Warum Online-Dating nichts bringt

Gayromeo

Ich wollte mir mit diesem Artikel aber ein bisschen en Frust von der Seele schreiben. Ich bin genervt von der Daterei im World Wide Web. Seit ich 18 Jahre alt bin habe ich ein Profil bei GayRomeo, andere Webseiten hatten für mich nie den Reiz, da sie nicht die Reichweite von GayRomeo hatten. Seit ein paar Jahren existiere ich auch auf Grindr. Doch mittlerweile ist der Frust über die Online-Partnersuche grenzenlos. Schnellen Sex, endlose, sinnlose Chats und ab und mal ein Kaffee-Date – mehr bringen beide Plattformen nicht.

Doch warum kommt beim Online- so wenig rum? Ich glaube, dass es vor allem an der unnatürlichen Kommunikationssituation liegt. In der Regel findet man ein paar nette Fotos und eine Reihe von Köper- und Interessendaten (wobei ich behaupte, dass sich die wenigstens dafür interessieren, ob jemand Volleyball spielt) und schließt dann trotzdem auf den Menschen dahinter.

Mehr bekommt man von dem Gegenüber nicht mit. Im Schlimmsten Fall (und da kann ich von einigen berichten) stimmen Bilder und reale Person äußerlich gar nicht überein, weil die betreffende Person zufällig vergessen hat, in den letzten 15 Jahren die Bilder auszutauschen oder weil in Zeiten von Google-Bildersuche oder Photoshop jeder attraktiv aussehen kann. Ich frage mich dabei immer nach den Beweggründen der Männer, die mit völlig unzutreffenden Bildern auf Partnersuche gehen.

Aber auch wenn das Aussehen stimmt und die wichtigsten Rahmenbedingungen abgecheckt wurden – er mag Katzen, hat einen tollen Job und interessiert sich für Politik und Reisen – kann das erste Aufeinandertreffen trotzdem schief gehen. Ich neige ja dazu, dass ich mir im Laufe eines Chats schon diverse Dinge ausmale, seinen Habitus vor Augen habe und teilweise auch schon die Art, wie er spricht. Das erste Aufeinandertreffen ist immer der Untergang der eigenen Illusionen über die andere Person. Diese Enttäuschung ist in vielen Fällen schwer wieder weg zu machen.

Zudem habe ich festgestellt, dass die Flüchtigkeit durch Online-Dating enorm geworden ist. Vor allem seit durch Grindr und Co. das Angebot schier endlos wirkt. Es scheint nicht nur möglich einen Partner zu finden, es scheint möglich den perfekten Partner zu finden. So schreiben viele parallel mit mehreren Menschen, machen sich im Kopf eine Prioritätenliste (Wenn der will, schieß ich den ab, im Notfall nehm‘ ich dann den). Dummerweise trifft das Gegenüber eine ähnliche Priorisierung und am Ende gehen alle leer aus.

Zudem denken wir nur noch in Kategorien. Manchmal ertappe ich mich selbst, wie ich Menschen durch mein GayRomeo-Raster fallen lassen, weil sie zu alt, zu klein oder die falschen Angaben gemacht haben. Der scheinbare Vorteil, den das Daten über GayRomeo bringt kann sich schnell in einen Nachteil verwandeln. Denn es könnte ja sein, dass auch wenn dieser Mann etwas kleiner oder jünger ist als ich mir den perfekten Mann vorgestellt habe, er doch der perfekte Treffer sein könnte.

Wie kann man sich also vor Enttäuschungen schützen? Vielleicht sollte ich vor einem Treffen auch mit der Person telefonieren, noch besser wäre ja ein kurzer Skype-Chat. Denn die Art wie ein Mann spricht, wie er lacht und wie er sich so gibt, sind mir unglaublich wichtig. Doch irgendwie verleite mich dieses Medium (Internet), weil es so unmittelbar erscheint, einen lästigen Video-Chat oder ein Telefonat zu übergehen. Die Liste der Enttäuschungen ist daher lang.

Noch besser wäre es natürlich mal endlich den Mut zusammenzunehmen und in der nächsten Bar, im Fitnessstudio oder auf der Arbeit den hübschen Kerl anzusprechen – so wie es Heterosexuelle auch machen. Aber dafür bin ich wahrscheinlich ein bisschen zu feige.

Bei allem Frust stellt sich natürlich die Frage: Warum lösche ich mein Profil denn nicht einfach?  Eine gute Frage auf die ich selbst keine wirklich befriedigende Antwort finde. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und damit logge ich mich hier aus und bei GayRomeo wieder ein.

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3 Kommentare zu “Warum Online-Dating nichts bringt

  1. *lach* so ist es eben im Netz. Da kann man ’so tun als ob‘ und wenn es real wird, muss man die Hosen runterlassen. Aber Du hast recht: Die Erwartungshaltung an den anderen ist so gestiegen, dass das kaum mehr erfüllbar ist – der Frust ist also vorprogrammiert.
    Ich kenn übrigens nur zwei Paare, die sich über GR gefunden haben.

  2. Ich bin auf deinen Bericht über die Dating-Börsen (ich nenne sie Sex-Portale) gespannt, wenn du mal über 40 bist… Momentan lebst du virtuell in deinem Alter in paradiesischen Umständen…

  3. Ich weiß der Artikel ist schon etwas älter aber ich würde dieses Thema nicht ganz so pessimistisch sehen, insbesondere dann wenn man im Ausland nach seinem partner sucht. Dann hat man ja sonst niemals die Chance jemanden kennenzulernen. Ich etwa suche einen Partner aus Lateinamerika! Wie soll das in Deutschland klappen? LG Elsa

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