Debatte um die Eheöffnung in Deutschland – Merkel hat kein Rückgrat

Quelle: LSVD

Quelle: LSVD

Das erfolgreiche Referendum im katholischen Irland hat die Debatte um die Ehe-Öffnung in Deutschland wieder aktualisiert und offenbart die feige, rückgratlose Haltung unserer Bundesregierung. Der Grünen-Politiker Volker Beck will daher die Abstimmung über die Öffnung der Ehe im Bundestag freigeben und damit die Union wieder einmal vor ein Dilemma gestellt. Denn Beck warnte die Union bei diesem Thema weiterhin auf stur zu schalten und von ihrer Symbolpolitik abzurücken. Denn die Zustimmung ist nicht nur in der Bevölkerung mehrheitlich vorhanden, sondern auch im Bundestag. Denn de facto ist so, dass unter allen im Bundestag vertretenen Parteien, die Öffnung der Ehe alleine innerhalb vom CDU/CSU umstritten ist. Alle anderen Parteien, auch die bei der letzten Wahl aus dem Bundestag geschiedene FDP, unterstützen die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.

Es gibt auch in der Union immer mehr Unterstütze für dieses Vorhaben. Daher sollte der Antrag im Bundestag mühelos eine Mehrheit bekommen, auch wenn diese Frage auf einem Parteitag vor der Wahl noch knapp abgelehnt wurde. Immerhin 40 Prozent innerhalb der CDU waren damals für die Gleichstellung. Nun hat die Union schon mehrfach bewiesen, dass sie Parteitagsbeschlüsse und sogar identitätsstiftende Positionen mit einem Wimpernschlag räumen kann, beim Thema Homosexualität wird aber immer wieder auf dem Markenkern der Union beharrt. Denn eine kleine konservative Gruppe bei CDU und CSU schafft es, dieses Thema hartnäckig zu blockieren.

Und die Kanzlerin?

Angela Merkel hat für kein Thema, ob innenpolitisch oder außenpolitisch, wirklich Leidenschaft. Daher ist für sie diese Frage eine reine Machtfrage. Die Frage, ob die Ehe für Homosexuelle endlich geöffnet wird, wird in Deutschland keine Wahl entscheiden. Für ihre Machtbasis innerhalb der Union ist es aber ein entscheidender Faktor. Irgendein konservatives Thema muss Merkel ihren CDUlern noch lassen, nachdem sie Stück für Stück alle anderen Positionen geräumt hat. Zudem fürchtet Merkel damit erzkonservative Wähler in die Arme der AFD zu treiben. Bei diesem Thema kann die CDU aber nicht gegen die AFD gewinnen. Denn der rechte Flügel der AFD hat an den Stammtischen der Republik längst die Vorherrschaft errungen. Anders ließe es sich kaum erklären, dass die Partei trotz selbstzerlegender Tendenzen immer noch bei knapp 6 Prozent in den Umfragen liegt. Wer konservativ ist (und ich meine wirklich konservativ), der wählt keine CDU mehr. Das sollten sich auch die verbliebenen Querschläger in der CDU fragen.

Die Wähler am rechten Rand hat Merkel eigentlich schon verloren. Ihre Glaubwürdigkeit in der Mitte der Gesellschaft riskiert sie aber durch ihr mutloses Verhalten in dieser Frage. Es wäre Notwendig, dass die Kanzlerin einmal Führungsstärke zeigen würde. Da sich das wahrscheinlich nicht ändern wird, hat die Opposition ein Thema gefunden, mit dem sie die Bundesregierung ärgern kann. Ein Thema, mit dem man auch den Koalitionspartner SPD in Bedrängnis bringen kann, der mit dem Slogan „Gleichstellung nur mit uns“ bei Lesben und Schwulen um Stimmen geworben hat. Das Traurige an der Sache ist aber, dass durch solche Symbolpolitik ein Land nach dem anderen Deutschland bei der Gleichstellung von Homosexuellen überholen wird.

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Warum Lesben erst so spät für die Werbung entdeckt wurden

(c) by txmx2 (Quelle: http://bit.ly/1DVRCBM)

(c) by txmx2 (Quelle: http://bit.ly/1DVRCBM)

Ich hab immer viel über Marken geschrieben die Homosexuelle in ihrer Werbestrategie berücksichtigt haben. Dabei waren es aber häufig homosexuelle Männer, die gezielt von Marken angesprochen wurden. Nun bin ich selbst ein schwuler Mann. Daher liegt gerade in dieser Betrachtung mein persönlicher Fokus. Aber nicht nur in meiner Wahrnehmung, sondern auch in der Öffentlichkeit wurde in der Regel „nur“ über homosexuelle Männer als „die neue Marketingzielgruppe“ gesprochen. Homosexuelle Frauen kamen in dieser Diskussion selten vor, obwohl nach Schätzung des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) ca. jede zehnte Frau lesbisch ist. Dennoch waren Lesben in der Öffentlichkeit bislang wenig in der Öffentlichkeit vertreten.

Doch nun scheint sich diese Denke geändert zu haben. In einem Artikel auf Welt.de bin ich nun darauf gestoßen, dass mittlerweile immer mehr bekannte Marken wie Audi, Jägermeister oder Granini gezielt homosexuelle Frauen als Kunden umwerben. Für die Mehrheit der Bevölkerung geschieht dies still und heimlich, da die lesbische Szene für viele von außen betrachtet unnahbar und abschottend wirkt. Lange Jahre war es sicher auch das Problem, dass homosexuelle Männer es besser verstanden haben, ihr öffentliches Bild aktiv zu prägen (ob negativ oder positiv). Bei allen negativen Vorurteilen, die die Gesellschaft über Schwule Männer hat, gibt es auch eine Reihe an positiven Vorurteilen, wie ein besonderer Sinn für Ästhetik oder andere künstlerische Dinge. Zu Lesben, bitte korrigiert mich, wenn ich hier falsch liege, gab es diese positiven Vorurteile so gut wie nicht.

Es ist aber trotzdem bemerkenswert, wie lange die meisten Unternehmen gebraucht, diesen Markt für sich zu entdecken. Denn Lesben haben ein überdurchschnittliches Einkommen und für homosexuelle Frauen ist das Thema Kinder viel präsenter als für homosexuelle Männer. Diese Frauen fühlen sich aber durch die klassische Mann-Frau-Kind-Kommunikation nicht wirklich angesprochen.

Eventuell ist es neben der fehlenden Öffentlichkeit auch eine Technologie-Frage, die dazu geführt hat, dass Lesben erst so spät von Unternehmen wahrgenommen wurden. Über Performance Marketing mit speziell granularem Targeting hat sich der Werbemarkt generell geändert. Die klassische Denke, dass eine Werbeanzeige alle erreichen muss, gilt längst nicht mehr. Auch in der TV-Kommunikation oder auf Printanzeigen werden bestimmte Gruppen explizit angesprochen. Denn Werbetreibende haben erkannt, dass sie nur dadurch einen relevanten Erfolg haben.

Ich denke, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis Lesben in diesem Bereich vollkommen aufgeholt haben. Was meint ihr? Warum haben Lesben nicht die gleiche öffentliche Wahrnehmung wie Schwule? Oder seht ihr das ganz anders?