Kommentar zu m CSD-Verzicht der LSU – Warum Aufgeben falsch ist!

lsuDie LSU im Norden ist es leid, den Kopf für „Muttis“ (So nennen CDU-Mitglieder liebevoll Angela Merkel) hinzuhalten. Der Regionalverband Nord der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) hat angekündigt, in diesem Jahr auf den CSDs in Hamburg und Braunschweig vertreten zu sein. Als Grund gibt der Nordverband der LSU an, dass die CDU/CSU sich weiterhin weigert die Ehe für alle zu öffnen. Queer.de zitiert den LSU-Nord Chef Christian Röbcke-Gronau: „Die Mitglieder der LSU Nord haben schlicht kein Einsehen mehr für die zögerliche Haltung der Bundes-CDU zur Gleichstellung von Eingetragener Lebenspartnerschaft und Ehe, um dann für diese Haltung auf den CSDs vor Ort gescholten zu werden“, sagt Röbcke-Gronau.

Letztlich bringt diese Entscheidung aber wenig, weder nach Innen in die CDU, noch nach Außen für die Community. Natürlich müssen sich die Mitglieder LSU viel Hass und Ablehnung auf LGBT-Veranstaltungen anhören, was nicht wirklich gerechtfertigt ist. Denn die LSU ist nicht die Union. Die LSU ´kämpft innerhalb der Union dafür, dass sich diese Meinung auch durch die dicksten Bretter gebohrt werden kann. Daher sollten Lesben und Schwule (unabhängig ihrer politischen Überzeugung) die LSU eher unterstützen als anzufeinden. Denn sobald die CDU ihre Meinung in dieser Frage ändert, kommt die Ehe für alle.

Ich verstehe auch, dass sich der Frust vieler sich auf CSDs gegen die dickköpfige Haltung der CDU entlädt. Die LSU ist allerdings die falsche Adresse. Auch wenn sich die Mitglieder fragen lassen müssen, was sie in einer Partei wie der CDU machen.

Was bringt es aber der LSU, wenn sie sich trotzig verhält und CSD fernbleibt? Nichts! Den Konservativen innerhalb der Union wird das herzlich egal sein. Auch „Mutti“ Merkel wird es wenig schmerzen, wenn die LSU nicht mehr mit „Muttis Gayler Truppe“ auf der Brust über den CSD marschiert. Für den Rest der Republik sieht es sogar so aus, dass die LSU aufgegeben hat. Daher finde ich diese Entscheidung falsch und bedauerlich.

Ich hätte mir gewünscht, dass die LSUler mehr Durchhaltevermögen haben und sich auf den CSDs in die Diskussion begeben. Wegducken und sich der Diskussion entziehen bringt allerdings nichts.

Wie seht ihr das? Sollte die LSU den CSDs fernbelieben? Ich bin auf eure Meinungen gespannt.

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CSD Empfang 2014: Kirchenpräsident bekommt Kompassnadel

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Offizielles Programmheft

Empfang des Schwulen Netzwerks NRW und der Aidshilfe NRW umso größer, dass ausgerechnet ein Vertreter der Kirche mit der „Kompassnadel“ geehrt wird. Die wird seit 1993 an Persönlichkeiten vergeben, die sich um die Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz von Schwulen besonders verdient gemacht haben. Es mag einige daher verwundern, dass ausgerechnet ein Kirchenvertreter diesen Preis entgegen nehmen durfte.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau  Volker Jung und Wulf Thomas. betonte, dass seine Position und sein Engagement in seiner Kirchen nicht ohne Kritik geblieben ist und dass seine Entscheidung, homosexuelle Paare auch kirchlich zu trauen nicht nur Freunde hat.

Für mich, auch wenn ich lange Zeit mit der Kirche abgeschlossen habe war Jung ein würdiger Preisträger. Denn er forderte das, was viele Schwulen und Lesben aus dem Herzen spricht – die Akzeptanz von Homosexualität durch die Kirche. Immer wieder betonte er, dass Fundamentalisten die Bibel gerade in diesem Punkt besonders wörtlich nehmen (vor allem aber das Alte Testament). Die Position zu Menschen- und Tieropfern oder gar der Rolle der Frau dürfe man auch nicht ganz wörtlich nehmen. Denn man kann unter dem Stichwort Exegese, nicht jedes Wort der Bibel mehr in die heutige Zeit übertragen. Erhalten bleiben die Werte der Bibel – Toleranz und Nächstenliebe.

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Regenbogenfarben beim CSD-Empfang

Jung stellte zudem fest, dass wenn die Kirche so viel Mühe in diese Werte gelegt hätte, anstatt in den Kampf gegen Homosexualität, wäre die Welt ein Stück weit besser. Nicht nur mir, sondern allen Anwesenden im Saal sprachen solche Aussagen aus dem Herzen. Daher erntete Jung verdient viel Applaus.

An diesem Nachmittag habe ich ein Stückweit meine Position zur Kirche überdacht. Mir wurde erstmals bewusst, dass Glaube und Homosexualität sehr gut zusammenpassen. Daher ist dieser Preis vor allem auch eine Würdigung der schwul-lesbischen Gemeinschaft für die Bemühungen solcher Kirchenvertreter, die bei diesem Thema ein Stück weiter sind.