Schwule Marken (VI) – Fisherman’s Friend „Sind sie zu pride, bist du zu prüde“

Quelle: Facebook Seite von Fisherman's Friend

Quelle: Facebook Seite von Fisherman’s Friend

Fisherman’s Friend – eine Marke, die sich über Jahre hinweg mit dem Slogan „Sind sie zu stark, bis du zu schwach“ in die Hirne der deutschen Werberezipienten eingeprügelt und damit wohl eher bei einem konservativeren älteren Publikum beliebt ist, zeigt eindrucksvoll wie man sich auch bei jungen Schwulen und Lesben große Sympathien einbringt.

Beim diesjährigen CSD in Berlin war die Lutschpastillenmarke mit einem eigenen Wagen und dem Slogan „Sind sie zu pride, bist du zu prüde“ unterwegs und warben mit dem klaren Bekenntnis für Toleranz und Gleichstellung von Lesben und Schwulen. Mehr als 2.700 Likes hat das erste Posting der Marke auf Facebook erhalten – gemessen an der durchschnittlichen Resonanz auf die Postings – ist das enorm.

Fisherman’s Friend beweisen, dass man seine Markenwahrnehmung und -sympathie am besten mit einem klaren Statement in einer gesellschaftlichen Frage erreichen kann. Was in den USA mittlerweile die Regel ist, hat in Deutschland noch Seltenheitswert. Facebook, Google und Apple und viele andere große US-Unternehmen haben sich in dieser Frage klar positioniert. Deutsche Unternehmen tun sich da noch immer schwer. Ausnahmen gibt es zwar, aber neben Brandt-Zwieback, die in ihrer Werbekommunikation ein schwules Pärchen zeigen, gibt es wenige deutsche Beispiele, die sich in dieser Frage klar positionieren. Nun ist Fisherman’s Friend auch keine deutsche Marke, aber in diesem Falle stecken die deutschen Kommunikationsverantwortlichen dahinter. Von daher finde ich die Aktion sehr gelungen.

Die Reaktionen auf Facebook waren auch durchweg positiv. Daher ist die Sorge, dass sich durch ein Bekenntnis in dieser Frage die Menschen von einer Marke abwenden, vollkommen unbegründet. Natürlich gibt es noch Homophobie in unserer Gesellschaft, der Anteil nimmt glücklicherweise immer weiter ab. Zudem werden Homophobe nicht aufhören eine Marke zu konsumieren, wenn sich diese zu Schwulen und Lesben bekennt. Mit dieser Logik dürften Homophobe nämlich nicht bei IKEA einkaufen, Apple-Produkte nutzen oder über Facebook ihr hasserfülltes Gedankengut verbreiten.

Es führt auch bei heterosexuellen Konsumenten nicht zu Reaktanzen, wenn ein Unternehmen wie Fisherman’s Friend eine Aktion exklusiv für Homosexuelle initiiert (hier habe ich mehr dazu geschrieben oder hier). Im Gegenteil. Die Sympathien liegen nicht nur bei Lesben und Schwulen, sondern auch bei progressiven, liberalen Heterosexuellen. Daher ist das Potential an neuen Kunden, das man mit einer solchen Aktion erschließt viel größer als die wenigen verbissenen Homophobiker, die man dadurch verliert.

Jede Marke sollte sich daher auch die Frage stellen, wen man als Kunde haben will. Fisherman’s Friend hat diese Frage klar beantwortet.

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Drei CSDs und kein Halleluja!

Berlin ist in allen Dingen besonders, auch beim CSD. Denn in der Hauptstadt gibt es nicht einen, sondern gleich drei Paraden, die am selben Tag für die Rechte von Homosexuelle und gegen deren Diskriminierung aufmerksam machen sollen.

Berlin hat sich dieses Jahr einen äußerst peinlichen Streit um die Parade des Christopher Street Days geliefert. Ein Streit der vordergründig um den Namen der Parade und um deren politische Ausrichtung ging, in Wirklichkeit aber wohl eher durch persönliche Eitelkeiten gespeist wurde. Das Resultat dieses Streits war es jedenfalls, dass sich neben dem Hauptzug durch Berlin eine alternative Parade angemeldet hatte. Dies zweite Demo startete an der Botschaft des homohoben Landes Uganda und endete im Schöneberger Kiez an der Motzstraße.

Deutlich politische sollte der alternative CSD des neuen Aktionsbündnisses sein. Daher wurde die Parade auch von Berlins Regierenden Bürgermeister und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig eröffnet. Auch alle wichtigen Parteien nahmen an der Demo Teil. Nichtsdestotrotz versammelten sich die Massen beim großen Umzug, der in gewohnter Manier die Massen mit Musik beschallte.

Den dritten CSD gab es in Kreuzberg, der deutlich mehr Zuschauer anlocken konnte als der des neuen Aktionsbündnisses.

Doch warum braucht Berlin drei Paraden?

Warum Berlin mehrere Paraden braucht, können wahrscheinlich nicht mal die Veranstalter erklären, Der CSD als Veranstaltung steht schon seit Jahren in der Kritik zur Kommerzveranstaltung zu verkommen und politische, gesellschaftliche Motive zu vernachlässigen.

Aus diesem Grund erhält auch der Kreuzberger CSD in den letzten Jahren immer mehr Zuspruch, da er keine Sponsorin-Schlacht veranstaltet wie die übrigen CSDs deutschlandweit. Alternativ heißt in diesem Fall, dass es keine Feier werden soll, sondern eine Demo bleiben soll. Doch was ist das für ein Zeichen nach außen?

Die schwul-lesbische Community ist so zerstritten, dass sie es nicht fertig bringt, eine Parade für alle zu veranstalten? Dabei kämpfen wir doch alle für die gleichen Ziele. Es ist lächerlich, dass sich die Veranstalter nicht auf eine Demo einigen können. Doch zu Kompromissen ist anscheinend niemand der Beteiligten bereit. Es geht um eine gesunde Mischung aus Kommerz und Politik. Beides braucht der CSD. Den Kommerz braucht er, um die notwendige Relevanz zu bekommen und eine große Zahl an Menschen auf die Straße zu locken. Doch bei aller Freude und bei aller Party dürfen die politischen und gesellschaftlichen Ziele des Christopher Street Days nicht in den Hintergrund rücken. Es gibt auch heute noch genügend Gründe für Lesben und Schwule auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren.

Daher sollten sich die Beteiligten aller Paraden für die kommenden Jahre an einen Tisch setzen und gemeinsam nach einer Lösung findet, um diese Bewegung nicht noch weiter aufzubrechen und dafür zu sorgen, dass im nächsten Jahr nur eine Parade durch die Straßen von Berlin zieht.