Bitte heterolike

Manche Worte oder manche Phrasen werden von vielen Menschen einfach übernommen ohne den Sinn dahinter zu reflektieren. Auf GayRomeo oder auch andere schwulen Dating-Plattformen hat sich ein gewisser Jargon herausgebildet, der einige Stilblüten zu Tage gefördert hat, die sich bei allen Usern verbreiten. Da ist die Rede von „pics“, „Face“ und sämtlichen Abkürzungen, die man sich vorstellen kann.

Eine besonders unsinnige Stilblüte ist aber der Begriff „heterolike“, im Englischen ist es „straight acting“. Er beschreibt ungefähr eine sehr männliche Verhaltensweise, bei der man nicht auf den ersten Blick auf den Gedanken kommt, dass die Person schwul sein könnte. Das Gegenteil davon wird gerne abwertend als „tuckig“ bezeichnet.

Warum ich heterolike so dumm finde ist die Motivation die dahinter steckt. Auf diesen Plattformen sind alle (mal abgesehen von den „Neugierigen“ oder den „versehentlich angemeldete“) schwul, bi- Oder transsexuell. Wir stehen also alle auf Männer, sonst wären wir wohl nicht auf der Plattform angemeldet. Trotzdem haben manche ein Problem mit ihrer Sexualität bzw. mit der Tatsache, dass man ihnen diese anmerken könne. Wer möchte denn „wie etwas sein“? Die billige hetero-Fälschung aus Fernost etwa. Aus dem Wort „heterolike“ spricht eine gewisse Verachtung gegenüber dem eigenen Schwulsein und zudem eine Unsicherheit, dass dieses erkannt werden könnte. Das ist peinlich und eine Diskriminierung für uns selbst.

Natürlich sind die Geschmäcker verschieden genauso wie wir alle unterschiedlich sind. Es gibt daher schwule wie auch heterosexuelle Männer, die femininer als andere sind. Wie nennt man eigentlich heterosexuelle Männer, die femininer sind? Homolike? Ihr merkt daran, wie schwachsinnig diese Begriffe sind.

Zum Thema Männlichkeit habe ich schon einiges geschrieben. Es kommt immer darauf an, wie wir Männlichkeit verstehen. Daher steckt für mich eine große Portion Angst hinter dem Begriff heterolike. Die Ablehnung von weiblicheren Schwulen von anderen Schwulen ist in meinen Augen auch eine Form von Homophobie. Das mag paradox klingen, doch der Begriff heterolike ist noch viel paradoxer.

Doch was ist eigentlich Männlichkeit und wann ist diese eigentlich bedroht? Ist es das Aussehen oder der Habitus, der einen Mann „männlicher“ macht als den anderen? Ich mag vielleicht Mariah Carey hören und bei Filmen schon mal weinen, dennoch ist meine äußere Erscheinung ziemlich männlich (das behaupte ich zumindest). Meine Männlichkeit ist dadurch nicht bedroht. Auch nicht dadurch, dass einige Freundinnen behaupten, man könne beim Lachen, Tanzen oder auf der Flucht vor Wespen die sexuelle Orientierung erkennen. Ich fühle mich trotzdem männlich, homosexuell männlich.

Auch wir Schwulen sollten etwas mehr Toleranz für Männer aufbringen, die ihre weibliche Seite mehr pflegen. Genauso wie Männer, die besonders stark ihre männlichen Eigenschaften herausstellen. Vor allem aber sollten wir mit solchen Etiketten wie „tuckig“ oder „heterolike“ vorsichtig sein. Denn diese sind verletzend und unreflektiert.

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8 Kommentare zu “Bitte heterolike

  1. Eine sehr gut beschriebene Sicht der Lage – zeigt auch, dass wir Schwulen uns auf dem Weg zur Anerkennung in der Gesamtgesellschaft mitunter selbst im Weg stehen, weil wir das, was wir fordern, teilweise nicht mal in der Lage sind, unter uns zu leben.

  2. Stellt sich ja eh die Frage, ob „Männlickeit“ und „Weiblichkeit“ nicht nur kulturelle Abgrenzungsversuche sind, um eine gewisse Dominanz der „Männlichkeit“ zu sichern. Und davon mal ab ist eine Art Gleichsetzung von Männlichkeit und Heterosexualtiät auch nur so ein Konstrukt, aber gesellschaftlich – und das finde ich gut bei deinem Beitrag – findet sich genau dieses eben in der Sprache wieder.

  3. Das Wort Heterolike ist ja schon ein Unding an sich. Doch wenn es gebraucht wird steht ja klar fest ,eigentlich nicht offiziell als Schwul gelten zu wollen. Möglicherweise sind solche Männer noch nicht mal geoutet. Wie sollen wir uns dann wehren und kämpfen gegen Homophobie ,wenn wir nicht einmal zu uns stehen dürfen?

  4. Was kann gegen diesen Trend gesetzt werden? Wenn Schwule nicht schwul sein wollen. So viele manierierte Tucken kenne ich nicht und wenn sie authentisch sind und süß gefällt es mir.

  5. dein artikel ist auch total unreflektiert ….wenn du heterolike nicht verstehst dann tust du mir echt leid . ich zb bin schwul schon seit ich mein ersten sex mit 14 hatte und ich hab absolut klein problem damit schwul zu sein . aber von meinem aussehen und verhaltensweise würde niemand darauf kommen das ich schwul bin ohne jetzt hier den heteromatcho raushängen zu lassen . daher hetrolike ….mir scheint ehe das du ein problem mit der sache hast …und ich mag auch keine übertrieben tuckigen typen wo man schon aus 100 metern sieht das der typ schwul ist .dann lieber transen

    • Getroffene Hunde bellen. :-)

      Mein Artikel ist vielleicht etwas provokant formuliert, aber sicher reflektierter als dein Kommentar. So viele Diskrimierungen wie sich darin befinden (z.B. Tuckig ).

      Ich verstehe natürlich die Idee hinter dem Begriff heterolike, daher kritisiere ich sie ja auch. Es geht darum, dass wir unter Schwulen nicht auch noch anfangen müssen, uns zu diskriminieren dafür wie wir sind. Der eine Mann ist eben feminin. Das hast du nicht zu bewerten und schon gar nicht abzuwerten. Das ist doch eine Perversion an sich, wenn wir unter schwulen Männern als diskriminierte Gruppe anfangen zu differenzieren, wer noch mehr diskriminiert werden muss.

      Dass deine Präferenz ist, maskuline Männer zu treffen, ist vollkommen in Ordnung. Dumm sind aber solch diskriminierende und unreflektierten Begriffe. Du kannst mir andersrum nicht erzählen, dass du kein Problem damit hast schwul zu sein, wenn du stolz darauf bist, dass niemand dich für schwul hält. Ich habe weder mit maskulinen noch femininen Männern (ob Herero oder Homo) ein Problem. Ich lasse jeden sein wie er ist. Ich würde an deiner Stelle aber über die Wertung meiner Worte nachdenken.

      • ach ja und der ,,getroffene hund,,scheinst wohl ehe du sein ….kann man auch gut an deiner antwort lesen . die wahren diskrimierenden und intolleranten seit ihr nämlich selber , da ihr anscheinend ein problem damit habt das es eben auch schwule gibt die nicht so sind wie ihr , nicht weil sie es nicht sein möchten sondern weil sie einfach so sind . und das hat nun absolut nichts damit zu tun das diese ein problem mit ihrem schwulsein zu tun haben .

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