einen Seite ergossen sich rassistische Äußerungen über die Familie Matan. Dies ist natürlich unangebracht und eine Generalisierung für alle Deutsch-Türken lässt sich aus diesem Video auch nicht ableiten. Es stellt ich allerdings doch die Frage, ob es unter deutsch-türkischen Familien eine andere Wahrnehmung bei gesellschaftlichen Fragen vorherrscht und ob sich diese mit unserem Werten vereinbaren lässt.

Bezogen auf die Reaktion des Vaters Matan ist der Vorwurf der Homophobie in jedem Falle angebracht. Und hier ist das Unverständnis des YouTub-Stars erschütternd. Gewalt gegen eine andere Person auszuüben ist egal in welchem Kontext sie geschieht eine Herabsetzung ihrer Würde. Damit ist und bleibt diese Reaktion inakzeptabel. Die Reaktion schürt daher nicht wirklich überraschend die Vorurteile, die viele Menschen über Migranten (vor allem mit muslimischen Background) haben. So offen hat man Homophobie selten vor einer deutschen Kamera gesehen. Der gedankliche Weg zu Subkulturen und Parallelgesellschaften, in denen abseits deutscher Normen und Gesetze eigene Regeln gelten, ist daher eher kurz.

Ich möchte auch gar nicht bestreiten, dass auch in deutschen Familien Eltern enttäuscht oder entsetzt reagieren, wenn sich ein Kind outet. Denn auch bei toleranten Eltern ist es ein Unterschied, wenn es allgemein um Homosexualität in der Gesellschaft geht oder wenn der eigene Sohn schwul ist. Doch eine Reaktion mit Gewalt und Beschimpfungen ist nicht mehr mit Enttäuschung zu erklären, sondern mit Hass gegenüber dem, zu dem sich der junge Mann gerade bekannt hat. Daher finde ich den Vorwurf der Homophobie gerechtfertigt.

In einem Video nach dem ersten Proteststurm versucht sich der junge YouTuber zu rechtfertigen, offenbart aber darin noch viel stärker sein Unverständnis für die Brisanz dieser Debatte.

Natürlich sei man nicht homophob. Alle Nutzer haben hier etwas falsch verstanden und würden hier etwas interpretieren, das er nicht intendiert hätte. „Das Video ist nicht gegen Homosexuelle, (…) außer, dass sein Sohn vielleicht schwul werden könnte. Das gibt es bei uns in der Familie nicht, in der Kultur und genauso in der Religion nicht.“ Der Stern schreibt (zurecht wie ich finde), dass dies ein fataler Satz sei, „der aufs Furchtbarste die Ängste von Menschen bestätigt, die Angst vor Parallelgesellschaften haben.“

In diese Debatte sind schnelle Antworten auf einen solchen Einzelfall gefährlich. Ich würde mir aber trotzdem wünschen, dass dieses Thema nicht nach Abflauen des Medieninteresses von der Tagesordnung verschwindet. Toleranz für andere Lebensmodelle gilt für alle Teile unserer Gesellschaft. Eine solche Diskussion muss aber mit Sensibilität geführt werden, sonst treibt diese nur der AFD die Wähler zu.

Zur Integration gehört bei aller Toleranz, aber auch die Vermittlung von westlichen, demokratischen und rechtstaatlichen Werten. In unserer Gesellschaft müssen die Akzeptanz und der Respekt von anderen Lebensentwürfen ein hohes Gut sein, genauso wie der Respekt vor der Würde eines anderen. Auch wenn in Beide Videos sind mittlerweile offline. TubeOne – ein Multichannel Network, das YouTuber vermarktet – hat die Zusammenarbeit mit Mert Matan beendet. Die Debatte darf allerdings nicht abreißen.

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Katholische Lobby Gruppe macht sich mit Anti-Gay Marriage Werbung lächerlich

Quelle (Video der Catholic Vote)

Quelle (Video der Catholic Vote)

„Catholic Vote“ ist eine amerikanischer Lobby Gruppe der katholischen Kirche und damit ein erklärter Gegner der Ehe für alle. Die Gruppe scheint zudem hellseherische Fähigkeiten zu haben und die Entscheidung des Supreme Courts vorhergesehen zu haben, das am 26. Juni die Ehe für Homosexuelle öffnete. Denn einen Tag zuvor veröffentlichte die Lobby Gruppe ein Video, das als Anti-Homo-Ehe Spot fungieren sollte.

Der Titel des Videos ist vielsagend „Not alone“ (Nicht alleine) und die Tagline sagt “We’re here because we have something to say and we’re no longer afraid to say it.” (Wir sind hier weil wir etwas zu sagen haben und wir haben keine Angst mehr es zu sagen“. Übersetzt bedeutet das so viel, dass sie nicht länger Angst haben gegen die Ehe von homosexuellen Paaren zu hetzten.

Das Video startet dann ironischerweise wie ein Coming-Out-Video und inszeniert junge Katholiken, die eine ablehnende Haltung gegen die Ehe von Lesben und Schwulen haben, als Opfer, die sich nicht mehr trauen können, ihre Meinung zu sagen. Mit vielsagenden Blicken und pathetischen Stimmen erzählen die Protagonisten, dass sie sich nun trauen, offen dazu zu stehen. dass sie die Ehe alleine zwischen einem Mann und einer Frau sehen und rufen damit implizit dazu auf, dass andere es ihnen gleich tun sollten. Seht selbst wie das Video aufgebaut ist:

Über eine Million Views hat das Video bisher auf YouTube bekommen. Mich freut es vor allem, dass die Zahl der Dislikes (+41.000) Die Zahl der Likes (knapp 3.000) deutlich übertrifft. Diese Resonanz gibt es auch in den Kommentaren, die das Video eher komisch oder lächerlich finden.

Das Video ist nämlich eine diabolische Umsetzung von Intoleranz gegenüber Menschen, die nicht in das eigene verengte Weltbildpassen, mit schöner Musik und schwarz-weiß Bildern. Es ist schon besonders lächerlich, dass sich junge Katholiken als Opfer sehen, dass sie andere nicht mehr öffentlich diskriminieren dürfen. Das Klagelied der letzten Kreuzritter könnte man dazu sagen. Die schönste Stelle innerhalb des Videos ist, wenn die beiden Frauen anfangen zu weinen. Genau diese lächerliche Art der Inszenierung hat wohl andere Amerikaner inspiriert, dieses Video zu parodieren und zu enttarnen.

Wie findet ihr beide Videos? Ich freue mich über eure Meinungen.