Coming-Out dank Windows 10 – Wie Microsoft die Intimsphäre von Jugendlichen verletzt

Microsoft hat mit Windows 10 ein neues Update seines beliebten Betriebssystems herausgebracht, dass es Eltern (über ein Feature) ermöglicht, sich den Browser-Verlauf ihrer Kinder wöchentlich zuschicken zu lassen. Damit können Eltern wirklich alles erfahren, was ihre Kinder im Internet besuchen und welche Informationen sie googlen.
Update: Da sich auf Facebook ein Nutzer beschwert hat: Hier ist die Beschreibung von Microsoft selbst: http://windows.microsoft.com/de-de/windows-10/monitor-child-device-activity

Natürlich ist das Feature mit einem guten Motiv gestartet. Ich bin auch dafür, dass sich Eltern dafür interessieren, was ihre Kinder im Internet machen, mit welchen Menschen sie chatten und welche Informationen sie preisgeben – von dem Besuch pornografischer und gewalttätiger Inhalt ganz zu schweigen.

(c) by Mike Mozart (Quelle: http://bit.ly/1JBqorC)

(c) by Mike Mozart (Quelle: http://bit.ly/1JBqorC)

Dennoch ist der Seitenverlauf von jedem Menschen eine höchst private und intime Angelegenheit (auch von Kindern und Jugendlichen). Nichts ist so selbstentlarvend über uns als die Seiten, die wir besuchen und die Informationen, die wir bei Google suchen. Dabei kann es sein, dass Eltern Dinge über ihre Kinder erfahren, die sie gar nicht wissen wollen oder auch gar nicht wissen sollen,

Eine Befürchtung von LGBT Organisationen ist es zum Beispiel, dass dadurch Eltern in ihrem Kontrollwahn lange vor dem eigentlichen Coming-out erfahren, dass ihre Kinder lesbisch oder schwul sind. Das ist nach Meiner Meinung ein grober Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und nicht verhältnismäßig. Jugendschutz im Internet ist wichtig. Es gibt Möglichkeiten pornografische Inhalte zu sperren. Eltern sollten bis zu einem gewissen Alter auch prüfen, mit wem Kinder im Internet kommunizieren. Doch wirklich alles zu kontrollieren ist der falsche Weg.

Es ist vor allem ab einem gewissen Zeitpunkt gut, dass Eltern nicht mehr alles über ihre Kinder wissen. Im Namen der Sicherheit darf nicht jede Maßnahme ergriffen werden Menschen zu kontrollieren. Das kann man unbegrenzt hochskalieren und ich möchte nicht wissen, welche Informationen von staatlichen Stellen (oder ausländischen Quellen) über unser Surfverhalten getrackt werden, um eine angebliche Sicherheit zu garantieren. Kinder und Jugendliche haben nach Meiner Meinung nach nicht weniger Recht auf eine Intimsphäre (auch wenn Eltern bis 18 das Sorgerecht über sie haben).

Denn diese Sicherheit, die Micorsoft verspricht, ist nie absolut und er Vertrauensverlust und die Einschränkung der Freiheit dafür unverhältnismäßig groß. Dieses Security-Update für Windows 10 kann über andere PCs, auf denen es nicht läuft, iOS oder Androide Smartphones einfach umgangen werden. Ich finde diesen Schritt, zur totalen Kontrolle aber sehr gefährlich. Versierte PC-Spezialisten schaffen es mittlerweile wahrscheinlich auch, den Browserverlauf jedes beliebigen Menschen zu schicken (Freunde, Partner etc.). Wo hört die Kontrolle auf? Wann begreifen wir, dass wir Sicherheit nicht durch das Einschränken von Freiheit erhalten? Vor allem nicht, wenn die Menschen. Die wir kontrollieren uns so nahe stehen.

Wie seht ihr das? Ich bin auf eure Meinung gespannt.

Schwule Machtübernahme im Fitnessstudio.

(c) by Caden Crawford (Quelle: http://bit.ly/1hMkGJ1)

(c) by
Caden Crawford (Quelle: http://bit.ly/1hMkGJ1)

Das Sommerloch lässt grüßen. In der Kategorie der unnötigster Artikel aller Zeiten gewinnt dieses Mal das Zeit-Magazin mit einem Artikel über die schwule Machtübernahme im Fitnesstudio. Autor Steffen Jan Seibel beschwert sich darüber über die Übernahme der Sauna und Spa-Berreiche durch sexbesessene Schwule, die dadurch alle braven Heterosexuellen vertreiben würden. Der Autor selbst schreibt im Zeit Magazin häufiger über Schwule Themen und ich will ihm daher unterstellen selbst schwul zu sein, was die Sache nicht unbedingt besser macht.  Und ja ich habe verstanden, dass dieser Artikel eine Glosse ist. Polemik und Überspitzung sind erlaubt, fragt sich nur, was hier überspitzt wird und an welche Zielgruppe es sich richtet. Der gleiche Artikel in einem Schwulenmagazin hätte wohl eine andere Wirkung.

Aber an dieser Stelle, sollte jeder selbst sich die Kernthese des Autoren durchlesen und auf sich wirken lassen:

(…) Ich war in einem Fitnessstudio in Berlin-Mitte zu einem Probetraining. Erst sah alles ganz gewöhnlich aus. Weder an der Beinpresse noch an der Hantelbank gab es Hinweise auf eine schwule Machtübernahme. Später ging ich in die Sauna. Dort waren die Homos plötzlich in der Überzahl. Es schien, als hätten sie die Heteros verdrängt. (…) Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn Schwule, Lesben und Heteros getrennt Sport machen. Eine Nische ist immer auch ein Ort der individuellen Freiheit. Schon seit längerer Zeit gibt es ja Fitnessstudios, in denen nur Frauen Mitglied sein dürfen, weil die ohne Männer offenbar entspannter trainieren können. Ich habe nun auch eine Geschäftsidee: ein Studio nur für Heteromänner. Für Namensvorschläge bin ich offen.

Schwierig an der Artikel finde ich neben der Wortwahl „Homos“ vor allem, dass der Artikel einen gefährlichen Subtext hat: Möchte der Autor uns damit sagen, dass es Clubs geben sollte, in denen Schwule keinen Zutritt haben, da sie im Saunabereich nicht die Hände voneinander lassen können?

Was ist das eigentlich für eine logische Begründung? Ich finde es auch nicht gut, wenn öffentliche Orte für sexuelle Handlungen missbraucht werden. Es aber hinzustellen, dass dies alleine ein schwules Phänomen sei, finde ich grottesk. Jedes Fitnesstudio, Freibad oder was auch immer hat eineHausordnung. Wer sich gestört fühlt, darf und sollte das melden. Es ist kein schwules Phänomen. Trotzdem will ich es nicht gutheißen, wenn Männer das machen, was ich in dem Artikel über Cruising schon geschrieben habe.

Es handelt sich dabei aber nicht um ein Massenphänomen. Ich gehe auch seit fünf Jahren regelmäßig ins Fitnessstudio und habe dort weder selbst Sex gehabt, noch bin ich jemals Zeuge davon geworden. Nicht jeder Fitnessbereich ist von Schwulen belagert, die dort ihrer sexuellen Befriedigung nachgehen wollen. Daher finde ich den Artikel ziemlich unreflektiert und platt.

Anscheinend fühlt sich der Autor durch die sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen:

Von 100 Sportstunden im Jahr wurden in meiner Schulzeit 80 Stunden Fußball gespielt. Die Dominanz dieser Sportart im Unterricht wurde nur übertroffen durch das Thema „Drittes Reich“ im Fach Geschichte. Ich erinnere mich nicht daran, ein einziges Tor geschossen zu haben. Ich schätze, es ist nicht nur mir so ergangen. Jetzt zahlen es die Schwulen den Heteros heim, indem sie sie aus den Fitnessstudios verdrängen.

Ist das Sommerloch schon so weit, dass wir uns um solche Dinge Gedanken machen müssen? Es gibt im Zusammenhang mit Sport und Fitness wichtigere Themen, über die wir sprechen sollten. Ein Thema, das wirklich Relevanz hat, ist z.B. die unterschwellige bis offene Homophobie, die in einigen Fitnessstudios still geduldet wird.

Wie seht ihr das? Ist der Einwurf berechtigt? Seht ihr das völlig anders? Ich bin auf eure Meinungen gespannt.

(c) by Ms. Phoenix (Quelle: http://bit.ly/1PAWx3t)

(c) by Ms. Phoenix (Quelle: http://bit.ly/1PAWx3t)