Ist die Linke antisemitisch und homophob?

Quelle: Facebook

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Diese Woche machte ein Artikel von David Berger in der Huffington Post Deutschland große Furore. Denn in diesem Artikel unterstellt Berger der Partei Die Linke starke homophobe und antisemitische Tendenzen, die letztlich zum Rücktritt von mehreren Sprechern der „Die Linke. Queer“ in NRW geführt hat. Von Drohungen und Hetze gegen die Sprecher des Schwulen- und Lesbennetzwerk innerhalb der Partei ist darin die Rede.

Neben homophoben Tendenzen unterstellt Berger der Linken auch eine starke antisemitische Gesinnung. Der Anlass für diese Behauptung ist eine von der Jugendorganisation der NRW-Linken organisierte Demo gegen den israelischen Gaza-Einmarsch am 18. Juli. An dieser Demo sollen im Übrigen auch führende Parteimitglieder der Linken beteiligt gewesen sein. Auf dieser Demo sollen vehement antisemitische Parolen gerufen worden sein, darunter wurden Juden mit Nazis gleichgestellt.

Eine Begründung für die homophoben Tendenzen der Linken sieht Berger in der Queer-Theorie von Judith Butler und ihrer Abneigung gegen den Staat Israel. Die genaue Herleitung solltet ihr aber im Original lesen.

Von der theoretischen Herleitung des Begriffs Homosexualität in der Wueer-Theorie als Grund für Homophobie und Antisemitismus in der Linken halte ich sehr wenig. Die Anschuldigungen sind aber nicht aus der Luft gegriffen. Doch sehe ich eher gesellschaftliche Gründe für homophobe und antisemitische Tendenzen innerhalb der Linkspartei. Diese Tendenzen sind aber auf keinen Fall gleichzusetzen mit der offiziellen Linie der Bundespartei.

Denn gerade bei der Frage der Gleichstellung gibt sich die Parteispitze seit Jahren die Mühe, als Vorreiterin der Homosexuellen-Bewegung zu gelten. Schließlich stimmte die Linke bei allen Bundestagsentscheidung für die Rechte von Homosexuellen. Allerdings war die Partei auch an keine Koalitionsverpflichtungen gebunden, wie FDP oder SPD.

Von dem Vorwurf des Antisemitismus kann sich die Linke nur schwer freisprechen. Immer wieder polarisieren führende Linke Politiker mit kritischen, teilweise antisemitischen Äußerungen in der Frage Israel. Bei einer Rede von Schimon Peres, dem israelischen Staatspräsidenten, anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz im Bundestag 2010, erhoben sich sämtliche Bundestagsabgeordnete bis auf Sahra Wagenknecht und Christine Buchholz. diese Geste mangelnden Respekts führte zu einer hitzigen politischen Debatte offenbarte viele antisemitischeres Ressentiments innerhalb der Linkspartei. Diese rühren teilweise noch von der sozialistischen Vergangenheit der Linken, haben aber auch gesellschaftliche Wurzeln im Westen.

Auch wenn ich die Fakten nicht prüfen kann, auf die sich Berger an seinem Artikel beruft, so sind seine Vorwürfe nicht vollkommen abwegig. Die wesentlichen Gründe sehe ich in der gesellschaftlichen Zusammensetzung der Linken. Denn die Vorstellung, dass Fremdenfeindlichkeit und Homophobie alleine im rechten politischen Spektrum zu finden sind, ist vollkommen naiv. Auch in linken, von Arbeitern geprägten politischen Parteien gibt es bis zum heutigen Tag starke fremdenfeindliche und homophoben Tendenzen. Dazu gibt es viele politikwissenschaftliche Studien. Im Arbeitermilieu sind vor allen Dingen Formalbildung und soziale Stellung niedriger als im bürgerlichen Schichten. Das alles sind soziodemographische Merkmale, die die Ablehnung gegenüber Andersartigkeit befördern.

Auch wenn nicht alle Mitglieder der Linkspartei fremdenfeindlich sind, sind diese fremdenfeindlichen Tendenzen nicht von der Hand zu weisen. Die Parteiführung geht bisher mit diesen Konflikten nicht offen um und findet keine klare Linie. Genau diese Frage zeigt auch wie fragil die Parteistruktur der Linken tatsächlich ist.

Dennoch glaube ich, dass die Aussage, dass die Partei die Linke homophob und antisemitisch ist nicht zutrifft. Denn es ist nicht die Meinung der Partei, sondern die einiger Mitglieder. Nichtsdestotrotz sollte sich die Führung der Linken klar in den Fragen Israel und bei der Toleranz gegenüber Homosexuellen positionieren und allen Meinungen, die dem zuwider laufen, entschieden entgegnen. Die erhobenen Vorwürfe sind aber in meinen Augen eine zu starke Verallgemeinerung.

Wie seht ihr das? Was ist dran an den Homophobie- und Antisemitismusvorwürfen?

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