Homo-Klischees (II): Haben auf Schwulenpartys wirklich alle auf der Tanzfläche Sex?

Meine Lieblingsparty aus der Heimat - Die Himbeerparty ( Quelle: http://on.fb.me/1oXuxcB)

Meine Lieblingsparty aus der Heimat – Die Himbeerparty ( Quelle: http://on.fb.me/1oXuxcB)

Vorurteile gegenüber Schwulen und was ist wirklich dran. Ich habe ja schon gelegentlich über das ein oder andere Vorurteil geschrieben, dass viele Menschen gegenüber Schwulen haben (Hier geht’s zum Artikel: „Wer ist denn bei euch die Frau in der Beziehung?“). Daraus möchte ich gerne eine Serie machen und über gängige Vorurteile sprechen und erklären, was tatsächlich dran ist.

Als erstes möchte ich mich einer Frage widmen, die ich schon häufiger so oder so ähnlich gehört habe: Sind Gay Partys alle ein großer Sündenpool, in dem alle Männer und Frauen wahllos miteinander Sex haben und Drogen nehmen? Diese Vorstellung scheint sich jedenfalls in einigen Köpfen hartnäckig zu halten. Diesen Eindruck bekam ich erst vor kurzem wieder, als ich mit einem Freund telefoniert hatte. Dieser erzählt mir von einer Bekannten (weiblich, heterosexuell), die genau diese Vorstellung von schwul-lesbischen Partys äußerte. Aus diesem Grund wolle sie ihn auch nicht dorthin begleiten.

Jetzt weiß ich nicht, auf welche Partys ihr so geht. In Berlin, Paris, London und Madrid (um nur einige Metropolen zu nennen) gibt es ob schwul oder hetero Partys, auf denen es richtig zur Sache geht. Man denke nur an das Berghain. Wobei sich um diesen Club auch mehr Mythen spinnen als reale Geschichten darin stattgefunden haben. Dennoch sind nicht alle Gay Partys mit besagtem Club vergleichbar. Ich habe noch keine wilden Orgien auf der Tanzfläche miterlebt oder wurde Zeuge eines exzessiven Drogenkonsums. Die meisten schwulen Partys laufen recht ähnlich ab wie heterosexuelle. Mal abgesehen davon, dass es eine deutliche Häufung von Lady Gaga, Britney Spears und Madonna am Musikmix gibt. Zügellos geht es jedenfalls nicht zu. Es wird aber auf den Partys geflirtet, getanzt und rumgemacht. Und ja – es gibt auch Männer, die die Klokabinen zweckentfremden. Doch sind mir schon häufiger heterosexuelle Pärchen aus einer Klokabine entgegengestolpert als schwule. Das ist zwar auch nur meine subjektive Wahrnehmung, aber ein solches Verhalten hat nichts mit Homosexualität zu tun. Wo viel Alkohol fließt, neigen Menschen dazu, sich etwas freizügiger und ungehemmter zu verhalten. Das führt dann bei Heteros wie Homos zu ungewöhnlichen Paarungsorten. Woher dieses Klischee kommt, kann ich mir nur schwer erklären. Man denke nur mal an das Oktoberfest, bei dem einige volltrunkene Heteropärchen nachts auf der Wiese Sex haben. Trotzdem würde keiner das Gerücht verbreiten, Lederhosen und Dirndl treiben anständige Menschen zu wilden Sexorgien.

Daher kann ich allen verängstigten, aber neugierigen heterosexuellen Männern und Frauen versichern, dass es auf Gaypartys gesitteter zugeht als befürchtet (oder erwartet). Ein heterosexueller Mann kann sich auch ganz unbesorgt über die Tanzfläche bewegen, ohne Angst haben zu müssen, dass er von gierigen Händen ausgezogen und vernascht wird. Es könnt aber passieren, dass er angeflirtet wird und das passiert dann ebenso subtil oder plump wie auf einer heterosexuellen Party. Wo wir wieder beim Thema Alkohol sind.

Auch beim Thema Drogen unterscheiden sich Gay Partys wenig von heterosexuellen Partys. Drogen gehören für manche Menschen leider zu einer Party dazu. Es gibt aber keine Häufung von Drogen auf schwulen Partys. Dazu hätte ich ganz gerne mal eine wissenschaftliche Studie gelesen und die dazugehörige Hypothese. Mein Eindruck war eher, dass die Bereitschaft steigt, sich mit Mittelchen in Partylaune zu versetzen, je größer die Stadt ist. Aber mit der sexuellen Orientierung hat das relativ wenig zu tun.

Genau diese Vorstellung schreckt viele Heterosexuelle ab, eine schwul-lesbische Party zu besuchen. Dabei können Schwule und Lesben einfach toll feiern. Was auch von vielen Lesben und Schwulen abfällig als „Szene“ bezeichnet wird sind die gleichen Klischees und Vorurtele, die auch viele Heterosexuelle gegenüber schwul-lesbischen Partys haben. Ich hatte, bevor ich selbst auf meiner ersten Party war, eine ähnlich naive Vorstellung davon. Mittlerweile hab ich schon etwas mehr Partyerfahrung in der schwulen Szene und kann jedem versichern, dass wir langweiliger sind als unser Ruf. Ich gehe auf Partys um zu tanzen und betäube mich (leider manchmal zu doll) nur mit Alkohol, die Toilette benutze ich für ihren angedachten Zweck und ich gehe in der Regel alleine nach Hause. Klingt langweilig, ist aber so.

Liege ich in euren Augen völlig falsch oder habt ihr ähnliche Erfahrungen auf Gaypartys gemacht? Oder lehnt ihr schwules Partyleben völlig ab? Dann würden mich eure Gründe interessieren.

Ich freu mich von euch zu lesen.

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6 Kommentare zu “Homo-Klischees (II): Haben auf Schwulenpartys wirklich alle auf der Tanzfläche Sex?

  1. Pingback: Schwul oder nicht schwul – Ist das die Frage? | Frisch gebloggt

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