Das Privileg und die Ignoranz nicht diskrimiert zu werden

(c) b  Oliver Wunder (Quelle: http://bit.ly/1z6iO3i)

(c) b Oliver Wunder (Quelle: http://bit.ly/1z6iO3i)

Letzte Woche bin ich mal wieder durch die Realität eingeholt worden. Als ich einen Artikel über einen homophoben Angriff in einem Sportstudio in Hamburg geteilt habe, hatte ich aus meinem engeren Bekanntenkreis eine etwas verstörende Reaktion darauf erhalten. Ohne im Detail auf den Inhalt des Kommentars nochmal eingehen zu wollen, lautete der Inhalt, dass wir (Homosexuellen) da jetzt durch müssen, das nächste Mal träfe es dann wieder eine andere Minderheit. Auch wenn man behaupten könne, dass das nicht ganz ernst gemeint ist, steckt dort doch eine verstörende Botschaft drin. Fühlen sich Heterosexuelle genervt, wenn wir auf unsere fehlenden Rechte und die Diskriminierungen aufmerksam machen, die uns widerfahren?

Ich kann ja verstehen, dass ständiges Beklagen und Anklagen in den Ohren vieler Menschen nervig klingen mag. Ich würde auch lieber über die schönen Dinge sprechen. Nichtsdestotrotz werden Lesben und Schwule in Deutschland immer noch staatlich diskriminiert (durch fehlende Rechte) und müssen sich vor körperlichen Angriffen fürchten, was das Beispiel aus dem Fitnessstudio in Hamburg zeigt. Daher kommen diese Anklagen nicht von ungefähr.

Daher müssen wir das öffentlich machen und daher ist es in meinen Augen ignorant, darauf mit Unverständnis zu reagieren.

Doch leider spricht genau diese Ignoranz besonders aus vielen heterosexuellen (deutschen) Männern, da diese einfach nicht nachvollziehen können oder wollen, was es bedeutet, wegen der sexuellen Orientierung diskriminiert, wegen des Geschlechts schlechter bezahlt oder wegen der Herkunft ausgegrenzt zu werden. Sie reagieren mit Unverständnis, teilweise sogar genervt darauf, wenn wir uns über so einen Vorfall aufregen, weil sie sich dieses Privilegs nicht bewusst sind. Viele Menschen scheinen zu vergessen, wenn sie gewisse Privilegien haben (das betrifft auch die freie Meinungsäußerung), wie wertvoll diese sind und wie ungerecht es für diejenigen ist, denen diese Privilegien vorenthalten werden. Diese Privilegien sind aber kein Gut, bei dem Konkurrenz entstehen kann. Das bedeutet, dass diese Privilegien nicht weniger wert sind, wenn Homosexuelle die gleichen Rechte haben und nicht mehr diskriminiert werden. Es braucht dafür den notwendigen Respekt anzuerkennen, dass diese Privilegien allen zustehen.

Erst wollen Frauen die gleiche Bezahlung und den gleichen sozialen Stand, nun fordern Homosexuelle mit Respekt behandelt und mit den gleichen Rechten ausgestattet zu werden. Doch scheinen Menschen, die diesen Status schon erreicht zu haben, dass wir damit in Konkurrenz treten wollen. Respekt und gleiche Rechte sind aber keine Güter, bei denen es Konkurrenz im Konsum geben kann. Wenn wir das alle negreifen, nimmt hoffentlich auch die Angst ab, dass damit jemandem etwas weggenommen würde.

Wie seht ihr das? Warum reagieren einige Heterosexuelle genwevt, wenn Schwule und Lesben nach den gleichen Rechten rufen und Diskriminierungen und tätliche Angriffe öffentlich anprangern? Ich bin auf eure Meinung gespannt.

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2 Kommentare zu “Das Privileg und die Ignoranz nicht diskrimiert zu werden

  1. Schön, dass du das Thema ansprichst! Ich denke, der Grund, weshalb viele Heterosexuelle auf die Diskriminierung von schwulen und Lesben genervt reagieren ist der, dass sie (meist) keinen blassen Schimmer davon haben, was es heißt, in einer Welt aufzuwachsen, in die sie nicht hineinpassen, in der sie nicht mitgedacht werden und/oder sogar Gewalt erleben. Das Hinweisen auf Diskriminierung macht den eigenen Heterosexismus sichtbar, und – ähnlich wie bei Sexismus und Rassismus – wollen sich viele damit nicht auseinandersetzen. Solange sich die Diskriminierung, die sich gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten richtet, externalisieren und politisch instrumentalisieren lässt (z.B. indem man sie ausschließlich Migrannt_innen zuschiebt), wird sie thematisiert. Die tagtäglichen Mikro-Aggressionen gegen Schwule und Lesben unter Deutschen sind jedoch ebenso kein Thema für die Mainstream-Medien wie verletzende Äußerungen von Politikern, Prominenten oder Kirchenvertretern. Ein Thematisieren würde eine strukturelle Aufarbeitung des in der deutschen Gesellschaft tief verwurzelten Heterosexismus bedeuten. Und nein, dazu ist ein großer Teil der (cis)heterosexuellen Bevölkerung nicht bereit. Wieso auch? Es betrifft sie schließlich nicht persönlich. Da ist es einfacher, mit dem Finger auf andere zu zeigen oder sich oberflächlich ‚tolerant‘ zu geben…

  2. Ich glaube auch, dass viele Heterosexuelle nicht wirklich wissen, wie es um ihre homosexuellen Freunde tatsächlich steht. Wenn ich in meinem Freundeskreis von der derzeitigen Situation erzähle, höre ich oftmals: „Wie? Ihr dürft das gar nicht?“! Unwissenheit macht halt nirgendwo halt!

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