AFD-Stand auf schwulem Straßenfest – haben die noch alle?

(c) by blu-news.org (Quelle http://bit.ly/1lyO4AG)

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Was reitet eine Partei, die mit einer Spitzenkandidatin in den Europawahlkampf gezogen ist und immer wieder mit homophoben Äußerungen auffällt, einen Stand auf dem schwulen Straßenfest in Berlin aufzustellen? Eine berechtigte Frage. Doch genau das hat die eurokritische Partei am vergangenen Wochenende auf dem Berliner Motzstraßenfest getan. Eine breite Koalition aus allen demokratischen Parteien (von Linkspartei bis FDP) haben gegen die AFD protestiert.

War das ein geschickter Schachzug der Rechtspopulisten oder total ungeschickt? Jedenfalls wildert die AFD gerade auf breiter Front nach Wählerunterstützung und da ist der Partei um Parteichef Bernd Lucke anscheinend jedes Mittel recht. Zwar ist ein großer Teil der Mitglieder und ein noch größerer Teil der Wähler homophob, doch scheinen Lesben und Schwule in den Augen der Partei keine völlig abwegige Zielgruppe zu sein.

Warum nur? Liegt es eventuell daran, dass Lesben und Schwule zumeist gute Jobs haben, in großen Teilen eine akademische Ausbildung haben und zudem ein überdurchschnittliches Einkommen? Das wären jedenfalls alles Eigenschaften, die der Elitenpartei, wie sich die AFD gerne sieht, gut passen.

Doch nicht nur bei Lesben und Schwulen wird ein solcher Stand wahrgenommen

Die AFD versucht gerade mit allen Mitteln, Aufmerksamkeit zu bekommen und in allen Schichten Stimmen zu fangen. Eine Mini-Volkspartei nannte Lucke seine Partei am Abend der Europawahl. Mini sei in Anbetracht von zwei Millionen Stimmen unterstrichen, doch Lucke argumentierte, dass seine Partei in allen Wählerschichten Stimmen gefangen hat. Ob auch Schwule und Lesben dabei waren? Möglich. Doch auf einem schwulen Straßenfest nach Unterstützern zu suchen, ist eher unglücklich für eine Partei, die am rechten Rand den meisten Applaus findet.

Lesben und Schwule wollen mehrheitlich eins: Akzeptanz. Genau das ist von der rechtspopulistischen Partei nicht zu erwarten. Auch wenn einige Lesben und Schwule gewisse Positionen in der EU-Politik teilen, haben sie mehrheitlich kein Verständnis für Hompphobie und Stimmungmache gegen die Rechte von Lesben und Schwule. Aus diesen Gründen ist das Werben in der Community kein kluger Schachzug.

Ein Stand auf einem schwulen Straßenfest passt nicht wirklich in die politische Kommunikation der AFD und macht die Partei sowohl bei Lesben und Schwulen als auch beim homophoben Klientel unglaubwürdig. Die AFD muss sich entscheiden, an welcher Seite des politischen Spektrums sie Platz nehmen möchte: rechts Außen oder in der Mitte (bzw. liberal). Damit macht sich die AFD eher noch bei ihren eigentlichen Wählern unglaubwürdig. Denn man kann keine Ressentiments gegen Homo-Ehe, Bildungsplan in Baden-Württemberg etc. schüren und Solidarität auf einem schwul-lesbischen Straßenfest demonstrieren.

Daher hält sich meine Empörung in Grenzen: Ob Provokation oder ernstes Werben, das bleibt für mich ungeklärt. Die Partei bekommt zwar Aufmerksamkeit, aber nicht die richtige. Der Schuss ist für die AFD nach hinten losgegangen und das ist gut so.

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