Brauchen wir einen internationalen Aktionstag gegen Homophobie?

Heute, am 17. Mai, findet weltweit der Aktionstag gegen Homophobie statt. An diesem Tag soll weltweit ein Zeichen gegen Hass, Gewalt Ausgrenzung und Vorurteilen gegenüber Lesben, Schwulen, Trans- und Bisexuellen gesetzt werden. Der 17. Mai ist für die LGBT Bewegung ein wichtiges Datum. Dazu schreibt die Wikipedia, dass am 17. Mai 1990  die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschloss Homosexualität von ihrer Diagnoseliste für psychische Krankheiten zu nehmen. In Deutschland weist das Datum 17.5. zudem Parallelen zum Paragrafen 175 des Strafgesetzbuches auf, der Homosexualität (bis 1969) unter Strafe stellte. Spöttisch wird dieser Tag daher seit jeher als „Feiertag der Schwulen“ bezeichnet.

Für mich stellt sich jedoch die Frage nach dem Sinn und Zweck solcher Aktionstage. Generell halte ich nicht viel von künstlich in den Kalender gelegten Tagen, gilt übrigens auch für den Muttertag oder den Valentinstag. Aber anscheinend brauchen Menschen feste Termine im Kalender, die sie daran erinnern, wieder an ihr Mutter zu denken oder dem oder der Liebsten mal wieder eine kleine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Der Rest des Jahres plätschert dann gedankenlos vor sich hin. Heute bekommen Lesben, Schwule, Trans- und Bisexuelle einen Randnotiz in den Tageszeitungen weltweit, eventuell wird auch die Tagesschau über gewisse Kundgebungen berichten, wie diese in Berlin. Die westliche Öffentlichkeit wird sich an diesem Tag feiern und loben, wie ernst sie das Thema Homophobie nehmen und Solidaritätsbekundungen in die Community schicken. Doch am 18. Mai ist diese Aufmerksamkeit schon wieder vergessen.

Danach möchten die Entscheider dieser Welt nach Möglichkeit mit diesem Thema in Ruhe gelassen werden, denn die Pressemitteilung für den internationalen Kindertag am 1. Juni liegt schon oben auf den Schreibtischen (Eine Liste aller Aktionstage findet sich hier bei Wikipedia). Für mich kommt es nicht auf leere Worthülsen an Tagen wie heute an, sondern auf die Taten zwischen dem 17. Mai 2014 und dem 17. Mai 2015. In 365 Tagen können wir national wie international genug gegen Homophobie machen:

Wir können alleine hier in Deutschland aufhören Lesben und Schwule gesondert zu behandeln und eingetragene Partnerschaften mit der Ehe gleichstellen. Wir können uns vehementer gegen die noch immer schwelende Homophobie in unserer Gesellschaft stellen, die Demonstrationen gegen Toleranz in der Schule anzetteln oder Proteste gegen die Teilnahme einer bärtigen Travestiekünstlerin vom Zaun brechen. Wir könnten uns damit beschäftigen, dass Homosexualität in einigen Bereichen der Gesellschaft, wie beim Fußball oder den Chef-Etagen großer Wirtschaftskonzerne immer noch nicht denkbar ist. Damit habe ich gerade einmal die schwerwiegendsten Problem hierzulande thematisiert.

Weltweit ist Homophobie ein schwerwiegendes Thema. Alleine im letzten Jahr haben mehrere Länder ihre Gesetzgebung gegen Homosexualität verschärft. Allen voran in afrikanischen Ländern, wie Uganda, gibt es eine regelrechte Hatz gegen Homosexuelle. Es wurden Listen von Schwulenaktivisten herausgegeben, die diese quasi zum Abschuss freigaben. Auch in Russland ist die Regierung unter Wladimir Putin im vergangenen Jahr vehement gegen Homosexuelle vorgegangen. Putin unterzeichnete ein Gesetz zum “Schutz der Jugendlichen vor der Darstellungen nicht-traditioneller sexueller Orientierungen”, das jede Form von homosexuellen Verhaltens oder jede positive Äußerung über Homosexualität verbietet.

Nicht nur die Regierungen in der Welt auch in vielen Gesellschaften ist Homophobie weit verbreitet. Zumeist wird diese Homophobie genährt von Vorurteilen oder religiösem Fanatismus. Die Zahl der Menschen, die negativ gegenüber Homosexualität eingestellt ist überwiegt weltweit gesehen leider immer noch.

Es ist gut, dass es Tage gibt, an denen wir diese Missstände gedenken. Doch ein Tag alleine reicht nicht aus, auf diese Probleme aufmerksam zu machen. Das Thema darf nicht ab morgen wieder in den Schubladen verschwinden, um im nächsten Jahr wieder mit der gleichen Show abgefeiert werden.

Was haltet ihr von solchen Aktionstagen? Wie wichtig sind diese Tage für die Botschaft, die sie transportieren?

 

Mehr zum Thema Homophobie gibt es hier:

 

Homophobie allgemein

Danke liebe Katholiken! Jesus würde sich für euch schämen!

So schwul ist Schule! Meine Erfahrungen mit Homophobie

Warum die Anti-Homophobie-Debatte wichtig ist!

 

Homophobie in Deutschland

Bildungsplan in Baden-Württemberg: Kein Einknicken in Sicht

Homophobie kommt von Unwissen – Was die CDU nicht versteht.

Warum die Homophobie Debatte aktueller ist denn je

Lehmanns Umkleidekabinen-Fantasien

Online-Petition gegen Vielfalt im Unterricht: Müssen wir das akzeptieren?

Matussek, die Welt und das selbst gebrochene Tabu

Antwort auf Norbert Blüm. Um Wohlgefallen darf es nicht gehen !

 

Homophobie in Medien

 Discavo-Debatte: Wo fängt eigentlich Homophobie an?

Maischberger-Talk: Viel Lärm um nichts oder Aufreger?

Der Waldschlösschen-Appell gegen Homopobie

 

Homophobie in Russland

Sotschi? Nein danke! Oder doch nicht?

Was Sotschi Schwulen und Lesben in Russland bringen kann

Schadet die Homophobie-Debatte um Sotschi den Olympia-Sponsoren?

Bundespräsident sagt nein zu Sotschi. Respekt, Herr Gauck!

 

Homophobie Global

Das sind die homophobsten Länder Europas

ESC 2014 – Hass gegen Travestiestar Conchita Wurst

 

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