Kommentar zum Vergleich der Homo-Ehe mit Verwandten-Heirat von Kramp-Karrenbauer – Warum nicht?

Visual1Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin des Zwergbundesland Saarland, hat in die erhitzte Debatte um die Homo-Ehe eine neue Komponente hineingebracht. Die saarländische Regierungschefin verglich in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung die Homo-Ehe indirekt mit Polygamie und Inzucht. „Wir haben in der Bundesrepublik bisher eine klare Definition der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau. (…) Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen. Wollen wir das wirklich?“

Genau die Frage nach dem Wollen hat mich stutzig gemacht. Denn eigentlich hat die Ministerpräsidentin des Saarlandes genau Recht. Aber anders als sie das intendiert hat.

Der Staat hat nicht die Aufgabe zu verbieten, dass Menschen füreinander Verantwortung übernehmen wollen, auch wenn es in den Augen der Gesamtgesellschaft unvorstellbar zu sein scheint. Die gleichen Argumente gegen die von Frau Kramp-Karrenbauer angesprochenen Lebensentwürfe wurden vor 50 Jahren auch gegen Homosexualität hervorgebracht. Heute gilt Homosexualität als halbwegs gesellschaftlich akzeptiert. Polygamie und Inzest sind für die Mehrheit der Menschen (und ich möchte mich da nicht ausnehmen) unvorstellbare Lebensmodelle.

Aber wenn sich erwachsene Menschen, freiwillig dazu entschließen Verantwortung füreinander zu übernehmen, dann fällt es mir schwer zu verstehen, warum das verboten sein soll. Polygamie als Ehe stelle ich mir vom Verwaltungsaufwand zwar sehr schwierig vor, doch die Hochzeit zwischen nahen Verwandten ist demnach nicht zu verbieten. Ich weiß, dass ich mit diesem Argument einigen Protest ernten werde (selbst unter Schwulen und Lesben), denn ich höre auch von Homosexuellen immer wieder die gleichen Argumente gegen Inzest: z.B. dass es ekelhaft sei, dass dabei behinderte Kinder entstehen und dass man so doch nicht leben könne. Letztlich mag gerade der Punkt mit der erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Behinderung bei Kindern stimmen, nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass das den Staat und die Gesellschaft nichts angeht. Wenn sich zwei Menschen, die nicht miteinander verwandt sind, dazu entschließen Kinder zu bekommen, obwohl sie beide (vielleicht sogar wissentlich) Träger eines Gendefekts sind, mischt sich doch auch niemand ein. Und das ist auch gut so!

Ich möchte die Gegenfrage an Frau Kramp-Karrenbauer stellen. Wo sollen wir mit der Reglementierung von Ehe und Familie aufhören? Mit einer solchen Argumentationslinie müsste man Paaren, die potentiell genetische Defekte weitervererben könnten, die Fortpflanzung verbieten oder gibt es bald wieder die Standesehe, da sich nur gleiche soziale Schichten vermählen dürfen? Dürfen nur dann noch Menschen heiraten, die zueinander passen? Es ist natürlich geschickt, dass Frau Kramp-Karrenbauer mit dem für uns alle unvorstellbaren argumentiert. Denn damit stellt sie auch liberale Mitglieder der Gesellschaft bloß, die in arge Probleme geraten, warum Homosexualität gleichgestellt werden muss, Inzest und Polygamie aber nicht.
Ich möchte an dieser Stelle auch nochmal nachdrücklich darauf hinweisen, dass ich Pädophilie aus dieser Diskussion völlig ausschließen möchte, da es dabei nicht um die Verbindung zweier erwachsener Personen geht. Gerade in diesem Punkt haben sich die Grünen, die ich politisch unterstütze, in den 80er Jahren verzettelt. Diese Form der Sexualität geht meistens mit Missbrauch einher und muss daher gesondert betrachtet werden.

Ich finde allerdings richtig, dass die saarländische Ministerpräsidentin diesen Punkt in die Diskussion eingebracht hat, denn er stellt ein Verständnis von Staat und Gesellschaft zur Diskussion. Beim Veggie Day wurde den Grünen noch eine Reglementierungswut vorgeworfen, da sie den Menschen vorschreiben wollen, was sie essen. Bei Lebensentwürfen scheinen die doch so „liberalen“ CDUler auf einmal einer ganz anderen Meinung zu sein. Ich frage aber: In welchem Staat möchtet ihr leben – einer der Lebensentwürfe diskriminiert und reglementiert oder der die Freiheit des Individuums respektiert?

Ich bin auf eure Meinungen gespannt.

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Ein Kommentar zu “Kommentar zum Vergleich der Homo-Ehe mit Verwandten-Heirat von Kramp-Karrenbauer – Warum nicht?

  1. Ist es denn so schwer einfach in Freiheit leben zu dürfen ? Sollte es denn irgendwen angehen was wir Menschen tun , wir als eigenständiger Mensch ? Wieso leben wir denn hier ? Wohl nicht um nach den ‚Gesetzen der Liebe‘ zu leben.

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