Homophobie im Fitnessstudio – der Fall Holmes Place

Quelle: Facebook-Seite Holmes Place

Quelle: Facebook-Seite Holmes Place

Muss man als schwuler Mann immer noch Angst haben in Deutschland Opfer körperlicher Gewalt zu werden? Leider sind der Hass und die Gewalt, die nicht in das beschränkte Weltbild einiger Menschen passen nicht so leicht auszurotten. Nach einem Bericht der OSZE ist die Zahl der durch Hass motivierten Gewaltverbrechen seit 2010 in Deutschland deutlich angestiegen. Darunter fallen sowohl Verbrechen, die durch Rassismus und Homophobie motiviert wurden. Das Ausmaß an Morden und Gewalttaten aus diesen Motiven seit der Wiedervereinigung in Deutschland sehr hoch.

Da Statistiken aus schwarzen, leblosen Zahlen bestehen und die Masse erst aufschreckt, wenn ein personalisiertes Beispiel die Runde macht, möchte ich auf den Vorfall im Hamburger Sportclub Holmes Place eingehen. Am Wochenende kam es dort anscheinend zu einem homophoben Übergriff auf ein homosexuelles Pärchen. Die Reaktion des Club-Managers, so die Aussage des Opfers, soll mehr als nur unangemessen sein. Neben persönlichen Abneigungen (laut Zeuge sagte der Club-Manager „Er sagte uns, er könne uns zwar nicht leiden, aber das würde jetzt doch zu weit gehen“), soll der Club-Manager den langjährigen Mitgliedern den Austritt nahe gelegt haben.

Der Club bestreitet diese Äußerungen vehement und aus der Ferne ist es sicherlich nicht möglich, ein Urteil in diesem Fall zu treffen. Was von diesem Vorfall aber übrig bleibt ist ein unangenehmes Gefühl der Unsicherheit. Vielen Schwulen ist durch diesen Vorfall bewusst geworden, wie schnell sie immer noch Opfer homophober Gewalt werden können. Nicht nur im Sportstudio, sondern auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, Cafés oder nachts alleine auf der Straße.

Zudem frage ich mich bei diesem Vorfall, welchen Schutz von der Gesellschaft oder den Augenzeugen man zu erwarten hat. Die angebliche Reaktion des Sales Managers lässt eher darauf schließen, dass man nicht wirklich viel erwarten kann. Auch wenn das Studio kurz nach dem Vorfall ein Statement veröffentlicht hat, in dem es vehement den Darstellungen des Artikels des schwulen Magazins Blu widerspricht, ging es in dem Statement eher darum, das eigene Image zu retten. Ein klares Bekenntnis, dass Homophobie keinen Platz bei Holmes Place hat, fehlt mir vollkommen. Daher ist auch berechtigte Skepsis an dem Statement des Holmes Place und der Variante der Geschichte angebracht, die über ihre Facebook-Seite verbreitet wird. Auch haben sich andere große Fitnesstudio-Ketten in Deutschland wie Fitness First oder McFit bisher noch nie klar als gayfriendly geoutet. Jetzt zum Beispiel wäre der ideale Zeitpunkt. Auch in der Barilla-Krise haben viele Nudelhersteller ihre Liebe zu homosexuellen Kunden erkannt und damit gepunktet.

Mich persönlich überrascht gerade, dass bisher noch keine Fitnessstudio-Kette auf die Idee gekommen um schwule Kunden zu werben. Schwule sind eine attraktive Zielgruppe für Sportstudios, auch wenn sie auch ohne Bekenntnis in eine Sportstudio gehen werden, kann ein Bekenntnis, dass Homophobie in keinem Studio geduldet wird, ein elementarer Faktor sein, mit welcher Kette man als homosexueller Mann seinen Vertrag abschließt. Mit einem Solidaritätsbekenntnis könnte eine Fitnesstudio-Marke viele Sympathien gewinnen.

Heterosexuelle Mitglieder werden sie durch eine solche Taktik wohl kaum verprellen. Auch wenn die Angst, dass latent homophobe Mitglieder sich dadurch abgeschreckt fühlen könnten wohl mitschwingt. Ich möchte aber in diesem Punkt die Verantwortlichen in Fitnessstudios fragen, welche Art von Mitglieder sie in ihren Studios trainieren lassen möchten.

Was meint ihr zu diesem Vorfall?

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Warum die Homophobie Debatte aktueller ist denn je

münchenIn den vergangenen Wochen ist das Thema Homophobie in der Gesellschaft aktueller denn je geworden: In München, wo in den kommenden Wochen Kommunalwahlen stattfinden, plakatierte die „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ einen besonders geschmacklosen Beweis für homophobe Reste in der Gesellschaft.Die Entrüstung Matusseks, dass das Thema überpräsent sei, ist in meinen Augen unverständlicher denn je.

Das Plakat der rechten Bürgerinitiative zeigt auf rotem Grund zwei durchgestrichene Männchen in „Doggy-Stellung“. Darunter steht der Spruch: „Schluß mit der städtischen Schwulen- und Lesbenförderung! Stoppt die Umerziehung an Münchner Schulen und Kindergärten“. Der Gebrauch der alten Rechtschreibung ist auf diesem Plakat nur ein weiterer Beweis für das rückwärtsgerichtete Gedankengut.

Die Entrüstung auf dieses Plakat ließ nicht lange auf sich warten. Die Münchner Behörden reagierten auch prompt und ließen das Plakat schnell entfernen. Beunruhigend ist dieses Plakat aber aus ganz anderen Gründen. Denn die Angst und der Ekel vor Homosexualität in großen Teilen der Gesellschaft ist in den letzten Wochen und Monaten immer wieder herausgebrochen. Es gibt für die Homophobie zwar keinen verlässlichen demoskopischen Gradmesser, denn bei Umfragen geben die meisten Befragten ihre homophoben Einstellungen nicht unbedingt Preis – aus Angst gesellschaftlich isoliert zu werden. Ein Phänomen, das es auch bei rechtsradikalem Gedankengut gibt. Doch im Schutze der Anonymität, vor allem im Internet oder auch am Telefon (wie die Hörerkommentare des Deutschlandfunks beweisen) brechen diese Einstellungen an die Öffentlichkeit. Dabei ist das nicht zwangsläufig eine Frage der Generation – Homophobie ist auch bei jungen Menschen ein Thema. Auf den Schulhöfen in Deutschland ist Lesben- und Schwulenfeindlichkeit weit verbreitet.

Die Proteststürme gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg zeigen doch, wie viel Unwissen, Vorurteile und Ressentiments gegen Schwule und Lesben existieren.

Ich bin fest davon überzeugt, dass das Plakat in München auch stillen Beifall bekommen hat. Für mich zeigt das deutlich, dass Deutschland noch keinen unverkrampften Umgang mit diesem Thema pflegen kann. Die Matusseks dieser Republik, die genervt die Augen verdrehen, wenn Lesben und Schwule sich gegen die gesellschaftliche Diskriminierung wehren, begreifen nicht wie wertvoll es ist, dass sich niemand um die eigene sexuelle Identität schert. Die Debatte um Homophobie ist nämlich erst dann zu Ende, wenn der Homosexualität eines Menschen, ob berühmt oder nicht, keine Bedeutung mehr zugemessen wird.