Rapper Kanye West fühlt sich wegen seiner Heterosexualität in der Modewelt diskriminiert

Quelle: Instagram Profil von Kanye West (http://bit.ly/1MjQGQQ)

Quelle: Instagram Profil von Kanye West (http://bit.ly/1MjQGQQ)

Der Rapper Kanye West macht mal wieder auf sich aufmerksam mit einer seiner seltsamen Aussagen.

Kanye fühle sich, wie er in einem Interview mit der Mode-Website Showstudio.com erklärt, von der Modewelt diskriminiert, weil er nicht schwul sei. Immerhin erkennt Kanye auf der anderen Seit auch an: „In der Musik wird man definitiv diskriminiert, wenn man schwul ist!“ Das relativiert seine Aussage schon etwas. Denn der Rapper fordert klar, dass man sich von Klischees verabschieden sollte. Da muss man Kanye absolut Recht geben. Schließlich ist er nach eigenen Angaben Jesus und der (über)nächste Präsident der USA.

Dass man den Rapper nicht immer ganz so ernst nehmen darf, hat er durch viele seine Äußerungen erfahren dürfen. Generell ist der Rapper aber nicht homophob und schon gar nicht auf einer gedanklichen Eben wie der österreichische Schlagersänger Andreas Gabalier (mehr dazu hier und hier), der in mehreren Äußerungen von der öffentlichen Bevorzugung Homosexueller gesprochen hat.

Kanye West hat durchaus gute Motive, wenn er sich generell gegen Diskriminierung einsetzt. Dass der Sänger große heterosexuelle Designer wie Roberto Cavalli oder Tommy Hilfiger vergessen.

Es ist aber generell ein Vorurteil, dass die Modeindustrie in schwuler Hand sei. Es mag durchaus aus sein, dass viele große Modedesigner schwul waren und sind. Doch daraus abzuleiten, dass man es nur in diese Kreise schaffen kann, wenn man selbst schwul ist, stimmt nicht.

Man kann es Kanye aber nicht übel nehmen. In der Vergangenheit hat der Rapper immer wieder die Homophobie von einigen seiner Rapper-Kollegen beklagt, was für mich ein stärkerer Beweis dafür ist, dass Kanye eher tolerant als ablehnend dem Thema Homosexualität gegenübersteht. Auch wenn er kürzlich die Präsidentschaftsbewerbung des Republikaners  Ben Carson unterstütze, der mehrfach gegen Schwule und Lesben gehetzt hat. Diese Unterstützung ist aber eher darauf zurückzuführen, dass Carson der einzige schwarze Kandidat im Feld der Bewerber ist.

Ein weiteres Indiz dafür, dass Kanye nicht wirklich reflektiert. Aber wer nachzudenken bei einer Preisverleihung die Trophäe der gerade ausgezeichneten Taylor Swift an sich reißt und den Preis stellvertretend an Beyoncé Knowles überreicht, dem kann man eine solche Äußerung nicht wirklich übel nehmen.

Das Privileg und die Ignoranz nicht diskrimiert zu werden

(c) b  Oliver Wunder (Quelle: http://bit.ly/1z6iO3i)

(c) b Oliver Wunder (Quelle: http://bit.ly/1z6iO3i)

Letzte Woche bin ich mal wieder durch die Realität eingeholt worden. Als ich einen Artikel über einen homophoben Angriff in einem Sportstudio in Hamburg geteilt habe, hatte ich aus meinem engeren Bekanntenkreis eine etwas verstörende Reaktion darauf erhalten. Ohne im Detail auf den Inhalt des Kommentars nochmal eingehen zu wollen, lautete der Inhalt, dass wir (Homosexuellen) da jetzt durch müssen, das nächste Mal träfe es dann wieder eine andere Minderheit. Auch wenn man behaupten könne, dass das nicht ganz ernst gemeint ist, steckt dort doch eine verstörende Botschaft drin. Fühlen sich Heterosexuelle genervt, wenn wir auf unsere fehlenden Rechte und die Diskriminierungen aufmerksam machen, die uns widerfahren?

Ich kann ja verstehen, dass ständiges Beklagen und Anklagen in den Ohren vieler Menschen nervig klingen mag. Ich würde auch lieber über die schönen Dinge sprechen. Nichtsdestotrotz werden Lesben und Schwule in Deutschland immer noch staatlich diskriminiert (durch fehlende Rechte) und müssen sich vor körperlichen Angriffen fürchten, was das Beispiel aus dem Fitnessstudio in Hamburg zeigt. Daher kommen diese Anklagen nicht von ungefähr.

Daher müssen wir das öffentlich machen und daher ist es in meinen Augen ignorant, darauf mit Unverständnis zu reagieren.

Doch leider spricht genau diese Ignoranz besonders aus vielen heterosexuellen (deutschen) Männern, da diese einfach nicht nachvollziehen können oder wollen, was es bedeutet, wegen der sexuellen Orientierung diskriminiert, wegen des Geschlechts schlechter bezahlt oder wegen der Herkunft ausgegrenzt zu werden. Sie reagieren mit Unverständnis, teilweise sogar genervt darauf, wenn wir uns über so einen Vorfall aufregen, weil sie sich dieses Privilegs nicht bewusst sind. Viele Menschen scheinen zu vergessen, wenn sie gewisse Privilegien haben (das betrifft auch die freie Meinungsäußerung), wie wertvoll diese sind und wie ungerecht es für diejenigen ist, denen diese Privilegien vorenthalten werden. Diese Privilegien sind aber kein Gut, bei dem Konkurrenz entstehen kann. Das bedeutet, dass diese Privilegien nicht weniger wert sind, wenn Homosexuelle die gleichen Rechte haben und nicht mehr diskriminiert werden. Es braucht dafür den notwendigen Respekt anzuerkennen, dass diese Privilegien allen zustehen.

Erst wollen Frauen die gleiche Bezahlung und den gleichen sozialen Stand, nun fordern Homosexuelle mit Respekt behandelt und mit den gleichen Rechten ausgestattet zu werden. Doch scheinen Menschen, die diesen Status schon erreicht zu haben, dass wir damit in Konkurrenz treten wollen. Respekt und gleiche Rechte sind aber keine Güter, bei denen es Konkurrenz im Konsum geben kann. Wenn wir das alle negreifen, nimmt hoffentlich auch die Angst ab, dass damit jemandem etwas weggenommen würde.

Wie seht ihr das? Warum reagieren einige Heterosexuelle genwevt, wenn Schwule und Lesben nach den gleichen Rechten rufen und Diskriminierungen und tätliche Angriffe öffentlich anprangern? Ich bin auf eure Meinung gespannt.