Diese fünf Unternehmen haben sich in eine Homophobie-Debatte verstrickt

Immer mehr Unternehmen bekennen öffentlich ihre Sympathie für Lesben und Schwule und zeigen damit, dass Homosexualität zu offenen, toleranten Gesellschaften so selbstverständlich dazugehört wie Heterosexualität. Doch es gibt auch immer wieder Marken, die an tradierten Familienmustern festhalten und sich durch ihre Aussagen und Handlungen in eine Homophobie-Debatte verstricken. Mittlerweile hat sich die Wahrnehmung der Gesellschaft glücklicherweise dahingehend geändert, dass es eher zum Skandal wird, wenn sich Unternehmen offen gegen Homosexualität aussprechen.

Diese Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren in eine Homophobie-Debatte verstrickt:

1. Barilla

Ende 2013 sorgte Guido Barilla, Chef der gleichnamigen Nudelfirma, für einen Sturm der Entrüstung. Der Vorstandsvorsitzende eines der traditionsreichsten Unternehmen in Italiens sagte in einem Interview mit dem italienischen Sender Radio 24: “Die heilige Familie ist in unserer Firma ein fundamentaler Wert.” Soweit so gut. Doch dann tappte Barilla in die Falle des Interviewers. Denn  auf die Frage, ob er sich prinzipiell vorstellen könne, Werbespots mit einer homosexuellen Familie für seine Marke zu produzieren folgendes ungeschickte Statement abgab: „Wir werden keine Werbung mit Homosexuellen schalten, weil wir die traditionelle Familie unterstützen. Wenn Homosexuellen das nicht gefällt, können sie Pasta eines anderen Herstellers essen“.

Die PR-Strategen von Barilla versuchten zwar die Äußerungen ihres CEOs einzufangen, doch der Imageschaden hält bis heute an. Barilla ist zwar nicht wirklich ein homophobes Unternehmen, nichtsdestotrotz hat Barilla nicht verstanden, dass unsere Gesellschaften bunter und vielfältiger geworden sind.

2. Urban Outfitters

Urban Outfitters klingt modern und urban, ist aber ziemlich rückwärtsgewandt. In den USA löste das Unternehmen bisher schon viele Kontroversen aus. Mal wird dem Unternehmen Rassismus unterstellt, ein anderes Mal gerät die Tatsache, dass nur zwei Frauen in der Unternehmensführung arbeiten (eine davon die Frau des Firmengründers). 2008 spendete Richard Hayne, Präsident von  Urban Outfitters eine beträchtliche Summe an den republikanischen Kandidaten der Präsidentschaftsvorwahlen Rick Santorum. Santorum ist erzkonservativ und ein erbitterter Gegner von Rechten für Lesben und Schwulen. Natürlich bedeutet eine Parteispende noch nicht viel, dennoch ist sie ein Ausdruck einer politischen Überzeugung und eine Unterstützung einer Agenda einer bestimmten politischen Person. Anders als in Deutschland ist in den USA die Identifikation mit einzelnen Personen und deren Überzeugungen viel stärker.

Im gleichen Jahr nahm das Unternehmen zudem ein T-Shirt nach nur einer Woche aus dem Sortiment, das die Aufschrift trug “I support Same Sex Marriage”.

3. Exxon Mobil

Während überall in den USA Unternehmen Sozialleistungen und Mitarbeiterprivilegien auf schwule und lesbische Mitarbeiter auszuweiten, macht der texanische Ölkonzern Exxon Mobil eine Rolle rückwärts. Als 1999 Exxon seinen Konkurrenten Mobil übernahm, galten dort noch Antidiskriminierungsverordungen für homosexuelle Mitarbeiter sowie einige Benefits für gleichgeschlechtliche Paare. Doch diese Regelungen wurden von Exxon gekappt und nun gewährt das Unternehmen lesbischen und schwulen Mitarbeitern nur so viel Rechte, wie ihnen der Staat vorschreibt und das ist in den USA in der Regel nicht viel. Daher erhielt Exxon Mobil auch eine der schlechtesten Bewertung im Corporate Eqaulity Index, der die Situation von Lesben, Transgendern, Bisexuellen und Schwulen in amerikanischen Unternehmen bewertet. Exxon Mobil ist zudem das erste Unternehmen, das eine negative Bewertung auf dieser Skala erhalten hat.

4. Walmart

Auch wenn der amerikanische Supermarktriese in den letzten Jahren die Rechte für seine homo- und transsexuellen Mitarbeiter verbessert hat (trotzdem erreicht das Unternehmen gerade mal 40 von 100 möglichen Punkte in diesem Index), kann das Unternehmen auf eine lange Geschichte homophober Firmenentscheidungen zurückblicken. CEO Mike Duke unterzeichnete 2008 eine Petition gegen die gleichgeschlechtliche Ehe in Arkansas. Gerüchten zufolge soll Duke auch direkt gegen schwule Mitarbeiter vorgegangen sein. Angeblich zwang er einen Mitarbeite nach dessen Outing eine gelbe Weste zu tragen. Ungeachtet dieser unbestätigten Gerüchte ist Walmart ein Vertreter des alten Amerikas, der den Weg in die Moderne nicht geschafft hat. Die Expansion nach Deutschland ist auch gescheitert. Im Juli 2006 verkaufte das Unternehmen alle seiner Filialen an die Metro AG.

5. Mozilla

Hilfe, ist mein Browser homophob? Nicht der Browser, sondern lediglich der Kurzzeit-Chef Brendan Eich, der 2008 1.000 Dollar an eine Initiative gegen die gleichgeschlechtliche Ehe spendete. Kurz nach seiner Ernennung protestierten viele Mozilla-Mitarbeiter gegen dessen Ernennung. Kurz danach folgten Boykott-Aufrufe gegen den Browser-Betreiber. Mozilla zog nach nur zehn Tage die Reißleine und gab Eichs Rücktritt bekannt.

 

Das auffällig an den meisten Unternehmen ist, die in den vergangenen Jahren öffentlich wegen ihrer Homophobie angeprangert wurden ist, dass diese Debatte meistens von einzelnen Personen ausging. Wenn die Führung eines Unternehmens veralteten Gesellschaftsmustern nachgeht, wirkt sich das auf das ganze Unternehmen auf. Unbedachte Äußerungen wie die von Firmenchef Barilla oder eine Spende wie die von Eich haben Einfluss auf die Wahrnehmung eines ganzen Unternehmens. Wirklich „homophob“ sind die wenigstens Unternehmen. Selbst bei Walmart und Exxon Mobil ist es lediglich die Führungsspitze, die sich gegen den gesellschaftlichen Wandel wehrt und ihren Mitarbeitern die Privilegien verwehrt, die sie verdient haben.

Letztendlich schaden solche Führungspersonen ihren Unternehmen nur, denn der Makel „homophob“ haftet dem ganzen Unternehmen an und nicht nur der einzelnen Person.

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Ein Kommentar zu “Diese fünf Unternehmen haben sich in eine Homophobie-Debatte verstrickt

  1. Herr Barilla, sie sagten „Wir werden keine Werbung mit Homosexuellen schalten, weil wir die traditionelle Familie unterstützen. Wenn Homosexuellen das nicht gefällt, können sie Pasta eines anderen Herstellers essen“.
    Und ich sage: „Im ersten Moment ist mir das richtig schwer gefallen – aber dann doch zur Erkenntnis gekommen, dass es sogar noch bessere Nudelprodukte als die von Ihnen gibt.“

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