Warum klischeehafte Darstellungen nerven

(c) by Denis Thuillier (Quelle: http://bit.ly/1lHLOKp)

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Die Kommunikation über Homosexualität scheint einige Fallstricke zu haben, über die man stolpern kann. Nicht nur, wenn man versucht schwules Leben darzustellen, sondern auch, wenn man mit der Kommunikation schwule Männer zu erreichen möchte. Die Fallstricke sind aber banaler als es sich auf den ersten Blick anhören mag, trotzdem fallen immer wieder Unternehmen über eine dieser Banalitäten. Daher werde ich mich mal mit diesen auseinandersetzen und erklären, warum man damit nicht zum Erfolg kommen wird. Eigentlich ist es bei Homosexuellen nicht anders als bei allen anderen Gruppierungen in der Gesellschaft. Daher ist die erste Regel nicht weiter überraschend:

Klischees nerven.

Denn sofort gerät der klischeehaft dargestellte in eine Verteidigungshaltung, warum die eine Darstellung zutreffend ist und die andere nicht. Zudem sind die meisten Klischees eher negativ behaftet. Die Diskussion um den neunen Roller-Spot zeigt genau diese Problematik. Sofort bricht von der einen Seite die Empörung los, warum diese Darstellung negativ und falsch ist. Auf der anderen Seite gibt es auch die Meinung (auch unter den Betroffenen), die der klischeehaften Darstellung im Kern zustimmen. Roller selbst lässt in einem Statement wissen, dass es nicht darum geht, Schwule negativ darzustellen, sondern durch das Überzeichnen von Charaktereigenschaften eine humorige Spotreihe zu kreieren. Das Problem an der Kampagne von Roller im Speziellen ist, dass die anderen dargestellten Klischees (Gamer mit Fastfood-Fable, Rocker-Paar) nicht so einfach zu greifen sind wie „die Schwulen“. Denn alle anderen Dargestellten sind nicht per natürlicher Definition einer Gruppe zuzuordnen, sondern eine Ermessensfrage. Anders wäre es gewesen, hätte man Migranten oder Arbeitslose dargestellt. Dieser Umstand hat wohl auch dazu geführt, dass der Aufschrei groß war.

Warum ist das so?

Klischeehafte Darstellungen sprechen (meistens) nicht die Dargestellten selbst an, sondern eher Menschen, die dieser Gruppe tendenziell negativ gegenüber eingestellt sind. Ein einfaches Beispiel findet sich in Blondinen-Witze. Wohl kaum eine Blondine wird sich mit der Eigenschaft in Verbindung bringen wollen. Solche Art Witze werden eher von schenkelklopfenden Männern erzählt, die insgeheim frustriert darüber sind, dass sie bei hübschen Blondinen keine Chance haben. Gut, diese Annahme ist auch ein Klischee. Was ich aber damit verdeutlichen möchte ist, dass Klischees eher dazu dienen, sich über eine bestimmte Gruppe von Personen zu erheben oder sich über diese lustig zu machen. Klischees beruhen meistens auf Ressentiments und schüren negative Stimmungen gegen eine bestimmte Gruppe von Personen. Zudem möchte keiner über einen Kamm geschoren werden, sondern als individuelles Lebewesen wahrgenommen werden.

Daher möchten die wenigsten schwulen Männer eine näselnde Tunte oder einen bulligen, haarigen Lederbären in filmischen Darstellungen sehen. Denn dadurch entsteht der Eindruck, dass diese repräsentativ für die schwule Welt stehen. Auch wenn es schwule Männer gibt, die sehr weiblich sind und diesem Klischee nahe kommen mögen (was nicht schlimm ist – seht meinen Artikel zum Thema „heterolike„), machen solche Darstellungen die Schubladen für Schwule sehr klein.

Ich bin wie immer auf eure Meinungen gespannt. Seht ihr das anders? Was haltet ihr denn von positiven Klischees?

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Typisch schwul und das ist auch gut so!

Gebrochenes Handgelenk, promisker Lebensstil und ein ausgeprägter Hang zu Körperpflege und Mode. Es leben die Klischees und genau diese Stereotypen treiben uns immer wieder auf die Palme. Warum eigentlich? Denn völlig aus der Luft gegriffen sind sie nicht.

Natürlich wird niemand gerne in eine Schublade gesteckt, auch wenn das menschliche Gehirn nun mal so funktioniert. Die Gabe der Kategorisierung hat den evolutionären Fortbestand des Menschen gesichert. Unsere Vorfahren haben nicht jeden Säbelzahntiger aufs Neue die Chance gegeben ein braves Tier zu sein. Sie wussten beim bloßen Anblick, dass von diesem Tier Gefahr ausgeht. Der Mensch kategorisiert gerne, um diese unendlich komplexe Welt begreifbar zu machen. So funktioniert im Übrigen auch die Wissenschaft.

Ein Klischee an sich ist auch nichts Schlimmes, sondern nur, wenn es aus Unkenntnis besteht und zu Ablehnungen führt. Das Schöne an Klischees ist aber auch, dass wir manchmal überrascht sind, wenn jemand aus der Reihe fällt. Doch was ist eigentlich typisch schwul?

Ich muss, um diese Frage zu beantworten, bei mir selbst anfangen. Betrachte ich meine iTunes-Playliste, so kann absolut kein Zweifel aufkommen, wie ich gepolt sein mag: Whitney Houston- und Mariah Carey-Songs haben bei mir dreistellige Wiedergabezahlen und auf Partys tanze ich am liebsten zu Lady Gaga und Britney Spears. Ziemlich schwul, würde ich sagen. Bei iTunes bin ich auch gleich beim Thema – Apple: Ich kann es nicht erklären, aber alles, was Apple herstellt, muss ich haben. Die Einfachheit der Bedienung und das kultige Design sprechen mich einfach an. Da bin ich ein totales Konsumopfer.

Mein Aussehen und meine Figur sind mir unglaublich wichtig, daher gehe ich auch regelmäßig zum Sport und schraube meine Kohlenhydratezufur über gewisse Zeiträume auf ein Minimum runter. Typisch schwul. Ich interessiere mich auch eher für Kultur als Sport und ich singe und tanze lieber als dass ich handwerke (was ich auch gar nicht kann). Ich mache meine Selfies gerne mit verspieltem Lächeln vor dem Spiegel, um sie dann bei Instagram zu posten. Die Hashtags #gay und #gayfitness auf Instagram zeigen, dass ich damit nur Teil eines schwulen Trends bin.

Man könnte sagen, dass ich ziemlich schwul bin. Ist das ein Grund mich zu schämen oder zu ändern? Für mich nicht. Ich kann mit einem gewissen Selbstbewusstsein dazu stehen, dass ich viele Stereotypen, die man zu Schwulen hat erfülle. Stereotypen sind auch nicht per se schlecht. Die Herausforderung besteht darin, sie nicht als gesetzt zu sehen.

Sind denn alle so?

Denn schwul heißt nicht, dass wir alle gleichförmig sind und exzessiv Selfies von uns posten. Ich kenne viele Schwule, die sich wenig oder gar nicht für Mode und Design interessieren, die Fußballbegeistert sind und in handwerklichen Dingen total begabt. Der Fall Hitzlsperger zeigt doch, dass schwul und Fußball sich nicht ausschließen. Daher sollten wir unseren Klischees immer aktiv begegnen und immer wieder überprüfen, ob diese noch gültig sind.

Denn jemanden in eine Schublade zu stecken gehört zum menschlichen Wesen. Die Herausforderung besteht darin, dass wir es Menschen ermöglichen aus diesen Schubladen herauszukommen. Ich bin vielleicht ein ziemliches Musterbeispiel was Musikgeschmack und Konsumverhalten angeht, dennoch ist mein Interesse für Mode und Lifestyle-Themen tendenziell gering. Als das künstlerische Talent vergeben wurde, war ich wohl abwesend. Denn ich kann weder malen noch irgendwelche anderen künstlerischen Dinge gut. Beide Punkte klingen vergleichsweise wenig im Vergleich zu dem ganzen Rest, den ich aufgeführt habe. Es ist mir aber auch nicht so wichtig.

Ich will mit diesem Artikel vielmehr verdeutlichen, dass Klischees auch eine Form der Identität sein können. Mit Klischees zu spielen und diese auf die Schippe zu nehmen kann zudem auch sehr lustig sein. Die Serie Will&Grace ist das pure schwule Klischee. Doch dieses Klischee ist so treffend dargestellt, dass es witzig ist. Das 90-minütige Bück-dich-Witz von Bully Herbig dagegen ist unzutreffend und beleidigend. Über beide klischeehafte Darstellungen habe ich bereits geschrieben ( Will & Grace ; Bully Herbig).

Ich bin in gewisser Weise stolz, anders zu sein. Ich genieße es, offen mit meiner Identität leben zu können, auch wenn ich damit bei vielen Menschen in positiven wie negativen Schuladen verschwinde. Klischees ermöglichen es uns, uns von anderen abzugrenzen und unsere eigene Identität zu erkennen.

Wie seht ihr das? Seid ich auch typisch schwul oder findet ihr es schrecklich, dass man euch mit (positiven wie negativen) Vorurteilen begegnet?