Die häufigsten Vorurteile gegenüber Schwulen (I): Schwule sind nicht männlich

Vorurteil: Schwule Männer seine nicht männlichGegenüber Schwulen gibt es auch im Jahre 2015 viele Vorurteile. Manche sind positiv, viele sind aber deutlich negativ. Ich habe mich in der folgenden Reihe an die fünf gängigsten Vorurteile gemacht und möchte ergründen, woher diese Vorurteile kommen und was an ihnen dran ist.

Vorurteil 1: Schwule Männer sind weicher als heterosexuelle Männer

Dieses Vorurteil begegnet wohl jedem Schwulen im Laufe seines Lebens. „Du bist nur ein echter Mann, wenn in betont männliches Auftreten hast!“ Und Schwule sind das eben nicht. Darum sind sie keine echten Männer? Schwule Männer gelten als feinsinniger und sensibler. Viele Schwule fallen durch ihr besonders gepflegtes Verhalten auf und auch beim Verhalten sind homosexuelle Männer selten betont maskulin. Macht das schwule Männer weicher oder gar unmännlich? Jedem Mann, der dieses Klischee wie selbstverständlich verbreitet, kann man die Frage entgegenhalten, was denn eigentlich einen echten Mann ausmacht.

Bezieht man Männlichkeit auf einen männlichen Körper liegen viele Schwule deutlich vor ihren heterosexuellen Geschlechtsgenossen. Natürlich gilt hier auch, dass nicht jeder Schwule aussieht wie ein Modellathlet, jedoch ist der Anteil an Schwulen, die eine sportlichen, sehr männlichen Körper haben sehr groß. Dennoch weisen alle schwule Männer die gleichen körperlichen Voraussetzungen auf, wie ihre heterosexuellem Geschlechtsgenossen. Schwule Männer, ob sportlich oder nicht, sind daher in keinem Fall (körperlich) weniger männlich als anderen.

Bemisst man Männlichkeit an Erfolg und Einfluss, dann stehen Schwule heterosexuellen Männern in keinem Punkt nach. Apple Chef Tim Cook ist nur ein Beispiel für einen erfolgreichen schwulen Manager. Durchsetzungskraft und Erfolg sind Eigenschaften, die man in unserer Gesellschaft Männern zuschreibt. In vielen Schlüsselpositionen unserer Gesellschaft sitzen auch Homosexuelle. Nicht nur in der Unterhaltungsindustrie auch in der Politik sind Schwule genauso vertreten und genauso hart und erfolgreich wie alle anderen Männer auch. Bis zum Vizekanzler und Bundesaußenminister sowie regierendem Bürgermeister von Berlin und Hamburg haben es Schwule politisch geschafft.

Auf was bezieht sich dann das Vorurteil, dass schwule Männer weniger männlich sind? Es ist zu einem Teil auch das Bild, das viele Menschen in unserer Gesellschaft von einem Mann haben. Männlichkeit bedeutet in meinen Augen nicht, in der Öffentlichkeit betont aggressiv aufzutreten. Es ist kein Zeichen von Männlichkeit besonders unsensibel und in Gruppen grob zu werden. Das ist ein Männlichkeitsbild, das in einigen verstaubten Gesellschaftsschichten vorzuherrschen scheint. Sensibilität und ein Sinn für Ästhetik und Gemeinschaft sind Eigenschaften, die zwar eher Frauen zugeschrieben werden. Doch nur weil auch viele Schwule (natürlich nicht alle) diese Eigenschaften aufweisen, bedeutet dies nicht, dass sie an Männlichkeit einbüßen. Auch im Jahre 2015 sind wir immer noch fest in Geschlechterrollen gefangen und trauen und gestehen Männern nicht zu, öffentlich Emotionen zu zeigen (außer beim Fußball).

Was viele daher als feminines Verhalten ansehen geht in meinen Augen auf ein falsches Rollenverständnis von Männern und Frauen zurück. Wir sollten unsere Männlichkeit nicht dadurch definieren, was die Gesellschaft vor 50 Jahren von uns erwartet hat. Dann fällt es sicherlich auch weniger heterosexuellen Männern schwer in Elternzeit zu gehen oder sich ganz um Kind und Haushalt zu kümmern.

Bevor die Einwände kommen will ich auch gar nicht bestreiten, dass es schwule Männer gibt, die besonders affektiert ihre (gesellschaftlich definierte) weibliche Seite nach außen tragen. Das mag auch eine Form der Abgrenzung sein oder ein besonders selbstbewusster Ausdruck der eigenen Identität. Ich weiß auch, dass nicht nur heterosexuelle Männer daran Anstoß nehmen, sondern auch viele Schwule. Die Begriffe straightacting und heterolike sind die seltsamen Erfindungen der schwulen Szene sich davon abzugrenzen.

Jedem ist es natürlich selbst überlassen, welchen Habitus er attraktiv findet, aber eine Ausgrenzung innerhalb einer Gemeinschaft (z.B. der schwulen Community) ist schon irrsinnig. Ich behaupte auch, dass die meisten Schwulen (genauso wie heterosexuelle Männer), die daran besonders Anstoß nehmen, mit ihrer Männlichkeit ein Problem habe. Ich für meinen Teil fühle mich auch Männlich, obwohl ich einen kleinen Schrein von Whitney Houston und Mariah Carey in meiner Wohnung trage und ich auch bei Helene Fischer lauthals mitsingen kann. Jeder Mann, ob hetero oder schwul, sollte stolz sein so zu sein wie er ist. Wenn die Gesellschaft irgendwann so weit ist, zu erkennen, dass Männlichkeit sich über andere Dinge definiert wird als Hort nach außen, wird sich dieses Klischee überkommen.

Wie seht ihr dieses Thema? Ich bin auf eure Meinung gespannt

Im nächsten Teil geht es weiter mit dem Vorurteil, dass alle Schwule promiskuitiv sind und nicht treu sein können.

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