Regenbögen-Bilder auf Facebook – Ein Bild allein macht noch keine Solidarität

Facebook-Gründer Zuckerberg zeigt Flagge

Facebook-Gründer Zuckerberg zeigt Flagge

Millionen Facebook-Nutzer haben am Wochenende ihr Profilbild mit einer Regenbogen-Flagge versehen, so auch Facebook-Gründer Zuckerberg, ex-Terminator Arnold-Schwarzenegger (hier mehr) und viele andere Nutzer. Analss war die flächendeckend Legalisierung der Ehe für alle in den USA.

Schon vor zwei Jahren sorget auf Facebook eine Profilbild-Aktion mit dem Gleichheitssymbol für viel Aufmerksamkeit. Damals habe ich mich eher kritisch dazu geäußert. An der Grundaussage möchte ich auch nicht wiirklich was ändern, denn das Engagement ist nicht wirklich groß und wer etwas erreichen will, muss dieses Engagement auch in das echte Leben   übertragen. Dennoch würde ich diese Kritik in voller Härte heute nicht mehr äußern. Daher bin ich auch über die Aussagen eines Meinungsartikels im Blog der Süddeutschen Zeitung gestolpert. Darin geht der Autor sehr hart mit der Profilbild-Aktion und ähnlichen Solidaritätsbekundungen ins Gericht: „‚Slacktivism‘, nennen das die Kritiker: fauler Aktivismus, weil er angeblich so einfach ist. Und man sich danach zurücklehnt mit dem Gefühl, schon genug getan zu haben, ohne die Absicht, jemals wirklich etwas zu unternehmen.“

Ganz unrecht hat der Autor jakob-biazza nicht, denn die meisten Nutzer werden es bei der Profiländerung belassen. Sie werden nicht auf die Straße gehen, sie werden nicht ihren CDU/CSU-Abgeordneten anschreiben und ihn danach fragen, welche Einstellung zur Ehe für alle hat und sie werden vielleicht sogar wegschauen, wenn eine Horde rechtspopulistischer Wirrköpfe gegen Bildungspläne oder die angebliche Homosexualisierung auf die Straße geht.

IMG_7734Engagement verlangt schon etwas mehr Einsatz und darf nicht bei einer Profilbildänderung zuende sein. Nichtsdestotrotz funktionieren die meisten Menschen so, vor allem wenn sie nicht Feuer und Flamme für ein Thema sind. Je niedriger die Eintrittsbarriere gestaltet ist, desto eher sind Leute bereit Solidarität zu zeigen. Es gehört auch eine gewisse Art an Selbstdarstellungswillen dazu sich an solchen Aktionen zu beteiligen, aber mit dieser Logik muss man Facebook als Medium einfach sehen. Das hat das Netzwerk auch verstanden und eine solche Aktion mit einer Selbstdarstellungsmechanik inszeniert. Ich möchte der Kritik, dass diese Aktion nur Selbstinszenierung sei entgegenhalten, dass jede Form des öffentlichen Engagements eine Art Inszenierung ist. Auch das Schreiben dieses Blogs ist eine Inszenierung. Trotzdem steckt dahinter Engagement, wie auch hinter allen öffentlichen Demonstrationen Engagement stecken.

Es ist daher nicht richtig, sogar dieses Engagement zu kritisieren oder völlig abzulehen. Das wirkt für mich ein bisschen undankbar. Es gibt genug Nutzer, die ihr Profilbild nicht geändert haben und nicht einmal dieses kleine Zeichen setzen wollten. Auch diese Nutzer haben ihre berechtigten Gründe dafür und sind deswegen noch lange nicht gegen eine Gleichstellung von Lesben und Schwulen. Dennoch würde ich dafür plädieren, mit den Unterstützer dieser Aktionen – von der Solidarität für Charlie Hebdo bis zur Ehe für alle – nicht allzu kritisch ins Gericht zu gehen. Manchmal sind es nämlich schon kleine Gesten, die einen Stein zum rollen bringen. Mir jedenfalls ist es lieber, eine kleine Geste zu erhalten als gar keine.

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