„Ich wäre gerne schwul, denn Männer sind so schön unkompliziert“

Mein Lieblingsklischee, dass viele Bekannte und Freunde schon mir gegenüber vorgebracht haben ist, dass es doch total toll sein muss schwul zu sein, da Männer total unkompliziert sind. Ich würde gerne jedem Recht geben, der das sagt. Leider habe ich eher eine andere Erfahrung gemacht. Männer gehören in meinen Augen zu den wohl kompliziertesten Lebewesen überhaupt. Vor allem wenn es um Gefühle geht. Alles was sich zwischen zwei Männern, zwischen zwei Laken abspielt, ist meistens recht unkompliziert. Über Grindr und GayRomeo wird nicht lange diskutiert, wie viele romantische Dates man vorher haben muss, um endlich im Bett zu landen. Manche Konversationen kommen auch völlig ohne Verben aus.

Doch was sich danach abspielt ist deutlich komplizierter – viel komplizierter als sich jeder Hetero vorstellen kann. Schwierig wird es nämlich dann, wenn sich das Gehirn oder das Herz mal zu Wort meldet. Dann beginnen teilweise noch lächerlichere Vermeidungs- und Ausweichspielchen als sich das heterosexuelle Paare vorstellen können. Vor allem in Bezug auf das Interesse an der anderen Person. Denn das Interesse eines Mannes ist so flüchtig, dass man es kaum wirklich greifen kann. Bekommt man an einem Abend noch 100 WhatsApp-Nachrichten zugeschickt, antwortet der Gute am nächsten Tag vielleicht nicht mal mehr auf ein „Hey, wie geht‘s?“.

Manchmal wiederholt sich das Spielchen dann in einigen Wochen nochmal bis das Interesse vollkommen abgeflaut ist. Im echten Leben kann es dann auch mal passieren, dass man zwar an einem Tag noch das heiß umschwärmte Objekt auf einer Party war, die Party darauf (und einige unzählige unbeantwortete WhatsApp-Nachrichten später) das Spiel gespielt wird, wie kann man aneinander vorbeilaufen ohne sich zu sehen. Im besten Falle bekommt man ein peinlich berührtes „Hey“ zugenickt. Das Interesse ist aber schon beim nächsten.

Männer sind super einfach, wenn es um Sex geht. Da haben Schwule einen echten Vorteil. Bei uns muss man keine Frau mit Dates und Aufmerksamkeit überzeugen. Das ist sicher ein Punkt, den viele heterosexuelle Männer bei Schwulen beneiden. Doch wenn es dann darum geht, den anderen zu halten, sich über ein eventuell gemeinsames Leben Gedanken zu machen, sind die meisten Männer schnell weg. Liegt in meinen Augen daran, dass sie Sex von so vielen unterschiedlichen Männern, bekommen, dass sie sich nicht auf einen einlassen müssen. Ich bin mittlerweile durch diese Unverbindlichkeit ermüdet und habe keine Lust auf unkomplizierte Treffen mit unkomplizierten Männern. Denn ich weiß ganz genau, dass genau diese Männer die kompliziertesten von allen sind – vor allem was ihre Gefühle angeht. Und falls man dann doch Interesse an ihnen hat, das Ganze in einem Drama (für mich) endet.

Doch woran liegt es? Liege ich in euren Augen vollkommen falsch? Was sagen denn die glücklichen schwulen Pärchen dazu?

Freue mich auf eure Meinungen und freue mich auch über ernstgemeinte Kontaktanfragen von Männern, die nach was Kompliziertem suchen ;-)

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7 Kommentare zu “„Ich wäre gerne schwul, denn Männer sind so schön unkompliziert“

  1. ich stimme dir nur in einem einzigen punkt zu. schwuler sex ist leichter zu haben als hetensex. alles andere sind vorurteile und haben weder was mit mann / frau / und homo / bi / hetero und schwaz / weiß und reich / arm und süd / nord und was auch immer zu tun. ich kenne hetero pärchen, die jeder dramaqueen das wasser abgraben, ich kenne schwule päärchen, die das wort „gefühl“ nicht buchstabieren können … es ist der typ mensch, ob er sich seinen gefühlen stellt und sie offenbart; es ist der typ mensch selbst, wie viel er von sich preis geben will, wenn er nur lust auf einen schnell fick hat; und es ist immer die kombination von zwei tpyen menschen, die sich treffen, ggf. mit unteschiedlichen erwartungen, unterschiedlichen erfahrungen etc. pp.
    nein, weder die homos noch die heten haben an sich es in gefühlsdingen einfacher noch schwieriger.

  2. Ja, Sex ist, wenn man es darauf anlegt, schnell zu haben. Ein Problem hat man dann, wenn man nicht unbedingt anonymen Sex mit einem völlig Fremden haben will.
    Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich finde, dass sollte sich einfach ergeben.
    Ich will mich nicht einfach so zum Sex verabreden, ich will mein Gegenüber kennenlernen.
    Daraus muss dann ja nicht immer gleich die große Liebe entstehen.
    Das empfinde ich so, wenn das andere aber anders handhaben, ist das für mich auch Ok.
    Ich suche aber eher eine feste Beziehung und hoffe, dass ich jemanden finde, der treu sein kann.
    Ob es da jetzt großartig Unterschiede zwischen schwul und hetero gibt, weiß ich nicht. Fest steht, dass man auf Chatportalen wie PlanetRomeo immer Sexanfragen bekommt, unabhängig davon, ob man das im Profil explizit ausschließt oder nicht. Und das nervt manchmal ganz schön.

  3. Ich bin Spanier und finde es sehr schade, dass Deutschland so wenige vernünftige gay-gayfriendly Cafés und Bars hat. Ich habe meinen deutschen Mann in Madrid kennengelernt, ganz normal in der Disco. Hier in Frankfurt unvorstellbar. Zum Glück sind wir schon 10 Jahre glücklich zusammen und sehr verliebt. Ich bin froh ich bin nicht auf der Suche und außer vielleicht der „Puls“ (leider für immer geschlossen) kann ich mich heute nicht vorstellen wo man normal und ohne Eckel jemanden kennen lernen kann. Es spielt sich alles in gayromeo, Saunen, Toiletten, Autobahnen, kleine Bars mit viel Prostitution und komische „Vereine“. Sehr traurige Szene in Deutschland, und jetzt kommt noch dazu, dass es unglaublich viele junge Muslime „schariapolizei“ auf der Zeil spielen. Hände halten und Normalität für Schwule sind hier verboten. Das ist das Problem und nicht wie kompliziert oder unkompliziert Schwule sind. Ich hoffe, dass es sich irgendwann ändert

  4. Die sozialen Kontaktportale begünstigen und verführen zu unhoeflichem und unverbindlichen Benehmen. Das ist bei Heten nicht anders. Es bleibt einem nichts anderes als die Rosinen im Kuchen zu finden. Meine aktuelle Partnerschaft, seit 5 Jahren kommt ohne Zickerei aus. Das erlebe ich bei anderen Paaren auch, egal welcher Couleur. Eine Frage der Reife, schätze ich.

  5. Männer sind unkompliziert?…. ohje….
    Hab bisher wenige Männer getroffen, die unkompliziert sind.
    Selbst meinen Göttergatten (vor vielen Jahren auf GR gefunden) würde ich nicht als unkompliziert einstufen.
    Ich glaube, ich bin einer der wenigen Leute, die ich als unkompliziert einstufen würde…. aber so denken wohl die meisten Leute von sich selber :-)
    Ich war auch Ewigkeiten auf der Suche nach Mister Right… Bis ich mal beschlossen habe, nicht mehr auf der Suche zu sein…. und kurz danach wars dann das mit dem Single-Dasein….
    Meine Theorie: Erstmal mit sich selber klar kommen und nicht mehr so wichtig nehmen. Alle Anderen respektieren und so nehmen, wie sie sind. Die Welt so nehmen, wie sie nu mal ist. Und schon findet sich das normale Leben und auch schnell noch dazu Jemand, der da mit rein passt….

  6. Ich kann dir da leider nur in ganz wenigen Teilen zustimmen. Natürlich passieren diese Begegnungen wie geschildert und das mehr als man denkt, aber das ist sicherlich kein Problem von Männern oder Homosexuellen. Beziehungsweise ich selbst sehe es auch nicht als Problem, da es doch ein völlig normales Verhalten ist. Man lernt sich kennen – unabhängig davon ob in einer Bar, im Chat, in der Sauna oder sonst wo – und klärt dann ob man sich gegenseitig sympathisch ist usw. Ist dies nicht der Fall, dann war es das halt. Klingt hart aber ist so. Natürlich fehlen 90% der betroffenen die Ehrlichkeit das so direkt auszurücken, aber es ist ein Fakt. So etwas geschieht per Whatsapp oder Online halt nur viel schneller als in der Realität. Man tauscht innerhalb von Stunden Unmengen an Infos aus und lernt sein Gegenüber gut kennen. Oft reicht dies halt schon um zu beurteilen, ob man grundsätzlich ein tieferes Interesse an der anderen Person hat oder nicht. Und als kleiner Tipp am Rande „unzählige unbeantwortete Whatsappnachrichten“ machen das ganze nicht gerade besser. Ich glaube oftmals sind sie der Grund dafür warum das Gegenüber dann wirklich nicht mehr reagiert. Besonders in der heutigen Welt mit Whatsapp etc. erwarten alle immer eine sofortige Reaktion. Viele die diese nicht erhalten werden panisch, unsicher und schreiben als weiter neue Nachrichten. Viel mehr sollte man geduldig sein und abwarten. Oft gibt es ja Gründe dafür, dass jemand nicht mehr sofort reagiert und ob man dann wirklich Lust hat 100 Nachrichten zu lesen sobald man wieder am Handy ist? Ich glaube nein. Nach einer gewissen Zeit den anderen an sich zu erinnern ist natürlich völlig ok – dann aber am besten mit einem neuen Thema etc um sich wieder interessant zu machen- und nicht mit Hallo? oder Noch da? – Selbst wenn dann wirklich absolut nichts mehr kommt ist das zwar traurig aber dann lebt man damit, ist selbstbewusst, selbstsicher und macht weiter. Wichtig ist das man interessant für den anderen bleibt. Wenn man sofort alles preisgibt und zu früh das Gefühl vermittelt „Ich find dich sooooo toll und nehme dich auf jeden Fall“ dann wird man eher uninteressant. Dein Interesse an dem anderen steigt ja auch ins unermessliche wenn er mal nicht sofort antwortet ;-) Und das mit dem Interesse ist egal ob Hetero, Homo oder sonst was, da ist jeder Mensch gleich. Ich musste das auch erst lernen, aber es klappt, ich habe seit 3 Jahren eine glückliche Beziehung und es ist kein Ende in Sicht. Man muss halt nur das Interesse aufrecht erhalten.

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