CSD in Köln: Mein Highlight im schwulen Partykalender

Motto des CSD Köln 2014

Motto des CSD Köln 2014

Der CSD ist auch bei Lesben und Schwulen eine kontroverse Veranstaltung. Zu wenig Politik, zu viel Fetisch und nackte Haut. An der Kritik mag viel Wahres dran sein, aber für mich bleibt der CSD eine Pflichtveranstaltung in meinem Veranstaltungskalender. Nicht nur wegen der Partys (das gehört einfach dazu), sondern auch wegen seiner gesellschaftlichen Bedeutung.

Für mich als ex-Pfälzer ist die Wahl welcher CSD der wichtigste ist – Berlin oder Köln – nicht schwer zu beantworten. Der Kölner versteht es einfach besser, rheinischen Frohsinn zu verbreiten und die Veranstalter konnten sich im Gegensatz zu Berlin auf eine Parade einigen. Demnach ist der Kölner Christopher Street Day auch in diesem Jahr mein klarer Favorit. Dabei besinnt sich der Kölner auf das was er am besten kann – Karneval. Unter dem Motto „Wir sind ‚nur‘ der rosa Karneval“ demonstrieren die Veranstalter der ColognePride 2014 für Vielfalt.

Auch wenn Karneval drauf steht, steckt doch einiges an Gesellschaftskritik im diesjährigen Motto der Cologne Pride. Denn ungeachtet der immer noch existierenden strukturellen Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Intersexuellen thematisiert der diesjährige CSD das Thema „Neo-Homophobie“. Unter dem Begriff verstehen die Initiatoren solche Homophoben, die  unter dem Vorwand von „persönlichen Ansichten“  und „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ sexuellen Minderheiten rechtliche und  gesellschaftliche Gleichstellung absprechen wollen. Mit anderen Worten könnte man so die Mitglieder und Wähler der AFD bezeichnen. Dazu habe ich bereits meine Meinung geschrieben.

Die Motto-Kampagne 2014 bedient sich dabei laut den Veranstaltern der „ur-kölschen Utopie des Karnevals, in dem seit jeher bestehende Verhältnisse auf den Kopf gestellt, soziale Schranken aufgehoben und Geschlechterrollen außer Kraft gesetzt werden.“

Am kommenden Sonntag werden daher wieder Tausende Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuell durch die Straßen Kölns ziehen und für gleiche Rechte und gegen Diskriminierung und Homophobie kämpfen.

Ich würde mich freuen, einige von euch auf dem CSD zu sehen. Ob in Lederanzug oder Krawatte ist dabei euch überlassen. Ich finde, dass an einem solchen Wochenende alles erlaubt ist J

Freitagabend werde ich mir die diesjährige Aids-Gala anschauen und am Sonntag mit Freunden auf dem Wagen des Koblenzer Vogue Clubs mitfahren (als Ausdruck alter Verbundenheit zu Rheinland-Pfalz). Dazwischen werde ich sicher auf dem Straßenfest und bei einigen politischen Parteien zu finden sein.

Auf Facebook und hier im Blog gibt es natürlich vieles zu sehen. Wer ist dabei?

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Bitte heterolike

Manche Worte oder manche Phrasen werden von vielen Menschen einfach übernommen ohne den Sinn dahinter zu reflektieren. Auf GayRomeo oder auch andere schwulen Dating-Plattformen hat sich ein gewisser Jargon herausgebildet, der einige Stilblüten zu Tage gefördert hat, die sich bei allen Usern verbreiten. Da ist die Rede von „pics“, „Face“ und sämtlichen Abkürzungen, die man sich vorstellen kann.

Eine besonders unsinnige Stilblüte ist aber der Begriff „heterolike“, im Englischen ist es „straight acting“. Er beschreibt ungefähr eine sehr männliche Verhaltensweise, bei der man nicht auf den ersten Blick auf den Gedanken kommt, dass die Person schwul sein könnte. Das Gegenteil davon wird gerne abwertend als „tuckig“ bezeichnet.

Warum ich heterolike so dumm finde ist die Motivation die dahinter steckt. Auf diesen Plattformen sind alle (mal abgesehen von den „Neugierigen“ oder den „versehentlich angemeldete“) schwul, bi- Oder transsexuell. Wir stehen also alle auf Männer, sonst wären wir wohl nicht auf der Plattform angemeldet. Trotzdem haben manche ein Problem mit ihrer Sexualität bzw. mit der Tatsache, dass man ihnen diese anmerken könne. Wer möchte denn „wie etwas sein“? Die billige hetero-Fälschung aus Fernost etwa. Aus dem Wort „heterolike“ spricht eine gewisse Verachtung gegenüber dem eigenen Schwulsein und zudem eine Unsicherheit, dass dieses erkannt werden könnte. Das ist peinlich und eine Diskriminierung für uns selbst.

Natürlich sind die Geschmäcker verschieden genauso wie wir alle unterschiedlich sind. Es gibt daher schwule wie auch heterosexuelle Männer, die femininer als andere sind. Wie nennt man eigentlich heterosexuelle Männer, die femininer sind? Homolike? Ihr merkt daran, wie schwachsinnig diese Begriffe sind.

Zum Thema Männlichkeit habe ich schon einiges geschrieben. Es kommt immer darauf an, wie wir Männlichkeit verstehen. Daher steckt für mich eine große Portion Angst hinter dem Begriff heterolike. Die Ablehnung von weiblicheren Schwulen von anderen Schwulen ist in meinen Augen auch eine Form von Homophobie. Das mag paradox klingen, doch der Begriff heterolike ist noch viel paradoxer.

Doch was ist eigentlich Männlichkeit und wann ist diese eigentlich bedroht? Ist es das Aussehen oder der Habitus, der einen Mann „männlicher“ macht als den anderen? Ich mag vielleicht Mariah Carey hören und bei Filmen schon mal weinen, dennoch ist meine äußere Erscheinung ziemlich männlich (das behaupte ich zumindest). Meine Männlichkeit ist dadurch nicht bedroht. Auch nicht dadurch, dass einige Freundinnen behaupten, man könne beim Lachen, Tanzen oder auf der Flucht vor Wespen die sexuelle Orientierung erkennen. Ich fühle mich trotzdem männlich, homosexuell männlich.

Auch wir Schwulen sollten etwas mehr Toleranz für Männer aufbringen, die ihre weibliche Seite mehr pflegen. Genauso wie Männer, die besonders stark ihre männlichen Eigenschaften herausstellen. Vor allem aber sollten wir mit solchen Etiketten wie „tuckig“ oder „heterolike“ vorsichtig sein. Denn diese sind verletzend und unreflektiert.