Sommerloch-Debatte um Gleichstellung

Quelle Facebook-Seite von Bündnis 90/Die Grünen (http://on.fb.me/1p1mVUu)

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Liest man die Meldungen der letzten Tage, bekommt man dem Eindruck als hätten konservative Politiker von CDU/CSU ein neues Thema gefunden, um das Sommerloch zu überbrücken – nämlich die Gleichstellung vom Schwulen und Lesben. In einem Fall klingt es sogar so, als wäre diese Frage entscheidend für den Fortbestand unserer Gesellschaft.

Der erste in der Reihe besorgter Mahner ist Volker Kauder, seines Zeichens Vorsitzender der CDU/CSU Bundestagsfraktion. Kauder ist schon öfters als einer der härtesten Verteidiger der konservativen Leitlinien in der Union aufgefallen. So nun auch in einem Interview mit der „Schwäbischen Zeitung“. Darin bekräftig Kauder, dass er vehement gegen eine Gleichstellung von Homosexuellen kämpfen werde, besonders gegen das Adoptionsrecht. Auch wenn sich die Union in den letzten Jahren in vielen Fragen deutlich gewandelt hat, so bekräftigte Kauder, dass es sich bei der Frage der Gleichstellung von homosexuellen Paaren anders verhält. Kinder, so Kauder, benötigten eine Gemeinschaft, in de „das väterliche und das mütterliche Prinzip gilt“. Laut eigenen Angaben habe Kauder selbst viele Homosexuelle Freunde, die ihn und seine Position verstehen und auch unterstützen. Anderen schwulen und lesbischen Paaren warf Kauder hingegen vor, nur im eigenen Interesse zu handeln und aus egoistischen Motiven ein Kind adoptieren zu wollen. Es gehe nicht um das Wohl der Eltern, sondern der Kinder. Wie leichtfertig Kauder behauptet, dass Kinder einen Vater und eine Mutter behauptet irritiert doch schon sehr. Denn einen Beweis dafür kann er nicht anbringen und ignoriert, dass viele Kinder in zahlreichen anderen Familienverhältnissen (ohne einen männlichen oder weiblichen Elternteil) genauso liebevoll und genauso gut aufwachsen wie in der traditionellen Bilderbuchfamilie, die sich Kauder ausmalt.

Dass Volker Kauder leider nicht zu einer aussterbenden Gattung innerhalb der CDU/CSU Bundestagsfraktion 29-jährige Marian Wendt, den die Welt als einen der neuen Konservativen im Bundestag vorstellt. Dieser schafft es sogar den Bogen noch weiter zu überspannen als der alternde Kauder, dem man wenigstens noch mit seinem Alter ein bisschen entschuldigen kann. Denn mit einem merkwürdig-verstörenden Gleichnis beschreibt Wendt, warum er Homosexuelle nicht für schützenswürdig erachtet:

Ein Gleichnis soll seine Position zur Homo-Ehe erklären. Es geht um den natürlichen Gang der Zeugung: „Der Fisch kann nicht fliegen, der Vogel nicht schwimmen. Und auch wenn der Fisch es will, er wird niemals fliegen können“.

Freundlicherweise hat mich eine Nutzerin auf meiner Facebook Seite darauf aufmerksam gemacht, dass sowohl fliegende Fische also schwimmende Vögel (Pinguine) gibt. Dumm, wenn man sich an Gleichnissen bedient, die aus einer längst vergangenen Zeit stammen. So wie der Autor dieses Zitates selbst aus dem geistigen Mittelalter zu stammen scheint. Es zeigt doch, was für ein verqueres Menschenbild hinter so einer Äußerung steckt. Queer.de fragt zurecht ob Wendt davon ausgeht, dass Homosexuelle eine André Spezies seien. Die Äußerung ist aber vor allem deswegen skandalös, da der CDU Politiker Homosexuellen quasi die Menschenwürde abspricht oder ihnen eine geringere Würde zuteilt.

In meinen Augen das wenig mit christlichen Weltbild und mit konservativen Werten zu tun. Zum Glück scheint für Konservative die Welt noch in Ordnung zu sein. Als CDUler kämpft man für das Gute, die Werte in unserer Gesellschaft und verteidigt Kinder und anständige Bürger vor den bösen Homosexuellen.

Doch warum schießen immer wieder Unionspolitiker gegen die Gleichstellung und teilweise gegen die Menschenwürde von Lesben und Schwulen? Ich kann mir diese Tatsache nur mit dem fehlenden Markenkern der Union erklären und dem verzweifelten Versuch dieser Partei Kontur zu verleihen. Denn wenn wir das Thema Homosexualität ausklammern bleibt von der Union, wie sie unter Kohl noch existierte, nicht mehr viel übrig: Mindestlohn, Atomausstieg und Abschaffung der Hauptschule. CDU/CSU (oder besser Frau Merkel) haben dem Zeitgeist so manches Thema geopfert, um in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Am rechten Rand sind dabei viele Wähler auf der Strecke geblieben. Diese klammern sich nun vergeblich an den letzten Strohhalm konservativer Identität – der ablehnenden Haltung gegen Homosexuelle. Diesen Strohhalm werden diese Konservativen auch nicht so schnell aus der Hand geben und blasen verzweifelt immer wieder in das Homophobie-Horn.

Ich prophezeie der CDU aber, dass diese Taktik langfristig nicht aufgehen wird. Schon längst hat sich für die letzten verbliebenen homophobe Spinner in dieser Gesellschaft eine Partei gebildet, die diese Einstellung glaubwürdiger vertritt – die AFD. Die CDU/CSU wird mit diesem Thema also keine Wähler gewinnen, sondern eher welche verlieren. Zudem verschließt sich die Partei mittelfristig den Weg in andere Koalitionsoptionen. Zum Glück ist das Sommerloch mit der Wahl in Sachsen bald vorüber. Dann können sich die Ewiggestrigen von CDU/CSU wieder wichtigen Themen widmen und müssen nicht mehr gegen die gesellschaftliche Akzeptanz und die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen kämpfen.

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