10 wirkliche gute schwule Werbeanzeigen

Immer mehr Marken unterstützen offen die gesellschaftliche Toleranz und die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben und zeigen das in ihren Werbeanzeigen und Spots. Die einen sind in ihrer Unterstützung sehr explizit, andere äußern sich eher zurückhaltend oder mit einer leicht ironischen Note zu diesem Thema. Daher möchte ich in einem kurzen Beitrag 10 schwule Werbeanzeigen bzw. Spots für euch vorstellen. Für mich überraschend bzw. enttäuschend ist, dass ich kein wirklich gutes Beispiel aus Deutschland gefunden habe. Ausnahme ist m.E. Volkswagen, wobei dieser Spot im Vergleich zu den anderen etwas abfällt.

Die nun folgende Liste ist kein Ranking, sondern lediglich eine Aufzählen. Die Bewertung, welche Anzeigen oder Spots ihr am besten findet, überlasse ich euch.

 

1. IKEA

Das schwedische Möbelhaus IKEA hat es aber geschafft bei Schwulen und Lesben hoch im Kurs zu stehen, obwohl die Schweden weder die innovativsten, teuersten oder modischsten Möbelstücke bauen, noch durch ein besonderes Design hervorstechen. Denn IKEA hat sich sehr früh für die Belange von Schwulen und Lesben engagiert und weltweit damit Tabus gebrochen: 1994 wurde der erste TV-Spot mit einem schwulen Pärchen auf einem nationalen Fernsehkanal in den USA gesendet. Darin sprach ein sehr vertraut wirkendes Paar über die Wohnungseinrichtung von IKEA. Die beiden vollenden die Sätze des jeweils anderen. IKEA gehört für mich zu den absoluten Pionieren in diesem Bereich.

2. Oreo

Oreo Gay Pride 2012

Der Kekshersteller Oreo demonstrierte mit diesem Bild auf seinem US-Facebook-Profil seine Sympathie zur schwul-lesbischen Community. Zwar gab es dafür auch Proteste, aber letztlich hat es dem Unternehmen genutzt. Seither wird das Unternehmen als besonders gayfriendly wahrgenommen und hat sich als Pionier in diesem Bereich behaupten können.

3. Google

 

Mit diesem Video macht Google auf die besonders guten Arbeitsbedingungen seiner schwul-lesbischen Mitarbeiter aufmerksam. In kurzen Interviews erzählen Mitarbeiter von der Diskriminierung, die sie vor Google erfahren haben. Das Video ist ein wirklich geschickter Zug sich als gayfriendly Arbeitgeber zu positionieren.

4. Bertolli

 

Bertollis Pasta ist für alle da. Nachdem sich Barilla Ende 2013 durch die Äußerungen ihres CEOs in die Homophobie-Falle manövriert hatte, reagierten einige Wettbewerber prompt und demonstrierten, dass ihre Pasta auch Lesben und Schwulen schmecken sollen darunter auch Bertolli. In diesem Werbevideo aus dem Jahr 2006 zeigt Bertolli, dass ihnen dieses Engagement nicht erst durch die Barilla-Krise eingefallen ist.

5. Expedia

Was fühlen eigentlich Eltern lesbischer oder schwuler Kinder? Dieser Frage geht Expedia in einem sehr gefühlvollen Spot nach. In dem sehr emotionalen Video erzählt ein Vater wie er lernen musste damit umzugehen, dass seine Tochter eine Frau heiraten wollte. Dabei drückt er die Gefühle vieler Eltern von homosexuellen Kindern in einfachen aber treffenden Worten aus.

 

6. Amazon

Das Thema Homosexualität wird in diesem Spot nur am Rande aufgegriffen. Amazon spielt aber mit damit, dass Homosexuelle nicht sofort zu erkennen sind. In dem Spot wird eine flirtähnliche Situation dargestellt. Am Ende stellt sich der Mann aber als schwul heraus. Die Situation wird aber in keiner Weise als lächerlich oder problematisch dargestellt. Das macht den Clip für mich zu einer gelungenen Werbung.

7. Ray Ban

Ray-Ban ad with gay couple

Es gibt Marken, die bieten sich besonders dafür an, Werbung für Schwule zu machen. Der italienische Brillen-Hersteller Ray Ban zum Beispiel ist bei Schwulen durch seine Designerbrillen besonders beliebt. Dies haben die Italiener erkannt und würdigen ihre schwule Zielgruppe mit diesem gelungenen Anzeigenmotiv.

 

8. Chevrolet Volt

Chevy Volt Pride Ad

Aus der Kategorie witzig ist dieses Anzeigenmotiv von Chevrolet. Die Anzeige spielt mit der Outing-Situation von Schwulen und Lesben in einer kreativen und witzigen Weise. Die Anzeige ist zudem ein Ausdruck der Sympathie für die schwul-lesbische Community und gehört damit in diese Liste

9. McDonalds

 

Das Video zeigt einen Jungen, der in einer McDonalds-Filiale auf seinen Vater wartet. Papa ist gerade damit beschäftigt, das Essen zu besorgen. Währenddessen schaut der Junge auf ein Klassenfoto und telefoniert dabei mit einer Person am Handy, in die er verliebt zu sein scheint. So wie das viele Teenager in seinem Alter tun, wenn sie sich das erste Mal verliebt haben. Er beendet das Gespräch mit den Worten, dass sein Vater nun komme und er auflegen muss. Der Vater sieht das Klassenfoto und erzählt, dass er früher genauso gewesen sei wie sein Sohn – ein richtiger Frauenschwarm. Dann fügt er noch an, dass es schade sei, dass in der Klasse seines Sohnes nur Jungen seien. Dann zeigt McDonalds den Werbespruch „Kommt so wie ihr seid“.

Ein wirklich tolles Bekenntnis für Toleranz von Lesben und Schwulen. Den ganzen Artikel dazu gibt es hier.

 

10. Volkswagen

 

Ich habe schon angekündigt, dass der Spot etwas abfällt im Vergleich zu den anderen. Dennoch finde ich die Werbung erwähnenswert. Zwar wird das Thema Homosexualität problematisiert, da die Nachbarin ein Problem damit zu haben scheint, nichtsdestotrotz liegt die Peinlichkeit eher bei den Nachbarn.

 

Leider fehlen mir in dieser Liste die tollen Beispiele aus Deutschland. Woran das liegt, weiß ich nicht. Gerade in Deutschland würde es sich anbieten das Thema Homosexualität präsenter in der Werbung zu zeigen. Was meint ihr dazu?

Findet ihr die Liste vollständig oder fehlt noch eine Werbung, die hier unbedingt reingehört?
Ich bin auf eure Meinung gespannt.

 

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Shitstorm gegen Pro-Gay-Werbung – Auf welche Kunden kommt es an?

Warum haben so viele Unternehmen Angst vor einem klaren Bekenntnis zu Homosexualität? Ich würde behaupten, dass sie sich vor den Protesten homofeindlicher Kunden fürchten. Doch warum diese Angst? Die Frage, die sich jedes Unternehmen stellen sollte ist, für welche Kunden möchte es attraktiv erscheinen?

Diese Frage beantwortete kürzlich der Snack-Hersteller (mir war er unbekannt) Honey Maid mit einer Pro-Gay-Werbung in Amerika. Ich habe euch das Video zu dem Spot hier angehängt. Ein wirklich schön gestalteter TV-Commercial. Doch die Darstellung dieses TV-Spots löste bei einigen Zuschauern eine Welle des Protests aus – einen so genannten Shitstorm. Denn nach Auffassung einiger Twitter-Nutzer war die Darstellung von homosexueller Liebe ekelerregend und unpassend.

Schon häufiger wurden Unternehmen (vor allem in den USA), die ihre liberale Haltung zu Homosexualität öffentlich demonstrierten zur Zielscheibe radikaler Gruppen. Die Beispiel Oreo (MEHR HIER und HIER) und IKEA (MEHR HIER) zeigen mit welch rabiaten Mitteln religiöse Gruppen und radikale Familienverbände auf eine liberale Haltung gegenüber Homosexualität reagieren. Gegen IKEA wurde in den 90ern sogar eine Bombendrohung ausgesprochen.

Doch wie sollen Unternehmen auf solch heftige Reaktionen ihrerseits reagieren?

IKEA entfernte damals den Spot aus dem Programm. Die USA waren anscheinend in den 90ern nicht so weit, die Vorstellung einer gleichgeschlechtlichen Familie zu ertragen. Oreo ignorierte die Proteste seines Pro-Gay-Statements. Doch so offensiv wie der amerikanische Snackhersteller Honey Maid reagierte noch keiner. Das Unternehmen produzierte kurzerhand ein weiteres Video, in dem es alle Tweets gegen das Video ausdruckte und zusammenrollen ließ. Aus den Papierrollen wurde das Wort „Love“ gestellt. Damit zeigt das usamerikanische Unternehmen, was es von den Protesten der Homo-Gegner hält – nämlich ziemlich wenig. Gleichzeitig bekräftigt der Snackhersteller sein Bekenntnis zu homosexuellen Liebe und sammelt damit extra viele Sympathien. Das nicht nur bei schwulen und lesbischen Verbrauchern.

Denn was alle genannten Unternehmen (IKEA, Oreo und Honey Maid) gleichermaßen verstanden haben ist, auf welche Kunden sie verzichten können. Klar verlieren Unternehmen einen Teil ihrer Kundschaft, die mit der liberalen Haltung nicht zu Recht kommen, doch der Verlust hält sich quantitativ in Grenzen. Auf der anderen Seite ist die Zahl der Kunden, die ein Unternehmen dadurch gewinnen kann viel größer. Nicht nur bei Homosexuellen gewinnen Unternehmen durch solche Bekenntnisse Sympathien, sondern auch bei großen Teil der liberalen Gesellschaft.

Die meisten Unternehmen fürchten allerdings  klare Statements zu diesem Thema, weil sie Proteststürme generell fürchten. Unternehmen wollen nicht anecken oder potentielle Kunden verschrecken. Doch verkennen sie dadurch, dass jede Form der Kommunikation einige Empfänger abschreckt. Wer Mut beweist, gilt als glaubwürdiger Vorreiter bei einer gesellschaftlichen Frage und wirkt dadurch besonders glaubwürdig. Die wenigen radikalen Konsumenten, die man dadurch verschreckt, sind in meinen Augen verkraftbar. Als Unternehmen sollte man sich sowieso bewusst darüber sein, welche Kunden man an sich binden möchte.

Ein klares positives Statement bringt mehr Sympathien als dass es welche kostet. Ein klares Statement zu diesem Thema kann aber auch in die andere Richtung gehen, was Barilla Ende letzten Jahres unter Beweis stellte (MEHR HIER). Diese Beispiel ist, in meinen Augen, auch der beste Beweis für meine These. Natürlich gab es viel Beifall für Barilla vom rechten Rand der Gesellschaft, doch der Imageschaden insgesamt (nicht nur bei Lesben und Schwulen) ist bis heute enorm. Die gesamtgesellschaftliche Einstellung gegenüber Homosexualität hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewandelt. Mittlerweile wirkt es eher rückwärtsgewandt, Homosexualität als sündhaft abzutun. Das Thema ist zwar nach wie vor polarisierend, die Entwicklung geht aber in Richtung Toleranz. Daher gilt es, frühzeitig diesen Wandel zu gestalten.

Daher plädiere ich dafür, dass Unternehmen in dieser Frage mehr Mut beweisen. Die positiven Effekte für ein klares positives Bekenntnis zur gleichgeschlechtlichen Liebe überwiegen klar. Also nur Mut zu klaren Statements.