Gute Zeiten für Homosexuelle, schlechte Zeiten fürHomophobe!

Quelle: Wikipedia http://bit.ly/Uoxo4t

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Manchmal wird man auf ganz spezielle Themen aufmerksam, über die man niemals gedacht hätte, dass man je schreiben würde. So geschehen vergangenen Freitag als ich eine Folge der RTL-Vorabendserie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ angeschaut habe – ja hin und wieder schaue ich diese Serie immer noch (seit knapp 14 Jahren). Doch was mir dort auffiel ist purer Stoff für dieses Blog. Denn ein neuer Handlungsstrang von GZSZ befasst sich mit der Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Das klingt zunächst nicht besonders, denn das Thema Diskriminierung von Homosexuellen war schon einige Male Teil des Plots von GZSZ und Co. Doch die neue Handlung der RTL-Soap bringt eine ganz neue Qualität mit hinein, denn die Drehbuchschreiber greifen die aktuelle Diskussion um die Bildungsplangegner in Baden-Württemberg und beziehen ziemlich deutlich Stellung, was dieses Thema anbelangt.

Worum geht es in aller Kürze

Für alle die nicht regelmäßig die spannenden Geschichten von GZSZ verfolgen, möchte ich die wichtigsten Teile der Handlung zusammenfassen: Die neu gegründete PR-Agentur von Katrin hat den ersten Großkunden an Land gezogen – einen Optiker aus Berlin, der im Stadtteil Mitte eine neue Filiale eröffnen möchte. Doch dieser, Mitglied eines Elternverbands, spricht sich öffentlich in diskriminierender Weise und mit der gleichen haarsträubenden Polemik gegen die Thematisierung von Homosexualität im Lehrplan aus. Ich möchte die Argument an dieser Stelle nicht erwähnen. Ich habe bereits Anfang des Jahres über die wilden Theorien der Bildungsplangegner aus Baden-Württemberg und der gesamten Republik gesprochen. (Mehr dazu)
Doch das Interessante an der Geschichte innerhalb der RTL-Serie ist, dass die gesamte Dramaturgie und die Darstellung der Diskussion ein klares politisches Statement darstellt – nämlich gegen die Thesen der so genannten besorgten Eltern. Damit trägt GZSZ in meinen Augen einen wichtigen Teil dazu bei, wie das Thema Aufklärung über Homosexualität unter Kindern und Jugendlichen wahrgenommen wird. Im Regelfall missfällt es mir zwar, dass Homophobe ihre Positionen im Fernsehen vortragen dürfen (auch wenn es hier reine Fiktion ist), doch in diesem Falle verdeutlichen Handlung und Darstellungsform, wie mit dieser Meinung umzugehen ist.

Zudem ist die Aktualität dieser Handlung höchst erfreulich, denn so bekommen auch Kinder und Jugendliche, die zwar zu den großen Fans der RTL-Soap zählen, mit Tagesschau und heute-Nachrichten aber nicht so viel anfangen können, einen Bezug zu einer gesellschaftspolitischen Diskussion, von der sie ansonsten nichts mitbekommen hätten.

Man kann natürlich über die Qualität von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ streiten, genauso wie man über die Beweggründe sinnieren kann, weshalb die Daily Soap immer mehr zum Chronisten wird und nicht mehr generische Probleme, die grob in ein Jahrzehnt aber nicht konkret in ein Jahr einzuordnen sind, aufgreift. Das führt für meine Betrachtungsweise an dieser Stelle zu weit. Ich freue mich jedenfalls, dass mit einem solchen Thema bei RTL auf diese Weise umgegangen wird. Denn auch wenn es viele Erwachsene nicht glauben ,mögen, die Geschichten der RTL-Soap haben in gewisser Weise auch eine erzieherische Funktion für die (jungen) Zuschauer. Von daher gibt es von mir einen Daumen hoch für RTL

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2 Kommentare zu “Gute Zeiten für Homosexuelle, schlechte Zeiten fürHomophobe!

  1. Spannender Bericht, vielen Dank dafür.

    Ich denke auch, dass die beabsichtigte Unterhaltung in solchen Sendungen und Aufklärung bzw. das Beziehen von Positionen einander nicht ausschließen. Da gibt es ja durchaus mehre Beispiele. Bahnbrechend war da ja z. B. schon in den 1980ern „The Golden Girls“ nicht nur mit den auf Homosexualität bezogenen Episoden „Isn’t it Romantic?“, „Scared Straight“ und „Sister of the Bride“, sondern auch zum Thema Transvestitismus („Ebb Tide’s Revenge“), Sterbehilfe („Not Another Monday“), HIV („Seventy-Two Hours“), gesellschaftlich nicht anerkannte Krankheiten („Sick and Tired“) oder Altersdiskriminierung („Rose Fights Back“): Kontroverse Themen wurden über eine Unterhaltungssendung und hier sogar noch in Kombination mit taktvoll untergebrachter Comedy in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt und haben bekanntermaßen einiges bewirkt.

    Ähnlich die zum Thema HIV und Homosexualtität Position beziehende Episode „Killing All the Right People“ aus der direkten Konkurrenzserie „Designing Women“.

    Knackpunkt meiner Ansicht nach ist hier, dass ausgerechnet dass so oft als prüde dastehende Amerika hier die Nase mal deutlich vorn hat.

    Dass „GZSZ“ (das zugegebenermaßen nicht meine Serie ist; ich bin der klassische Arte/Phoenix/3sat-Zuschauer) das thematisiert, finde ich großartig wegen des Massenappeals der Serie und weil es wegen des Fortsetzungscharakters eindringlicher ist als eine in sich abgeschlossene Einzelfolge einer Sitcom. Vielleicht ist das ja der Anstoß zu noch mehr zum Thema auf allen Kanälen.

  2. Pingback: Die hohe Kunst der Selbstblockade | Wortgepüttscher

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