Sinneswandel bei Barilla?

barilla

Quelle: Twitter (http://bit.ly/1MPKXQX)

Ende 2013 sorgte Firmenchef Guido Barilla für einen Skandal, da er es ablehnte jemals lesbischen oder schwule Pärchen in den Werbmotiven von Barilla zu zeigen. Sinngemäß sagte Barilla damals, dass Homosexuelle, wenn ihnen das nicht passen sollte, andere Pasta essen sollten.

Der Skandal war perfekt. Unter dem Hashtag #BoycottBarilla forderten Nutzer weltweit auf, die Nudeln der Marke Barilla zu boykottieren. Ich habe über den Barilla-Skandal einiges geschrieben (Mehr dazu hier) und immer wieder darauf hingewiesen, wie ungeschickt es von Firmenchef Guido Barilla war, sich in dieser Frage so festzulegen. Die Identifikation eins Unternehmens mit der höchsten Repräsentationsfigur – ihrem Chef – ist nämlich vor allem dann besonders groß, wenn der Chef auch der Namensgeber der Firma ist. Glücklicherweise ist es in unserer westlichen Welt mittlerweile so, dass es in der öffentlichen Wahrnehmung verurteilt wird, wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen öffentlich angegriffen oder ausgegrenzt werden. Somit wurde der Imageschaden von Guido Barilla vollkommen mit der Marke identifiziert.

Den gleichen Fehler begingen kürzlich die beiden Gründer von Dolce & Gabbana (Mehr dazu hier), die sich abfällig über Schwule und Lesben äußerten, die Kinder adoptieren wollen. Diese Firmenchefs scheinen nicht verstehen, welchen Wirkung ihre Worte in der öffentlichen Wahrnehmung haben und welche Auswirkungen ihre Äußerungen auf ihre Marke haben.

Huffington Post Deutschland berichtet nun von der Kehrtwende des Unternehmens. Nach dem Skandal veröffentlichte das Unternehmen eine offizielle Entschuldigung von Gudio Barilla über seine Social Networks, begann den direkten Dialog mit der schwul-lesbischen Community, verpassten sich eine neue Unternehmensrichtlinie für Diversity und schulten ihre Mitarbeiter auf Toleranz. Ganz genau könnt ihr das bei Huffington Post nachlesen. 

Der Änderungsprozess von Barilla lief in den letzten eineinhalb Jahren im stillen ab, doch zeigt er nun erste Erfolge. Die Human Rights Campaign Foundation honorierte die Bestrebungen des Unternehmens, in dem er Ende 2014 Barilla die Höchstpunkzahl in der Kategorie “beste Arbeitsplätze für LGBT-Gleichberechtigung” verlieh.

Für mich zeigte das auch, dass ein Unternehmen fortschrittlicher und moderner sein kann als der Mann an ihrer Spitze. Auch wenn es wenig überzeugend ist, dass Guido Barilla eine Kehrtwende um 180 Grad vollzogen hat, ist aber offensichtlich geworden, dass das angestaubte Familienbild des Chefs nicht eins zu eins auf das Unternehmens zu übertragen ist. Vor allem zeigt es auch, dass der Einfluss des Unternehmenschef begrenzt ist und sein homophober Dogmatismus in einer westlich aufgeklärten Gesellschaft keinen Platz findet.

Barilla hat die Chance des Skandals genutzt, sich neu aufzustellen und sich ein moderneres Image zu geben. Im nächsten Schritt erwarte ich allerdings, dass genau das, was Guido Barilla immer ablehnt – nämlich ein lebisches oder schwules Paar – auf einem Werbemotiv des Nudelherstellers abgebildet wird. Denn dann hätte Barilla wirklich verstanden. Wie seht ihr das? Ist der Sinneswandel reine Show oder hat der Nudelhersteller die Zeichen der Zeit erkannt?

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Dummer Fauxpas: Boykott gegen Dolce & Gabbana

Domenico Dolce und Stefano Gabbana (c) by  newsonline Quelle: http://bit.ly/1Fvx1tm

Domenico Dolce und Stefano Gabbana (c) by newsonline
Quelle: http://bit.ly/1Fvx1tm

Letzten Freitag schlugen die Äußerungen der beiden alternden Modedesigner Domenico Dolce und Stefano Gabbana (Dolce&Gabbana) große Wellen. In einem Interview mit dem italienischen Magazin „Panorama“ erklärte Gabbana, dass die einzige Familie traditionell sei. Laut dem Modeschöpfer sind Familien keien Modeerscheinungen, sondern bestehen im ursprünglichen Sinne aus Mann und Frau. Für die beiden Modeschöpfer habe das Leben ausschließlich einen natürlichen Lauf, weshalb Domenico Dolce auch gegen „synthetische Nachfahren und gemietete Gebärmütter“ sei. Beide Modeschöpfer sind selbst schwul und waren bis 2005 ein Paar. Queer.de bezeichnet die Äußerungen daher als schwulen Selbsthass.

Schwulen- und Lesbenverbände weltweit reagierten empört über die Äußerungen der beiden Modedesigner und starteten unter dem Hashtag #BoycottDolceGabbana einen Boykottaufruf gegen die Klamotten des gleichnamigen Labels. Auch berühmte Persönlichkeiten, darunter Elton John erklärten, dass sie nie wieder Kleider der beiden Modeschöpfer tragen wollten.

Beifall von der falschen Seite gab es für die grotesken Äußerungen von rechtspopulistischen Politikern in Italien. Senator Roberto Formigoni nannte Elton John einen schwulen Taliban: „Ich stehe auf der Seite von Dolce & Gabbana. Ich applaudiere dieser mutigen Aussage. Das ist Redefreiheit. (…) Die von Elton John gestartete Kampagne ist eine Schande und darf nicht toleriert werden. Elton John ist ein Taliban und er benutzt dieselben Taktiken, die von den Taliban gegen ‚Charlie Hebdo‘ genutzt worden sind.“

Die beiJe-suis-DG-600den Modedesigner haben mittlerweile reagiert und gegen die Boykottaufrufe und den Applaus vom rechten Rand Stellung bezogen. Mit einem Bild auf Instagram dem „Je suis D&G #BoycottFalseNews“ wehrten sich beide gegen die Kritik und bedienten sich der Mechanik der Solidaritätsbekundungen nach dem Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charli Hebdo“. Gleichzeitig bezeichneten sie Sänger Elton John als Faschisten.

Beide unterstrichen zudem in einem Statement, dass es sich bei ihrem Interview um persönliche Ansichten handelte und sie damit keine Person verunglimpfen wollten.

Ich persönlich finde es ziemlich perfide, dass mit einer Anlehnung an die Solidaritätsbekundungen für Charli Hebdo, Lesben- und Schwulen-Verbänden unterstellt würde, dass sie die Meinungsfreiheit unterbinden wollten. Denn darum geht es nicht. Das Recht eines jeden Menschen, öffentlich seine Meinung zu äußern, ohne dafür verfolgt oder eingesperrt zu werden, bedeutet nicht, dass eine Meinungsäußerung ohne Konsequenzen oder Widerrede bleiben muss. Jede Meinung muss sich dem öffentlichen Diskurs und auch der öffentlichen Kritik stellen. Auch die satirischen Darstellungen von Charli Hebdo dürfen kritisiert oder boykottiert werden. Es besteht aber ein Unterschied zwischen der Kritik einer Meinung und er gewaltsamen Unterbindung durch Anschläge.

Es wirkt daher für mich geradezu lächerlich, dass sich die beiden Modeschöpfer als Opfer gerieren. Wer eine Meinung äußert, die Lebensstile und Wertekomplexe von anderen Menschen verurteilt, darf sich nicht wundern, wenn das Echo wenig freundlich ist.

Genauso wenig dürfen sich Firmengründer, wie Dolce, Gabbana und Barilla (Mehr zu Barilla) wundern, wenn ihre persönlichen Meinungen mit dem Image der Unternehmen, für die sie stehen, identifiziert werden. Gerade bei Unternehmen, die ihren Namen durch ihren Gründer erhalten haben, besteht eine enge Verknüpfung zwischen Firmenchef und Markenidentität. Bei zwei Männern, die seit so vielen Jahren im Geschäft sind, hätte man diese PR-Grundlagen voraussetzen können. Zumal beide selbst schwul sind, was ihren Äußerungen eine besondere Sprengkraft gibt und den Applaus vom rechten Rand geradezu provozieren musste.

Es fällt mir schwer zu glauben, dass beide Modedesigner diese Konsequenzen in ihrem hoch privaten Interview nicht absehen konnten. Das Image ihrer Marke, die unter schwulen Männern besonders beliebt ist, haben sie sich dadurch jedenfalls nachhaltig geschädigt.

Wie seht ihr das? Ich freue mich von euch zu lesen.