Warum Lesben erst so spät für die Werbung entdeckt wurden

(c) by txmx2 (Quelle: http://bit.ly/1DVRCBM)

(c) by txmx2 (Quelle: http://bit.ly/1DVRCBM)

Ich hab immer viel über Marken geschrieben die Homosexuelle in ihrer Werbestrategie berücksichtigt haben. Dabei waren es aber häufig homosexuelle Männer, die gezielt von Marken angesprochen wurden. Nun bin ich selbst ein schwuler Mann. Daher liegt gerade in dieser Betrachtung mein persönlicher Fokus. Aber nicht nur in meiner Wahrnehmung, sondern auch in der Öffentlichkeit wurde in der Regel „nur“ über homosexuelle Männer als „die neue Marketingzielgruppe“ gesprochen. Homosexuelle Frauen kamen in dieser Diskussion selten vor, obwohl nach Schätzung des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) ca. jede zehnte Frau lesbisch ist. Dennoch waren Lesben in der Öffentlichkeit bislang wenig in der Öffentlichkeit vertreten.

Doch nun scheint sich diese Denke geändert zu haben. In einem Artikel auf Welt.de bin ich nun darauf gestoßen, dass mittlerweile immer mehr bekannte Marken wie Audi, Jägermeister oder Granini gezielt homosexuelle Frauen als Kunden umwerben. Für die Mehrheit der Bevölkerung geschieht dies still und heimlich, da die lesbische Szene für viele von außen betrachtet unnahbar und abschottend wirkt. Lange Jahre war es sicher auch das Problem, dass homosexuelle Männer es besser verstanden haben, ihr öffentliches Bild aktiv zu prägen (ob negativ oder positiv). Bei allen negativen Vorurteilen, die die Gesellschaft über Schwule Männer hat, gibt es auch eine Reihe an positiven Vorurteilen, wie ein besonderer Sinn für Ästhetik oder andere künstlerische Dinge. Zu Lesben, bitte korrigiert mich, wenn ich hier falsch liege, gab es diese positiven Vorurteile so gut wie nicht.

Es ist aber trotzdem bemerkenswert, wie lange die meisten Unternehmen gebraucht, diesen Markt für sich zu entdecken. Denn Lesben haben ein überdurchschnittliches Einkommen und für homosexuelle Frauen ist das Thema Kinder viel präsenter als für homosexuelle Männer. Diese Frauen fühlen sich aber durch die klassische Mann-Frau-Kind-Kommunikation nicht wirklich angesprochen.

Eventuell ist es neben der fehlenden Öffentlichkeit auch eine Technologie-Frage, die dazu geführt hat, dass Lesben erst so spät von Unternehmen wahrgenommen wurden. Über Performance Marketing mit speziell granularem Targeting hat sich der Werbemarkt generell geändert. Die klassische Denke, dass eine Werbeanzeige alle erreichen muss, gilt längst nicht mehr. Auch in der TV-Kommunikation oder auf Printanzeigen werden bestimmte Gruppen explizit angesprochen. Denn Werbetreibende haben erkannt, dass sie nur dadurch einen relevanten Erfolg haben.

Ich denke, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis Lesben in diesem Bereich vollkommen aufgeholt haben. Was meint ihr? Warum haben Lesben nicht die gleiche öffentliche Wahrnehmung wie Schwule? Oder seht ihr das ganz anders?

Advertisements

Australien: Spot einer Anti-Gleichstellungskampagne wird während des „Sydney Gay Mardi Gras“ ausgestrahlt

Anti-Gleichstellungs-Werbung in Australien

Anti-Gleichstellungs-Werbung in Australien

Während Lesben und Schwule in Australien beim Sydney Mardi Gras – dem größten Gay Pride Festival in Australien – für gleiche Rechte und Toleranz warben – zeigten die australischen TV-Kanäle „Channel 7“ und „Channel 9“ einen Spot, der gegen die Gleichstellung der Ehe von Lesben und Schwulen wirbt. Der öffentlich-rechtliche Sender SBS entschied sich hingegen, die Anzeige nicht auszustrahlen und erntete dafür heftige Kritik, die Meinungsfreiheit zu untergraben.

In dem Spot werden die gewohnt dummen Argumente von Gleichstellungsgegnern wiederholt, dass eine Ehe aus zwei Männern oder zwei Frauen zu Lasten von Kindern ginge. Den Spot habe ich euch an den Artikel angehängt. Es kann natürlich kein Zufall sein, dass die Gleichstellungsgegner genau diesen Zeitpunkt für die Ausstrahlung ihrer menschenverachtenden Thesen wählten. Ein viel größerer Skandal ist es aber, dass zwei große Fernsehersender in Australien diesen Thesen eine Bühne gibt. Ich bin nämlich nicht der Ansicht, dass SBS politische Zensur betrieb. Denn Politische Werbung – sofern sie nicht verpflichtend ist – sagt auch immer etwas über den Sender aus. Rezipienten identifizieren einen Sender mit den Botschaften, die ein Sender ausstrahlt.

Natürlich müssen Medien mit Werbung Geld verdienen. Doch es macht einen Unterschied, ob ein Medium für kommerzielle Ziele von Unternehmen wirbt oder politische oder gesellschaftliche Thesen verbreitet. Medien haben einen großen Einfluss bei der Verbreitung von politischen Inhalten haben. Ich finde es daher skandalös, dass sich beide TV-Kanäle zum Instrument einer Anti-Gleichstellungskampagne machen lassen. Die Ausstrahlung einer Anti-Gleichstellungswerbung ist ein herber Eingriff in den Meinungsbildungsprozess. Über eigene Kanäle können Befürworter und Gegner ihre Positionen verbreiten. Durch die Ausstrahlung der Sender „Channel 7“ und „Channel 9“ bekommen diese Botschaften einen offiziellen Charakter.

Daher ist es in meinen Augen die richtige Entscheidung von SBS, diesen Spot nicht auszustrahlen. Wie seht ihr das? Teilt ihr meine Ansicht oder findet ihr, dass Medien im Sinne der Meinungsfreiheit solche Werbungen zeigen dürfen oder sogar sollen?