Schwule Machtübernahme im Fitnessstudio.

(c) by Caden Crawford (Quelle: http://bit.ly/1hMkGJ1)

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Caden Crawford (Quelle: http://bit.ly/1hMkGJ1)

Das Sommerloch lässt grüßen. In der Kategorie der unnötigster Artikel aller Zeiten gewinnt dieses Mal das Zeit-Magazin mit einem Artikel über die schwule Machtübernahme im Fitnesstudio. Autor Steffen Jan Seibel beschwert sich darüber über die Übernahme der Sauna und Spa-Berreiche durch sexbesessene Schwule, die dadurch alle braven Heterosexuellen vertreiben würden. Der Autor selbst schreibt im Zeit Magazin häufiger über Schwule Themen und ich will ihm daher unterstellen selbst schwul zu sein, was die Sache nicht unbedingt besser macht.  Und ja ich habe verstanden, dass dieser Artikel eine Glosse ist. Polemik und Überspitzung sind erlaubt, fragt sich nur, was hier überspitzt wird und an welche Zielgruppe es sich richtet. Der gleiche Artikel in einem Schwulenmagazin hätte wohl eine andere Wirkung.

Aber an dieser Stelle, sollte jeder selbst sich die Kernthese des Autoren durchlesen und auf sich wirken lassen:

(…) Ich war in einem Fitnessstudio in Berlin-Mitte zu einem Probetraining. Erst sah alles ganz gewöhnlich aus. Weder an der Beinpresse noch an der Hantelbank gab es Hinweise auf eine schwule Machtübernahme. Später ging ich in die Sauna. Dort waren die Homos plötzlich in der Überzahl. Es schien, als hätten sie die Heteros verdrängt. (…) Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn Schwule, Lesben und Heteros getrennt Sport machen. Eine Nische ist immer auch ein Ort der individuellen Freiheit. Schon seit längerer Zeit gibt es ja Fitnessstudios, in denen nur Frauen Mitglied sein dürfen, weil die ohne Männer offenbar entspannter trainieren können. Ich habe nun auch eine Geschäftsidee: ein Studio nur für Heteromänner. Für Namensvorschläge bin ich offen.

Schwierig an der Artikel finde ich neben der Wortwahl „Homos“ vor allem, dass der Artikel einen gefährlichen Subtext hat: Möchte der Autor uns damit sagen, dass es Clubs geben sollte, in denen Schwule keinen Zutritt haben, da sie im Saunabereich nicht die Hände voneinander lassen können?

Was ist das eigentlich für eine logische Begründung? Ich finde es auch nicht gut, wenn öffentliche Orte für sexuelle Handlungen missbraucht werden. Es aber hinzustellen, dass dies alleine ein schwules Phänomen sei, finde ich grottesk. Jedes Fitnesstudio, Freibad oder was auch immer hat eineHausordnung. Wer sich gestört fühlt, darf und sollte das melden. Es ist kein schwules Phänomen. Trotzdem will ich es nicht gutheißen, wenn Männer das machen, was ich in dem Artikel über Cruising schon geschrieben habe.

Es handelt sich dabei aber nicht um ein Massenphänomen. Ich gehe auch seit fünf Jahren regelmäßig ins Fitnessstudio und habe dort weder selbst Sex gehabt, noch bin ich jemals Zeuge davon geworden. Nicht jeder Fitnessbereich ist von Schwulen belagert, die dort ihrer sexuellen Befriedigung nachgehen wollen. Daher finde ich den Artikel ziemlich unreflektiert und platt.

Anscheinend fühlt sich der Autor durch die sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen:

Von 100 Sportstunden im Jahr wurden in meiner Schulzeit 80 Stunden Fußball gespielt. Die Dominanz dieser Sportart im Unterricht wurde nur übertroffen durch das Thema „Drittes Reich“ im Fach Geschichte. Ich erinnere mich nicht daran, ein einziges Tor geschossen zu haben. Ich schätze, es ist nicht nur mir so ergangen. Jetzt zahlen es die Schwulen den Heteros heim, indem sie sie aus den Fitnessstudios verdrängen.

Ist das Sommerloch schon so weit, dass wir uns um solche Dinge Gedanken machen müssen? Es gibt im Zusammenhang mit Sport und Fitness wichtigere Themen, über die wir sprechen sollten. Ein Thema, das wirklich Relevanz hat, ist z.B. die unterschwellige bis offene Homophobie, die in einigen Fitnessstudios still geduldet wird.

Wie seht ihr das? Ist der Einwurf berechtigt? Seht ihr das völlig anders? Ich bin auf eure Meinungen gespannt.

(c) by Ms. Phoenix (Quelle: http://bit.ly/1PAWx3t)

(c) by Ms. Phoenix (Quelle: http://bit.ly/1PAWx3t)

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Homophobie im Fitnessstudio – der Fall Holmes Place

Quelle: Facebook-Seite Holmes Place

Quelle: Facebook-Seite Holmes Place

Muss man als schwuler Mann immer noch Angst haben in Deutschland Opfer körperlicher Gewalt zu werden? Leider sind der Hass und die Gewalt, die nicht in das beschränkte Weltbild einiger Menschen passen nicht so leicht auszurotten. Nach einem Bericht der OSZE ist die Zahl der durch Hass motivierten Gewaltverbrechen seit 2010 in Deutschland deutlich angestiegen. Darunter fallen sowohl Verbrechen, die durch Rassismus und Homophobie motiviert wurden. Das Ausmaß an Morden und Gewalttaten aus diesen Motiven seit der Wiedervereinigung in Deutschland sehr hoch.

Da Statistiken aus schwarzen, leblosen Zahlen bestehen und die Masse erst aufschreckt, wenn ein personalisiertes Beispiel die Runde macht, möchte ich auf den Vorfall im Hamburger Sportclub Holmes Place eingehen. Am Wochenende kam es dort anscheinend zu einem homophoben Übergriff auf ein homosexuelles Pärchen. Die Reaktion des Club-Managers, so die Aussage des Opfers, soll mehr als nur unangemessen sein. Neben persönlichen Abneigungen (laut Zeuge sagte der Club-Manager „Er sagte uns, er könne uns zwar nicht leiden, aber das würde jetzt doch zu weit gehen“), soll der Club-Manager den langjährigen Mitgliedern den Austritt nahe gelegt haben.

Der Club bestreitet diese Äußerungen vehement und aus der Ferne ist es sicherlich nicht möglich, ein Urteil in diesem Fall zu treffen. Was von diesem Vorfall aber übrig bleibt ist ein unangenehmes Gefühl der Unsicherheit. Vielen Schwulen ist durch diesen Vorfall bewusst geworden, wie schnell sie immer noch Opfer homophober Gewalt werden können. Nicht nur im Sportstudio, sondern auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, Cafés oder nachts alleine auf der Straße.

Zudem frage ich mich bei diesem Vorfall, welchen Schutz von der Gesellschaft oder den Augenzeugen man zu erwarten hat. Die angebliche Reaktion des Sales Managers lässt eher darauf schließen, dass man nicht wirklich viel erwarten kann. Auch wenn das Studio kurz nach dem Vorfall ein Statement veröffentlicht hat, in dem es vehement den Darstellungen des Artikels des schwulen Magazins Blu widerspricht, ging es in dem Statement eher darum, das eigene Image zu retten. Ein klares Bekenntnis, dass Homophobie keinen Platz bei Holmes Place hat, fehlt mir vollkommen. Daher ist auch berechtigte Skepsis an dem Statement des Holmes Place und der Variante der Geschichte angebracht, die über ihre Facebook-Seite verbreitet wird. Auch haben sich andere große Fitnesstudio-Ketten in Deutschland wie Fitness First oder McFit bisher noch nie klar als gayfriendly geoutet. Jetzt zum Beispiel wäre der ideale Zeitpunkt. Auch in der Barilla-Krise haben viele Nudelhersteller ihre Liebe zu homosexuellen Kunden erkannt und damit gepunktet.

Mich persönlich überrascht gerade, dass bisher noch keine Fitnessstudio-Kette auf die Idee gekommen um schwule Kunden zu werben. Schwule sind eine attraktive Zielgruppe für Sportstudios, auch wenn sie auch ohne Bekenntnis in eine Sportstudio gehen werden, kann ein Bekenntnis, dass Homophobie in keinem Studio geduldet wird, ein elementarer Faktor sein, mit welcher Kette man als homosexueller Mann seinen Vertrag abschließt. Mit einem Solidaritätsbekenntnis könnte eine Fitnesstudio-Marke viele Sympathien gewinnen.

Heterosexuelle Mitglieder werden sie durch eine solche Taktik wohl kaum verprellen. Auch wenn die Angst, dass latent homophobe Mitglieder sich dadurch abgeschreckt fühlen könnten wohl mitschwingt. Ich möchte aber in diesem Punkt die Verantwortlichen in Fitnessstudios fragen, welche Art von Mitglieder sie in ihren Studios trainieren lassen möchten.

Was meint ihr zu diesem Vorfall?