Maxdome streicht Kategorie „queer“ wegen „Familienfreundlichkeit“

maxdome_1.PNGBisher hatte der Videostreaming-Dienst maxdome gegenüber seinen Mitbewerbern Netflix und Prime ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal: Der Streamingdienst sammelte eine große Auswahl an queeren und schwul-lesbische Filme in einer eigenen Rubrik. maxdome warb mit diesem Angebot sogar in der Zielgruppe. Das scheint Maxdome mittlerweile unangenehm. Denn mit dem Hinweis auf die „Familienfreundlichkeit“ des Angebots strich Maxdome fast alle Filme. Die wenigen verbliebenen Filme mit schwul-lesbischen Inhalten wurden in anderen Kategorien versteckt.

Von Seiten der ProSiebenSat.1-Unternehmensgruppe gibt man sich bedeckt und so gab Unternehmenssprecher Matthias Bohlig gegenüber der blu Mediengruppe folgende Begründung an:

„Die Änderungen unseres Contents erfolgten im Rahmen unseres regulären und laufenden Portfoliomanagements, zu dem wir keine Details nennen können. Dahinter steckt aber keineswegs die Absicht, beispielsweise nur noch Inhalte für Familien anzubieten. Es ist sehr wohl denkbar, dass maxdome in Kürze wieder deutlich mehr Filme mit schwul-lesbischem Inhalt hat. maxdome wird derzeit einer grundsätzlichen Neuausrichtung unterzogen, in deren Rahmen wir unsere Nutzer schneller und einfacher zu ihren bevorzugten Inhalten führen möchten.“

Den Content-Lieferanten des schwul-lesbischen Angebots, darunter Axel Schmidt, Geschäftsführer von Pro-Fun Media lieferte maxdome die Begründung, dass der Dienst sich ausschließlich an Familien richten wolle.

Implizit unterstellt maxdome, dass schwule oder lesbische Inhalte also nicht für Familien geeignet sind. Eine solch mittelalterliche Argumentation sollte nicht nur Schwule und Lesben empören. Diese Argumentation bläst in das gleiche Horn wie die Argumente aller Bildungsplangegner, die Homosexualität von Kindern fern halten wollen, damit diese nicht schwul werden. In einer aufgeklärten Gesellschaft, in der Familien die Werte Toleranz und Offenheit lernen sollen, ist es sogar wichtig, dass das Thema Homosexualität in der Literatur oder in Filmen behandelt wird – auch für ein heterosexuelles Publikum. Ablehnung und Hass gegenüber Schwulen und Lesben resultiert aus Unwissenheit und Unkenntnis.

Familienfreundlichkeit ist also ein recht zynisches Argument, die Kategorie und die Filme aus dem Angebot zu streichen. Wirklich offen ist die Kommunikation seitens des Unternehmens auch nicht. Auf Facebook wurden einem empörten Nutzer der Umstand, dass die Filme nicht nur umsortiert, sondern gar gelöscht wurden, falsch kommuniziert.

maxdome

Natürlich ist maxdome nicht verpflichtet, ein breites Angebot aus schwul-lesbischen Filmen anzubieten. Ich finde dies aber besonders zweifelhaft, da der Streaming-Dienst lange Zeit damit warb und laut Pro-Fun Media auch steigende Abrufzahlen zu verzeichnen waren. Das Argument der familienfreundlichen Ausrichtung des Senders ist aber inakzeptabel.

Was haltet ihr von dem aktuellen Schritt und der Begründung der Familienfreundlichkeit?

Update: Mittlerweile hat maxdome reagiert und nimmt auf seinem Blog Stellung. Macht euch am besten selbst ein Bild. Leider nimmt das Unternehmen keine Stellung zu dem Vorwurf der Content-Lieferanten, sie hätte  die Filme wegen der neuen „Familienfreundlichkeit“ aus dem Angebot genommen. Außerdem wird nichts zu der unglücklichen Kommunikation auf Facebook gesagt, in der zunächst kommuniziert wurde, die Filme seien nur einer anderen Kategorie zugeordnet worden.

 
 

Advertisements

Coming-Out dank Windows 10 – Wie Microsoft die Intimsphäre von Jugendlichen verletzt

Microsoft hat mit Windows 10 ein neues Update seines beliebten Betriebssystems herausgebracht, dass es Eltern (über ein Feature) ermöglicht, sich den Browser-Verlauf ihrer Kinder wöchentlich zuschicken zu lassen. Damit können Eltern wirklich alles erfahren, was ihre Kinder im Internet besuchen und welche Informationen sie googlen.
Update: Da sich auf Facebook ein Nutzer beschwert hat: Hier ist die Beschreibung von Microsoft selbst: http://windows.microsoft.com/de-de/windows-10/monitor-child-device-activity

Natürlich ist das Feature mit einem guten Motiv gestartet. Ich bin auch dafür, dass sich Eltern dafür interessieren, was ihre Kinder im Internet machen, mit welchen Menschen sie chatten und welche Informationen sie preisgeben – von dem Besuch pornografischer und gewalttätiger Inhalt ganz zu schweigen.

(c) by Mike Mozart (Quelle: http://bit.ly/1JBqorC)

(c) by Mike Mozart (Quelle: http://bit.ly/1JBqorC)

Dennoch ist der Seitenverlauf von jedem Menschen eine höchst private und intime Angelegenheit (auch von Kindern und Jugendlichen). Nichts ist so selbstentlarvend über uns als die Seiten, die wir besuchen und die Informationen, die wir bei Google suchen. Dabei kann es sein, dass Eltern Dinge über ihre Kinder erfahren, die sie gar nicht wissen wollen oder auch gar nicht wissen sollen,

Eine Befürchtung von LGBT Organisationen ist es zum Beispiel, dass dadurch Eltern in ihrem Kontrollwahn lange vor dem eigentlichen Coming-out erfahren, dass ihre Kinder lesbisch oder schwul sind. Das ist nach Meiner Meinung ein grober Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und nicht verhältnismäßig. Jugendschutz im Internet ist wichtig. Es gibt Möglichkeiten pornografische Inhalte zu sperren. Eltern sollten bis zu einem gewissen Alter auch prüfen, mit wem Kinder im Internet kommunizieren. Doch wirklich alles zu kontrollieren ist der falsche Weg.

Es ist vor allem ab einem gewissen Zeitpunkt gut, dass Eltern nicht mehr alles über ihre Kinder wissen. Im Namen der Sicherheit darf nicht jede Maßnahme ergriffen werden Menschen zu kontrollieren. Das kann man unbegrenzt hochskalieren und ich möchte nicht wissen, welche Informationen von staatlichen Stellen (oder ausländischen Quellen) über unser Surfverhalten getrackt werden, um eine angebliche Sicherheit zu garantieren. Kinder und Jugendliche haben nach Meiner Meinung nach nicht weniger Recht auf eine Intimsphäre (auch wenn Eltern bis 18 das Sorgerecht über sie haben).

Denn diese Sicherheit, die Micorsoft verspricht, ist nie absolut und er Vertrauensverlust und die Einschränkung der Freiheit dafür unverhältnismäßig groß. Dieses Security-Update für Windows 10 kann über andere PCs, auf denen es nicht läuft, iOS oder Androide Smartphones einfach umgangen werden. Ich finde diesen Schritt, zur totalen Kontrolle aber sehr gefährlich. Versierte PC-Spezialisten schaffen es mittlerweile wahrscheinlich auch, den Browserverlauf jedes beliebigen Menschen zu schicken (Freunde, Partner etc.). Wo hört die Kontrolle auf? Wann begreifen wir, dass wir Sicherheit nicht durch das Einschränken von Freiheit erhalten? Vor allem nicht, wenn die Menschen. Die wir kontrollieren uns so nahe stehen.

Wie seht ihr das? Ich bin auf eure Meinung gespannt.