Vorurteile und Rechtspopulismus bei Schwulen?

(c) by Angela Schlafmütze (Quelle:  http://bit.ly/1yPboRj)

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Letztens bin ich etwas sehr Interessantes, aber auch Naives gefragt worden – nämlich ob Schwule auch Vorurteile haben. Interessant, da die Frage impliziert, dass eine Gruppe, die selbst gegen Vorurteile zu kämpfen hat, diese Eigenschaft fehlen würde. Naiv, da es die menschliche Natur vollkommen verkennt.

Denn mal Hand aufs Herz: Vorurteile hat doch jeder. Auch, wenn wir Homosexuellen häufig gegen die vielen Vorurteile, der Gesellschaft ankämpfen, haben wir auch Vorurteile. Wir sollten bei diesem Kampf niemals vergessen, dass auch wir (wie jeder Mensch) Vorurteil haben.

Ein Vorurteil ist nicht unbedingt schlimm und etwas vollkommen Menschliches. Vorurteile beruhen auf Erfahrungen, die wir machen, oder auf Informationen, denen wir ausgesetzt sind. Vorurteile machen das Leben ein bisschen einfacher und helfen uns in der Kategorisierung von Dingen und Personen. Vorurteile werden dann zum Problem, wenn man sich weigert, sich negativen Vorurteilen zu stellen und anderen nicht die Chance gibt, das Gegenteil zu beweisen. Noch schlimmer wird es dann, wenn aus Vorurteilen eine kategorische Ablehnung wird oder diese in Ressentiments und Hasse münden.

Selbst unter Schwulen und Lesben gibt es viele Vorurteile oder auch innerhalb der schwulen Community gibt es Vorurteile gegen bestimmt Gruppen. Jedes dieser Vorurteile ist es wert gesondert betrachtet zu werden.

Was mich besonders stört ist die wachsende Ausländerfeindlichkeit, die sich in Teilen der schwulen Community breit macht. Denn diese Ausländerfeindlichkeit beruht auf groben Vorurteilen. Die Tatsache, dass die rechtsradikale Partei Pro Köln einen CSD-Wagen in Köln mit der Sorge vieler Homosexueller vor muslimischen Bürgern begründet, gibt mir zu denken. Auch wenn die Community sich dagegen gewehrt hat, gibt es immer mehr Homosexuelle, die sich offen zu solchen Rechtspopulisten bekennen. Für mich ein Skandal. Auch die latent bis expliziten islamophoben Artikel und Äußerungen aus dem Umfeld des Männer Magazins lassen auf solche Vorurteile bzw. eher Ressentiments gegenüber Migranten muslimischen Glaubens schließen.

Doch woher kommt diese Ablehnung?

Ich verstehe auf der einen Seite, warum manche Schwule diese Ressentiments haben. Es ist das Bild des homophoben Migranten, was medial gezeichnet wird. Es sind aber auch persönliche Erfahrungen, die viele zu dem Schluss kommen lassen, alle Ausländer seien homophobe Gewalttäter. Ich habe selbst schon solche Erfahrungen gemacht: Ich wurde schon zweimal attackiert (hauptsächlich verbal), weil ich in der Öffentlichkeit die Hand von meinem damaligen Freund gehalten habe. Beide Vorfälle liefen aber weitgehend glimpflich ab. Meinen Vorurteilen nach, waren die Angreifer Migranten (wahrscheinlich arabischer Abstimmung). Und natürlich habe ich seither das Vorurteil, mich bei solchen Personen in Acht zu nehmen. Daher verstehe ich viele Schwule, die in diesem Zusammenhang Vorurteile haben. Nichtsdestotrotz dürfen auch Schwule diesen Menschen nicht mit Ablehnung begegnen oder politisch sich für deren Nichtverbleib einsetzten. Eine Radikalisierung mit einfachen Antworten hat noch nie zu einer guten Lösung geführt.

Die gesellschaftliche Chancenlosigkeit und die Ablehnung in Teilen der Gesellschaft motivieren diesen Hass (auch gegen Schwule). Ich fände es daher zielführender, wenn wir uns für deren Integration einsetzen würden als uns in rechtspopulistischen Organisationen zu engagieren, die selbst ein Sammelbecken für homophobe Ressentiments sind. Integration und Bildung würden in meinen Augen viele solcher Vorfälle verhindern.

Der ist meine Aufforderung: Wer Toleranz und Verständnis für seine Lebensweise fordert, der darf nicht anderen dies verweigern. Wie seht ihr das? Welche Vorurteile sind erlaubt? Wo wird es kritisch?

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