Top 5: Die dümmsten Argumente warum die Homo-Ehe nicht gleichgestellt werden sollte

26003_e373a1856137b163c3c8b013846dfa4aEine solche Liste bietet sich einfach an, nachdem in der letzten Woche die Debatte um die Homo-Ehe wieder entfacht ist. Allen voran finden dabei Unionspolitiker teilweise haarsträubende Argumente, warum die Öffnung der Ehe für homosexuelle Menschen nicht erfolgen darf. Ich habe mich dabei auf die aktuellsten Argumente beschränkt, denn eine Liste der dümmsten Allzeit-Argumente, warum man Lesben und Schwulen nicht die gleichen Rechte geben darf, würde den Rahmen sprengen.

  1. „Differenzierung bedeutet nicht Diskriminierung“ – Björn Thümler (CDU

Björn Thümler, Fraktionsvorsitzender der CDU im Niedersächsischen Landtag, schrieb in einem Gastkommentar in der „Braunschweiger Zeitung“ unter der Überschrift „Es geht um die Kinder“, dass „nur aus der Verbindung von Mann und Frau Kinder hervorgehen können“. Dies sei für ihn der „grundlegende Unterschied“ der Ehe zur Lebenspartnerschaft. „Wer diese Differenzierung als Diskriminierung empfindet, verkennt, dass es unserem Staat nicht um eine Bewertung verschiedener Lebensentwürfe geht, sondern um sein ureigenes Interesse: seinen eigenen Fortbestand.“ Laut Thümler sei sei es daher „blanker Unsinn“, die Union als “ Schuldigen für die vermeintliche Diskriminierung homosexueller Beziehungen“ hinzustellen, denn es gehe nur um die Differenzierung zweier vollkommen verschiedener Sachen.

Es ist wunderbar, wie manche CDU-Abgeordnete immer wieder das Thema Kindererziehung in die Diskussion einwerfen. Das würde aber bedeuten, dass eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau, die aus irgendwelchen Gründen keine Kinder bekommen können oder wollen, auch nicht diesen Schutz erhalten darf. Differenzierung ist zudem nur ein sozial verträglicher Begriff für Diskriminierung. In Deutschland sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Dieser einfache Grundsatz verbietet jede beliebige Differenzierung.

  1. Wenn wir homosexuellen das Heiraten erlauben, werden bald auch Verwandte heiraten – Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU)
    Ja, ihr habt richtig gelesen: Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) stellt sich gegen Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und hat dafür eine sehr weit hergeholte Begründung. Kramp-Karrenbauer führt an: „Es stellt sich die Frage, ob wir grundlegende Definitionen unserer Gesellschaft verändern wollen, und zwar mit womöglich weitreichenden Folgen (…). Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen“.

Nun mag die Eheschließung von Verwandten im Saarland ein tatsächliches Problem sein (da spricht der Pfälzer und die Wut aus mir), für die Diskussion ist dieses Argument aber vollkommen dümmlich. Solche Argumente kommen immer dann zum Tragen, wenn Politikern nichts mehr einfällt.

  1. Die Familie ist durch die Homo-Ehe bedroht – der Vatikan

„Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“, zitierte Radio Vatikan die sogenannte rechte Hand des Papstes Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin nach dem erfolgreichen Referendum der Iren letzten Monat. Laut Paolin müsse man alles dafür tun, die Familie zu verteidigen, weil sie die Zukunft der Menschheit und der Kirche bleibe. Für den Vatikan ist die Familie durch die Öffnung der Ehe nachhaltig bedroht.

Warum? So wirkliche Argumente liefert der Klerus nicht, sondern bezieht sich auf ein teilweise über 3.000 Jahre altes Buch, in dem das Gesellschaftsbild von damals in dieser Frage eins zu eins auf die Neuzeit übertragen werden soll. Menschen- und Tieropfer aus dieser Zeit seien aber aus heutiger Sicht zu betrachten. Dabei wird auch nicht klar, was denn Familien verlieren, wenn auch gleichgeschlechtlichen Menschen das Recht eingeräumt wird, eine Familie zu gründen? Ist die Familie dann weniger wert? Nehmen homosexuelle Paar heterosexuellen Familien etwas weg? Geht es Kindern in diesen Regenbogenfamilien schlecht? Nein. Dieses Argument ist eine implizite Umschreibung für homophobe Einstellungen. Niemand ist durch gleiche Rechte bedroht. Mit dem gleichen Argument wollten zur Zeit Lincolns die Südstaaten auch an der Sklaverei festhalten. Eine ähnlich menschenverachtende Argumentation ist für eine „heilige“ Institution wie dem Vatikan beschämend.

  1. Homosexuelle Lebenspartnerschaft unterscheiden sich von der Ehe – Angela Merkel (CDU)
    Wie immer sagt Angela Merkel mit vielen Worten inhaltlich nichts. Dennoch wird die Kanzlerin in der Debatte um die Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften mit der Ehe nicht wirklich zu Befürworterin und sieht Unterschiede. Als Konsequenz meint sie wohl, dass sie dadurch automatisch nicht die gleichen Rechte verdient haben, auch wenn sie das so deutlich nicht sagt.

Der rückgratlose Kurs von Angela Merkel in dieser Frage ist schon beispielslos. Im September 2013, kurz vor der Bundestagswahl, sagte Merkel in der ARD-Sendung „Wahlarena“, dass sie sich „schwer tue mit der völligen Gleichstellung“. Demnach unterstrich sie nochmal, dass von ihr persönlich kein Gesetzentwurf für eine komplette Gleichstellung oder für die Adoption durch homosexuelle Paare, kommen wird. Damals verteidigte Merkel noch ihr Position mit diesem Satz: „Ich weiß, dass das für viele gleichgeschlechtliche Paare schwer ist, aber ich bin mir einfach da nicht ganz sicher.“

Dass von der Kanzlerin in einer Gewissensfrage nicht viel zu erwarten ist, war mir klar. Ich hoffe aber, dass bei der Gesamtbevölkerung ankommt, dass Merkel dieses Thema – wie so viele andere auch – einfach völlig meinungslos ist. Sie tut sich höchstens schwer mit der Union. Das letzte konservative Thema der Union wollen die letzten Konservativen bei CDU und CSU schützen. Ansonsten wäre Stimmungs-Merkel die erste, die dieses Thema kippt, den 2/3 der Deutschen sind nach einer aktuellen Umfrage für die Ehe für alle. Für Merkel könnte das Thema aber zur Machtfrage innerhalb der Union werden und das kann sie nicht riskieren.

  1. Die Ehe ist von Gott gegeben und Gott hat diese für Mann und Frau vorgesehen – Veronika Bellmann (CDU)
    Last but not least ist die CDU-Abgeordnete Veronika Bellmann, die sich in einem Blog-Beitrag eindrucksvoll unqualifiziert in diese Debatte eingemischt hat. „Will die SPD jetzt Gott, die Natur, die Biologie oder wen auch immer wegen Diskriminierung verklagen, weil sie auf den diskriminierenden Einfall gekommen ist, die Fortpflanzung der Menschheit nur durch das Zusammenwirken von Mann und Frau für möglich zu erklären? An dieser fundamentalen Diskriminierung kann nicht einmal das Bundesverfassungsgericht etwas ändern, geschweige denn ein auf Zeit gewählter Parlamentarier. Es sei denn, man richtet hemmungslos den Blick gleich weiter vom Recht auf umfassende Gleichstellung bezüglich der Ehe für Gleichgeschlechtliche, auf das Recht auf Kinder durch künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft, Retorten- und Designerbabys und so weiter und so fort.“ Weiter schreibt Bellmann, dass eine Familie aus Vater und Mutter bestehen muss, da dies ein zeitloser Fakt ist. Wieder wird Ehe an die Bedingung geknüpft, dass potentiell Kinder entstehen können und Familie und Ehe kirchliche Institutionen sind.

Leider vergisst die CDU-Politikerin, dass die Ehe mit Nichten eine religiöse Institution ist, sondern durch den napoleonischen „Code Civil“ schon Ende des 18. Jahrhunderts eine Zivilehe wurde. Es bleibt der Kirche weitestgehend überlassen zu entscheiden, wen sie traut und wen nicht. Es ist aber nicht die Aufgabe der Kirche und Gott zu bestimmen, wen der Staat traut und wen er mit welchen Rechten ausstattet. Ich frage mich immer, ob wir nach dieser Logik die Ehe von Frau Merkel und Herrn Sauer noch Ehe nennen dürfen? Muss man bei der Eheschließung zudem einen Fruchtbarkeitstest beim Standesamt einreichen und eine Absichtserklärung einreichen zur Überbevölkerung weiter beizutragen? Bei der Ehe geht es darum, dass zwei Menschen (egal in welcher Geschlechterkonstellation) Verantwortung füreinander übernehmen. Sie haben damit kein Recht auf Kindern, aber sie haben auch keine Verpflichtung Kinder zu haben.

Konservative Politiker müssen endlich aufhören uns vorzuschreiben, in welcher Konstellation wir leben wollen. Es gibt für alle Argumente, die oben angeführt werden zwei Totschlagargumente: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Art. 1 GG) und „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ (Art. 3 GG). Mit diesen beiden Grundsätzen ist es völlig egal, ob unsere Kanzlerin ein schlechtes Gefühl hat, irgendwelche Glaubensgemeinschaften das nicht mögen oder andere Rechtspopulisten Angst haben, Schwule und Lesben nehmen ihnen etwas weg. Die Fehlende Gleichstellung ist staatliche Diskriminierung und verstößt gegen das Grundgesetz.

Wie seht ihr das? Fallen euch noch weitere dumme Argumente ein? Lasst es mich wissen.

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