Mit Socken und Penissen für die Krebsvorsorge

#CockinasockEs gibt ja bizarre Trends und Aktionen, die durch soziale Medien große Kreise ziehen. Oftmals steht dabei kein oder ein fragwürdiger Anlass dahinter. Manchmal sollen solche Aktionen aber auch dazu dienen, Aufmerksamkeit für ein sehr ernstes Thema zu schaffen. So geschehen durch die Aktion #Cockinasock (mehr dazu hier): Männer posieren nackt vor dem Spiegel und machen ein Selfie von sich. Das einzige, was sie bedeckt, ist eine Socke über dem besten Teil. Die Bilder laufen unter dem Hashtag #ckockinasock über Facebook, Twitter und vor allem Instagram.

Initiiert wurde die Aktion zum Zweck der Krebsvorsorge. Erfunden hat die skurrile Kampagne das Cancer Research Institute in Großbritannien, um Aufmerksamkeit für die Gefahren von Hodenkrebs zu schaffen und nebenbei Spenden für die eigene Arbeit einzusammeln. Natürlich gibt es zu der Aktion auch eine offizielle Facbook-Seite, auf der sich mehr Informationen über das Projekt finden.

Was bringt die Aktion?

Die Aktion schafft vor allem eins – große Aufmerksamkeit. Unter dem Hashtag (#cockinasock) finden sich mittlerweile schon mehr als 24.000 Bilder auf Instagram. Ich frage mich dabei allerdings, ob der Transfer von Selfies nackter Männer mit Socken über dem Penis zur eigentlichen Intention der Kampagne (Aufmerksamkeit für die Gefahren von Hodenkrebs) glückt. Können die Initiatoren dadurch tatsächlich eine signifikant höhere Summe an Spenden einnehmen.

Die Antwort darauf wird es wahrscheinlich erst nach Ablauf der Kampagne geben. Der Bezug zum Thema ist jedenfalls gegeben und die Aktion ist gleichermaßen einzigartig wie provokant. Zudem bedient sich das Cancer Research Institut dem Drang schwuler Selbstdarstellungsdrang. Denn Instagram ist ein schwules Sebstdarstellungsmedium geworden. Täglich werden tausende Selfies von schwulen Männern, angezogen wie spärlich bekleidet, veröffentlicht, um vor allem eins einzusammeln – Komplimente. Instagram ist zum onlinen Komplimentemarkt geworden und viele Schwule bieten sich dort selbst zum Voting an. Welches Bild beommt mehr Likes „Wows-Kommentare“ oder Herzchen. Schwule lieben es sich zu präsentieren Instagram ist die perfekte Plattform dafür. Ich will mich dabei auch gar nicht ausnehmen. Wer mir bei Instagram folgen mag, hier geht es zu meinem Channel (Komplimente mag ja schließlich jeder).

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Auch wenn die Kampagne eine gute Mechanik nutzt, so ist es trotzdem kein viraler Selbstläufer, sondern ein perfekt durchgeplanter PR-Coup. Der Erfolg gibt der Kampagne recht. Das Thema Krebsaufklärung steht zwar bei den meisten Bildern eher nicht im Vordergrund, dennoch haben Thema und Institut über Nachrichtenmedien eine Aufmerksamkeit erhalten, die sie sonst nicht bekommen hätten.

 

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Homophobie kommt von Unwissen – Was die CDU nicht versteht.

Die CDU in Baden-Württemberg hat auf einem Parteitag in Donaueschingen klar gemacht, was sie von Aufklärung als Prävention gegen Homophobie hält. Nämlich ziemlich wenig (Mehr Infos zum Bildungsplan). Laut den Delegierten des Landesparteitags sei es nicht Aufgabe des Schulunterrichts, den Schülern gesellschaftspolitische Einstellungen zu vermitteln. Die CDU opponiert damit gegen den Bildungsplan der grün-roten Landesregierung. Dieser widerspreche laut CDU dem „Schutz von Ehe und Familie“ sowie den Bestimmungen zur „Entfaltung in Freiheit“ und der „Erziehung auf Grundlage der christlich-abendländischen Kultur“.

Auch wenn die Christdemokraten ihre Ablehnung zum Bildungsplan mit der Erziehung auf der Grundlage der christlichen, abendländischen Kultur begründen, widerspricht diese Initiative so ziemlich allem, wofür der christliche Glaube steht. Denn im des Bildungsplans geht es nicht darum, den Kindern christliche Werte auszutreiben, sondern sie nach diesen zu erziehen. Kinder sollen lernen, andere Menschen, egal wie Gott sie geschaffen hat, zu akzeptieren. In meinen Augen ist das ein christlicher Wert. Die Aufklärung darüber, dass es vielfältige Lebensformen gibt, führt nicht dazu, dass traditionelle Familienbilder bedroht werden. Kindern soll damit vielmehr vermittelt werden, dass es abseits von klassischen Familien auch noch andere legitime Lebensformen gibt, die das gleiche Recht auf Anerkennung und Respekt verdient haben.

Neben dem Bezug auf das Christentum blasen die Christdemokraten wieder in das Familienhorn. So langsam reagiere ich genervt auf die ewig gleiche Leier, dass durch Toleranz von Homosexuellen Ehe und Familie bedroht würden. Kein heterosexueller Jugendlicher wird durch die Aufklärung über Homosexualität plötzlich schwul oder lesbisch und fängt schon gar nicht an, die heterosexuelle Ehe in Frage zu stellen. Durch Toleranz und Gleichstellung verliert die Ehe nicht ihren Wert.
Interessant finde ich die Begründung, dass dadurch die Freiheit der Erziehung verletzt würde. Eltern haben also ein Recht darauf, ihre Kinder zu Homophobikern zu erziehen? Diese Forderung widerspricht sich im Übrigen mit dem Artikel zur „Erziehung auf Grundlage der christlich-abendländischen Kultur“. Denn nicht jedes Elternteil möchte sein Kind im christlichen Glauben erziehen. Nichtsdestotrotz muss die Schule gewisse Werte vermitteln, unabhängig von der Überzeugung der Eltern. Jeder Schüler muss in der Schule hinsichtlich unserer demokratischen Werte erzogen werden. Diese sind das Fundament unserer Gesellschaft und müssen somit Teil des Schulunterrichts sein. Die Erziehung nach christlichen Werten ist in meinen Augen ein viel problematischerer Artikel, da sich nicht mehr die Mehrheit unserer Gesellschaft zum christlichen Glauben bekennt.
Die Schule hat aber auch die Aufgabe, Kindern über die Vielfältigkeit des Lebens aufzuklären. Dinge, die nicht jede Familie leisten kann. Dazu gehören unterschiedliche politischen Weltanschauungen, Geschichte, Religionen und eben auch unterschiedliche Lebensformen. Kinder müssen lernen, dass es legitim ist, anders zu sein. Sie müssen auch lernen, das Anderssein zu akzeptieren. Ablehnung entsteht aus Unwissen. Durch Aufklärung über die Gründe von Homosexualität in der Schule und durch die generelle Aufklärung zu diesem Thema, könnten viele Vorurteile vermieden werden. Durch die jahrelange Versäumnis dieses Themas ist das eine Leistung, die man Eltern nicht zumuten kann. Die Delegierten des Parteitages der CDU sind der beste Beweis dafür, dass Ablehnung aus Unwissen entsteht. Die CDU legt sich in der Bildungspolitik die Dinge gerne wie sie es möchte. In vielen Dingen wird gefordert Eltern gewisse Erziehungsleistungen abzunehmen, geht es um die Vermittlung eines Weltbildes, das der Spießbürgerlichkeit der baden-württembergischen CDU widerspricht, verteidigen die Christdemokraten die Freiheit der Erziehung.

Diese Rückwärtsgewandtheit ist in meinen Augen auch ein Grund dafür, dass die CDU die Villa Reitzenstein räumen musste und einer bürgerlich moderne Regierung Platz gemacht hat.