Schwule Medien: Du & ich wird eingestellt

Überall in Deutschland stehen Printmedien vor dem Aus. Auch vermeintlich starke Marken sind davon betroffen – man denke nur an die “Frankfurter Rundschau” oder die “Mainzer Rheinzeitung”. Spartenmedien haben es da besonders schwer. Neustes Opfer ist die älteste Schwulenzeitschrift Deutschlands. ”Du & Ich“ wird heute die 493. und letzte Ausgabe veröffentlichen. Auch hier ist der Grund die sinkende Zahl an Lesern. Mit der Zeitschrift verschwindet ein Symbol der Homosexuellen Emanzipationsbewegung, die über Jahrzehnte hinweg den Kampf von Schwulen für mehr Recht und mehr Toleranz begleitet. Die erste Ausgabe wurde am 1. Oktober 1969 veröffentlicht, nur einen Monat nachdem sexuelle Handlungen zwischen Männern straffrei wurden. Doch ich möchte diesen Artikel nicht nur als Nachruf sehen, sondern auch nach den Gründen fragen, weshalb ein schwules Printmagazin nicht überleben konnte.

Ein Grund, der nicht nur für “Du & ich” gilt betrifft wohl alle Printmedien in Deutschland. Denn den Veränderungen der Medienlandschaft konnten schon ganz andere Magazine nicht trotzen. Doch warum haben es schwule Printmedien so schwer? Hochwertiger Inhalt für Lesben und Schwule lässt sich nur kaum verkaufen. Auch schwule Stadtmagazine werden in Zeiten des Internets immer überflüssiger. Ein Magazin für nur Schwule oder Lesben bietet zwar rin großes Käuferpotential, aber wohl kaum eine ausreichend große Leserschaft.

Anscheinend sind Schwule nicht bereit für schwule Themen zu bezahlen bzw. finden sich nicht genügend Anzeigenkunden, die die mangelnden Verkaufserlöse kompensieren könnte. Der Mangel an Lesern bedeutet das Aus für hochwertige Schwulenzeitschriften, das andere wirkt sich auf die publizistische Qualität von schwulen Gratismagazinen aus. Denn blickt man in viele Gratisheftchen, die in schwulen Bars ausliegen, finden sich kaum normale Werbekunden. Mir kommt es so vor als würden lediglich Pornolables und Sexshops darin inserieren. Könnte auch daran liegen, dass sich kaum redaktionell hochwertige Beiträge darin befinden. Mal ein eingekauftes Starinterview, Partybilder und kurze Artikel ohne wirklich viel Gehalt zu Themen, die das schwule Leben betreffen. In Zeiten des Internets sind diese Hefte nicht einmal die erste Anlaufstelle für Kontaktanzeigen.

Es bleibt nicht viel als den immer angeführten Satz zu wiederholen: Print ist tot. Zumindest für schwule Themen. Es mag vielleicht traurig sein, dass ein Traditionsmagazin wie “Du & ich” verschwindet, dennoch muss das nicht bedeuten, dass schwule Medien verschwinden. Eventuell reicht auch die Perspektive schwuler Medien auf die Community und schwules Leben im Allgemeinen nicht mehr aus, um genügend Leser zu binden. Brauchen wir tatsächlich ein Magazin, das uns eine Innensicht der schwulen Community gibt? Wäre es nicht sinnvoller als schwules Medium in die Diskussion um gesellschaftliche Toleranz einzusteigen? In meinen Augen sollten schwule Medien zwei Funktionen erfüllen, nämlich schwule Themen aufgreifen und gesellschaftlich relevante Themen für Schwule und Lesben deuten und auf der anderen Seite die Standpunkte der lesbisch-schwulen Community für den Rest der Gesellschaft verständlich zu machen. Homosexuelle Medien haben in meine Augen eine starke gesellschaftliche Bedeutung und wenn sie sich dieser nicht bewusst werden, können sie keine neuen Leser an sich binden.

Wie seht ihr das? Haben schwule Printmedien eine Chance? Gibt es überhaupt eine Chance für schwule Medien? Ich freue mich über eure Antworten.

In den nächsten Artikeln werde ich mich näher mit schwulen Medien beschäftigen, über unterschiedliche Gattungen und über den Sinn und Zweck.

 

 

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