Homosexualität als Asylgrund: Das doppelte Leid lesbischer, schwuler und transsexueller Flüchtlinge

Flüchtlingsheime in Berlin (c) by Fraktion DIE LINKE. im Bundestag (Quelle: http://bit.ly/1ExUkop)

Flüchtlingsheime in Berlin (c) by Fraktion DIE LINKE. im Bundestag (Quelle: http://bit.ly/1ExUkop)

Die Flüchtlingsdebatte und der Umgang der deutschen Bevölkerung mit den Menschen, die nach Deutschland einreisen, bestimmt seit Wochen die Agenda der deutschen Medien. Aber auch die Zustände in den Flüchtlingsheimen und der Umgang der sehr heterogenen Flüchtlingsgruppen ist immer wieder Teil der Diskussion.

Die große Flüchtlingswelle ist sicherlich durch die dramatischen Zustände in Syrien losgetreten worden, wo Krieg und Verfolgung auf der Tagesordnung stehen. Doch weltweit gibt es noch viele andere Länder, die bestimmte Gruppen aus religiösen Gründen oder wegen ihrer Sexualität verfolgen. Darunter zählen auch viele Homo- und Transsexuelle, die in ihren Heimatländern zum Teil mit dem Leben bedroht werden (In diesen Ländern ist Homosexualität strafbar).

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg urteilte 2013, dass homosexuelle Flüchtlinge aus Staaten, in denen Homosexuelle verurteilt werden, zu den so genannten „bestimmten soziale Gruppe“ im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention gehören und damit Anspruch auf Asyl in der europäischen Union haben.

In der Theorie klingt das ziemlich einleuchtend, doch ist die Anerkennung des Asylgrunds nicht immer ganz einfach. Schwule, Lesben und Transsexuelle müssen ihre Sexualität nachweisen und beweisen, dass sie in ihrem Land deswegen verfolgt werden. Asyl in Deutschland ist und bleibt ein bürokratischer Akt. Ein viel größeres Problem ist aber die Scham und die Angst auf Ablehnung und Verfolgung in Deutschland. Auch in den Flüchtlingsheimen selbst.

Die Berliner Zeitung (B.Z.) schreibt in dem Artikel „Das besondere Leid der homosexuellen Flüchtlinge“, dass homo- und transsexuelle Flüchtlinge ihre Orientierung meist versuchen zu verstecken, da sie in den Heimen selbst verbale und körperliche Bedrohungen fürchten.

In dem Artikel geht es vor allem um die Geschichte der 25-jährigen Transsexuellen Maggi aus dem Libanon.

„Im Flüchtlings-Heim denken die, ich bin ein Alien“, sagt Maggy. Sie hat ein Einzelzimmer bekommen, aus dem sie vor Angst kaum raus geht. Ihr Freund hat es noch schwerer, lebt mit anderen Flüchtlingen in einem Raum. Die beschimpfen ihn als ‘Schwuchtel’, wenn er beim Duschen die Tür der Gemeinschaftsdusche abschließt.“

In Berlin werden derzeit 22 Schwule, Lesben und drei transsexuelle Flüchtlinge sozialpädagogisch betreut. Viele Flüchtlinge berichten von Beleidigungen und Bedrohungen in den Heimen. Neben den vielen traumatischen Erlebnissen in den Heimatländern kommen für diese Flüchtlinge weitere Erfahrungen von Verfolgung und Bedrohung hinzu. Viele Flüchtlinge kommen aus streng islamischen Gesellschaften, in denen Homosexualität verpönt bzw. sogar verboten ist. In den beengten Unterkünften der Flüchtlingsheime kochen solche Konflikte leider verstärkt hoch. Von staatlicher Stelle ist dieses Problem bisher noch nicht erkannt worden. Ich möchte auch keine Debatte lostreten, dass den Flüchtlingen deutsche Toleranzstandards beigebracht werden müssen. Generell wird es aber so sein, dass jeder, der dauerhaft in Deutschland bleiben möchte, zu akzeptieren hat, dass hierzulande jeder Mensch – egal welcher Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung – den gleichen Respekt verdient hat.

Mir geht es um den besonderen Schutz, den homosexuelle Flüchtlinge brauchen, damit ihnen die Ankunft in Deutschland leichter gemacht wird. Welche Maßnahmen dazu notwendig sind, vermag ich aus der Ferne nicht beurteilen, vor allem, da ich die genaue Situation nicht kenne. Ich bin auf eure Meinung gespannt.

Advertisements

AFD will mit Hetze gegen Homo-Propaganda in den Wahlkampf von Baden-Württemberg

(c) by blu-news.org Quelle: http://bit.ly/1DdQwIr

(c) by blu-news.org
Quelle: http://bit.ly/1DdQwIr

Die AFD ist auf dem Weg nach ganz rechts außen. Nachdem sich die Partei bei ihrem vergangenen Parteitag faktisch gespalten hat, haben die ultrarechten das Sagen und sind von der Polemik nur noch schwer von NPD und Konsorten zu unterscheiden. Damit hat sich die Partei auch entscheiden, was sie sein möchte – eine homophobe Partei.

Jetzt hat die Partei in einem Papier zum anstehenden Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg dem so genannten „Gender Mainstreaming“ den Kampf angesagt. Dabei bedient sich die Alternative für Deutschland rhetorisch und inhaltlich bei Putin und fordert ein Verbot „jegliche(r) staatliche(r) Propaganda – In Schulen, den Massenmedien oder im öffentlichen Raum – für bestimmte sexuelle Orientierungen oder Verhaltensweisen strikt ab. Die Förderung der klassischen Familie ist davon ausgenommen.“

Übersetzt bedeutet das nichts anderes als, dass sich die AFD darum sorgt, dass man Kinder zur Homosexualität erziehen könnte. Ein Argument mit dem Putin schon vor einem Jahr rigoros gegen Homosexualität im öffentlichen Raum vorgegangen war. Die AFD versucht wohl damit entrüstete Wutbürger im Ländle auf ihre Seite zu ziehen, die seit Jahren gegen die liberale Schulpolitik der grün-roten Landesregierung auf die Straße gehen. Die Vorstellung, man könne für eine sexuelle Orientierung werben ist einfach nur lächerlich. Dabei steht die Partei glücklicherweise alleine dar, denn selbst die CDU würde in Baden-Württemberg bei einer möglichen Regierungsübernahme so weit gehen.

Gefährlich ist indes die Rhetorik der rechtspopulistischen Partei mit der gegen Toleranz argumentiert wird. So heißt es in dem Papier der AFD wörtlich: „Die Alternative für Deutschland hält einen Sexualkundeunterricht für Kinder und Jugendliche, der ‚zu sexuellem Experimentieren Ermutigen soll‘, für einen sittenwidrigen Eingriff in die Kinderseelen und für eine schwerwiegende Beeinträchtigung der psychischen und physischen Entwicklung junge Menschen.“

Damit driftet die Partei in der Wortwahl vollkommen ins rechtsextreme Spektrum ab und kann als homophobe Partei bezeichnet werden. Für Homosexualität kann man zwar nicht werben, leider aber für irrgeleitete politische Überzeugungen. Daher hoffe ich, dass die Forderungen der AFD in der politischen Diskussion am rechten Rand bleiben und keinen Einzug in den Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg finden.

Wie seht ihr das? Sind die Äußerungen der AFD gefährlich und treffen gar den Nerv eines großen Teil der Bevölkerung oder sind es die rechten Parolen einiger weniger?