Ist die AFD homophob?

(c) by James Rea (Quelle: http://bit.ly/1n7FoB3)

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Eine etablierte Partei, rechts neben der CSU? Der Albtraum von Franz-Josef Strauß ist am 25. Mai 2014 wohl wahr geworden. Mit knapp 2 Millionen stimmen (ähnlich viele wie bei der Bundestagswahl) und knapp sieben Prozent ist die AFD in das erste Parlament eingezogen. Entgegen der Hoffnungen aller Unions-Politiker hat sich die eurokritische Partei nicht im innerparteilichen Streit selbst erledigt, sondern die eurokritische Stimmung in der Bevölkerung genutzt, um den Einzug nach Straßburg zu schaffen.

Hauptopfer der AFD sind enttäuschte Wähler von den Unionsparteien und der FDP. Doch nicht nur bei Euroskeptikern wirbt die AFD nach enttäuschten Wählern, sondern auch am gesellschaftlich rechten Rand. Dort wirbt die Partei um Bernd Lucke subtil bis offen um Zustimmung. Da darf das Thema Homosexualität natürlich nicht fehlen.

SpiegelOnline berichtet, dass sich Parteichef Lucke Anfang des Jahres über das Outing von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger wie folgt äußerte:

„Solche Beichten erforderten heutzutage doch keinen großen Mut mehr, dozierte VWL-Professor Lucke. Mutig wäre es gewesen, wenn der Sportler die ‚Verfallserscheinungen‘ von Ehe und Familie gegeißelt hätte, wenn er sich dazu bekannt hätte, dass diese Lebensformen ‚für unsere Gesellschaft konstitutiv sind‘.“

Natürlich ist eine solche Äußerung nicht offen homophob. Lucke wollte damit aber die Stimmung vieler latent bis offen homophober Wähler ansprechen, die von der etwas liberaleren Haltung der Union in dieser Frage enttäuscht sind. Denn was ein Coming-Out mit Bedrohung für die Ehe und Familie zu tun hat, bleibt bei diesem Statement offen. Genauso wie die Frage, was Diskriminierung für die Liebe zwischen zwei Frauen oder zwei Männern mit der Situation der Familien in Deutschland zu tun hat. Richtig. Absolut gar nichts! Nichtsdestotrotz blasen Lucke und viele andere Politiker aus der Führungsriege der Partei immer wieder in das gleiche Horn, um enttäuschte CDU/CSU-Wähler abzufangen, die den innerparteilichen Streit über eine Öffnung in dieser Frage, schon viel zu liberal finden.

 

Weitere Beispiele?

Die Alternative für Deutschland versucht immer wieder dieses Gefühl der Enttäuschung bei konservativen Wählern zu wecken und lässt dadurch keinen Zweifel aufkommen, wer in dieser Frage die klare konservative Position vertritt. Beispiele dafür gibt es genug. AFD-Politikerin Beatrix von Storch beschwerte sich kürzlich darüber, dass Homosexualität mittlerweile offen beworben würde. In Baden-Württemberg schloss sich die AFD dem Protest von FDP und CDU gegen den grün-roten Bildungsplan an. Von Umerziehung sprach die Parteispitze im Ländle. Bei der Basis kam die Botschaft an und dort erkennt man auch, welche Klientel sich nun um die neue Partei schart. Im Internet werden Schwule schon mal als pädophil beschimpft.

Ist die AFD gefährlich?

Die AFD sucht neben dem Euro nach Themen, um in weitere Parlamente einzuziehen, gerade jetzt, da sich die Eurokrise langsam entspannt. Angela Merkel die Union in vielen Bereichen in die Mitte gerückt hat, somit ist am rechten Rand ein großes Potential für eine Partei wie die AFD entstanden. s

Das gefährliche an der AFD ist, dass ihr Führungszirkel im Gegensatz zu anderen Stammtischpopulisten (z.B. Die Republikaner) deutlich geschickter Stimmung gegen Muslime, andere EU-Staaten und Homosexuelle machen. Die AFD verteidigt sich immer mit einem Übermaß an politcal Correctness in unserer Gesellschaft, die es den Bürgern verbietet laut über unbequeme Wahrheiten zu sprechen. Die AFD macht sich zum Anwalt dieser „armen Menschen“. Es gibt wohl einen Satz, der Politiker der AFD am besten beschreibt: „Das muss man doch mal sagen dürfen“. Damit finden die Rechtspopulisten Gehör an den Stammtischen der Republik, da sie laut aussprechen, was insgeheim noch viele denken. Gefährlich ist auch der Umgang der Union mit der neuen Partei. Einige konservative Unionspolitiker schließen ein Bündnis mit der AFD nicht mehr aus, was einem gesellschaftlichem Rückschritt gleich käme.

Die unbequemen Wahrheiten der AFD sind nämlich nichts anderes als verkürzte Realitäten, die die Ängste von Kleinbürgern ansprechen, die fürchten andere EU-Staaten könnten ihnen etwas wegnehmen oder durch Homosexuelle würde die Gesellschaft gefährlich abdriften. Das darf sich niemals

In meinen Augen ist die AFD eine brandgefährliche Partei von Rechtspopulisten, die Stimmung gegen alles machen, was nicht in ihr Gesellschaftsbild passt. Ich kann nur hoffen, dass sich in kommenden Wahlen die Ergebnisse der AFD nicht bestätigen werden. Meine Befürchtung ist nämlich auch die, dass sich dadurch die Union wieder zurück an den rechten Rand bewegen könnte, um der AFD das Wasser abzugraben. Das zeigt auch die aktuelle Diskussion, ob sie die AFD als potentiellen Koalitionspartner in Betracht ziehen sollen oder nicht. Eine solche Entwicklung wäre bei der Union sehr schade und würde uns um Jahre zurückwerfen. Denn auch wenn es im Moment noch nicht in Gesetzen erkennbar ist, hat sich der Ton der Union in der Frage der Gleichstellung von Homosexuellen gebessert. Eine Rückkehr zu alten Polemiken würde keinem helfen.

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