Eine Wutrede über die Diskussion um Andreas Gabaliers

(c) by Bad Kleinkirchheim Quelle: http://bit.ly/1DMk27H

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Andreas Gabalier hat es schwer. Nicht nur, dass er ein armer heterosexueller Mann ist, sondern auch, dass er für den Freimut, das zum Ausdruck zu bringen, kritisiert wird. Für seine Aussage, dass man(n) es mittlerweile schwer habe, “wenn man als Manderl noch auf Weiberl steht” erntete der „Musiker“ im Rahmen einer Preisverleihung in der schönen Alpenrepublik heftige Buhrufe aus dem Publikum. Danach fegte noch ein Sturm der Entrüstung aus dem Netz über den Schlagerstar hinweg.

Vom rechten Rand in Österreich bekam der Sänger trotzdem Beifall bzw. Unterstützung. Ein FPÖ-Politiker, nicht unbedingt für politische Umsicht bekannt, verglich den Sänger gar mit „Charlie Hebdo“. Genauso sprang der Extremsportler Felix Baumgartner dem Sänger zur Seite und seinen Mut lobte, zu seiner eigenen Meinung zu stehen. Es ist zwar wirklich schön, dass sich Menschen immer wieder trauen, auch dumme Meinungen öffentlich zu äußern. Sie dürfen sich aber nicht wundern, wenn sie für ihre Meinungen Kritik ernten. Das Prinzip der freien Meinungsäußerung sagt nämlich nur, dass man keine strafrechtliche Verfolgung fürchten muss, wenn man seine Meinung öffentlich äußert (es sei denn sie ist hetzerisch). Es kann aber durchaus sein, dass eine Meinung gesellschaftlich geächtet wird. Besonders dann, wenn sie so undifferenziert und einseitig ist wie die Äußerung von Andreas Gabalier.

Wie lächerlich ist es aus der Perspektive eines heterosexuellen, weißen Österreichers, der im Vergleich zu allen anderen Menschen in seinem Land am wenigsten diskriminiert wird, sich darüber zu beklagen, dass er es schwer habe. Versteht mich nicht falsch. Es ist gut, dass Menschen wie Andreas Gabalier nicht diskriminiert werden (Mehr zum Thema Privilegien gibt es hier). Diese Menschen vergessen aber anscheinend, dass sie ein Privileg haben. Denn für Ausländer, für LGBTs und auch für Frauen gelten diese Privilegien immer noch nicht. Ich möchte auch nicht im Detail auf die Diskriminierungen einzelner Gruppen eingehen. Fakt ist, wir sind nicht alle gleich. Alleine durch die Tatsache, dass diese Diskriminierungen mittlerweile Teil der öffentlichen Diskussion werden fühlt sich Gabalier anscheinend bedroht. Es geht aber nicht darum, Ihm diese Privilegien wegzunehmen. Gleiche Rechte sind kein Nullsummenspiel! Es geht darum, dass Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung die gleichen Rechte haben wie Heterosexuelle. Das gilt für andere übrigens Gruppen, die aus irgendwelchen Gründen ungleich behandelt werden, genauso.

Es ärgert mich darüber hinaus maßlos, dass die undifferenzierten Äußerungen des Sängers vom rechten Rand als schützenswerte Meinung verteidigt werden und die Gabalier die gleiche Bedeutung zugemessen bekommen wie „Charlie Hebdo“. Mehrere Mitarbeiter des französischen Satiremagazin „Charlie Hebdo“ wurden Anfang dieses Jahres Opfer einer Attacke von radikalen Muslimen, die damit ihre Abneigung gegen die Verbreitung islamkritischer Karikaturen zum Ausdruck bringen wollten. Diesen Gewaltakt mit der Kritik gegen die Äußerungen von Gabalier zu vergleichen ist mehr als nur lächerlich. Ich möchte es nochmal zusammenfassen: Wer wie Andreas Gabalier öffentlich Dummheiten von sich gibt, weil er die eigene Situation und die Situation vieler anderer nicht richtig reflektiert, darf sich nicht wundern, dafür kritisiert zu werden. Diese Kritik hat nichts mit einem Angriff auf das Recht der freien Meinungsäußerung zu tun, sondern ist Ausdruck einer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft.

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Das Privileg und die Ignoranz nicht diskrimiert zu werden

(c) b  Oliver Wunder (Quelle: http://bit.ly/1z6iO3i)

(c) b Oliver Wunder (Quelle: http://bit.ly/1z6iO3i)

Letzte Woche bin ich mal wieder durch die Realität eingeholt worden. Als ich einen Artikel über einen homophoben Angriff in einem Sportstudio in Hamburg geteilt habe, hatte ich aus meinem engeren Bekanntenkreis eine etwas verstörende Reaktion darauf erhalten. Ohne im Detail auf den Inhalt des Kommentars nochmal eingehen zu wollen, lautete der Inhalt, dass wir (Homosexuellen) da jetzt durch müssen, das nächste Mal träfe es dann wieder eine andere Minderheit. Auch wenn man behaupten könne, dass das nicht ganz ernst gemeint ist, steckt dort doch eine verstörende Botschaft drin. Fühlen sich Heterosexuelle genervt, wenn wir auf unsere fehlenden Rechte und die Diskriminierungen aufmerksam machen, die uns widerfahren?

Ich kann ja verstehen, dass ständiges Beklagen und Anklagen in den Ohren vieler Menschen nervig klingen mag. Ich würde auch lieber über die schönen Dinge sprechen. Nichtsdestotrotz werden Lesben und Schwule in Deutschland immer noch staatlich diskriminiert (durch fehlende Rechte) und müssen sich vor körperlichen Angriffen fürchten, was das Beispiel aus dem Fitnessstudio in Hamburg zeigt. Daher kommen diese Anklagen nicht von ungefähr.

Daher müssen wir das öffentlich machen und daher ist es in meinen Augen ignorant, darauf mit Unverständnis zu reagieren.

Doch leider spricht genau diese Ignoranz besonders aus vielen heterosexuellen (deutschen) Männern, da diese einfach nicht nachvollziehen können oder wollen, was es bedeutet, wegen der sexuellen Orientierung diskriminiert, wegen des Geschlechts schlechter bezahlt oder wegen der Herkunft ausgegrenzt zu werden. Sie reagieren mit Unverständnis, teilweise sogar genervt darauf, wenn wir uns über so einen Vorfall aufregen, weil sie sich dieses Privilegs nicht bewusst sind. Viele Menschen scheinen zu vergessen, wenn sie gewisse Privilegien haben (das betrifft auch die freie Meinungsäußerung), wie wertvoll diese sind und wie ungerecht es für diejenigen ist, denen diese Privilegien vorenthalten werden. Diese Privilegien sind aber kein Gut, bei dem Konkurrenz entstehen kann. Das bedeutet, dass diese Privilegien nicht weniger wert sind, wenn Homosexuelle die gleichen Rechte haben und nicht mehr diskriminiert werden. Es braucht dafür den notwendigen Respekt anzuerkennen, dass diese Privilegien allen zustehen.

Erst wollen Frauen die gleiche Bezahlung und den gleichen sozialen Stand, nun fordern Homosexuelle mit Respekt behandelt und mit den gleichen Rechten ausgestattet zu werden. Doch scheinen Menschen, die diesen Status schon erreicht zu haben, dass wir damit in Konkurrenz treten wollen. Respekt und gleiche Rechte sind aber keine Güter, bei denen es Konkurrenz im Konsum geben kann. Wenn wir das alle negreifen, nimmt hoffentlich auch die Angst ab, dass damit jemandem etwas weggenommen würde.

Wie seht ihr das? Warum reagieren einige Heterosexuelle genwevt, wenn Schwule und Lesben nach den gleichen Rechten rufen und Diskriminierungen und tätliche Angriffe öffentlich anprangern? Ich bin auf eure Meinung gespannt.