Homo-Klischees: Wer ist bei euch eigentlich die Frau in der Beziehung?

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Ich weiß nicht, woher diese Vorstellung kommt, dass es in homosexuellen Partnerschaften immer einen männlichen und einen weiblichen Part geben muss. Aber die Frage, wer denn in der Beziehung die Frau sei und wer den Mann, habe ich jedenfalls schon oft gestellt bekommen. Ich will mich darüber gar nicht ärgern, denn die Vorstellung, dass eine Beziehung aus einem Mann und einer Frau bestehen muss, ist seit Jahrhunderten anerzogen und daher nur schwer aus den Köpfen zu bekommen. Dennoch ist die Vorstellung, dass in Beziehungen zwischen zwei Männern oder zwei Frauen der eine Partner die andere Geschlechterrolle einnehmen muss, nicht zutreffend.

Was viele heterosexuelle Männer und Frauen mit Geschlechterrollen verwechseln sind klassische Beziehungsaufgaben, die über Jahrhunderten bestimmten Geschlechtern zugeordnet waren. Mittlerweile brechen diese Rollenmuster auf. Früher war der Mann für die soziale Absicherung der Familie alleine zuständig, hat sich zumeist um die Finanzen gekümmert und bot Frau und Kindern auch körperlichen Schutz. Frauen waren für den Haushalt, die Erziehung der Kinder und die generelle Fürsorge der Familie zuständig. Klingt ziemlich altertümlich. Ist es auch.

Denn diese klassischen Rollenbilder sind auch für heterosexuelle Partnerschaften vollkommen überkommen. Frauen arbeiten, Männer gehen in Elternzeit und der Haushalt wird gemeinsam erledigt. Es gibt keine klassischen Männer- und Frauenaufgaben mehr. Eine Frau, die die Familie mit Geld versorgt ist kein Mann und ein Mann, der sich um seine Kinder kümmert, ist noch lange keine Frau.

Es gibt generelle Aufgaben, die in einer Beziehung ins Gleichgewicht gebracht werden müssen. Entweder sind diese Aufgaben ausgeglichen oder das Pendel schlägt mehr in die eine oder in die andere Richtung aus. So gibt es einige Partnerschaften, in denen Partner fürsorglicher als der andere. In anderen Partnerschaften gibt es einen Part, der alle maßgeblichen Entscheidungen in die Hand nimmt. Diese Eigenschaft werden in Teilen noch als männlich oder weiblich wahrgenommen, sind aber eher vom Charakter abhängig.

Sowohl in homosexuellen als auch in heterosexuellen Partnerschaften sind diese Eigenschaften verteilt. Ich kann mir diese Frage eigentlich auch nur erklären, da manche schwule Männer weiblicher erscheinen als andere. Nichtsdestotrotz sind auch weiblicher erscheinende Schwule keine Frauen. Auch wenn von außen betrachtet der eine Partner innerhalb einer Beziehung weiblicher erscheint und der andere männlicher, gibt es in homosexuellen Partnerschaften keinen Partner, der die Rolle des anderen Geschlechts übernimmt. Letztlich sollte man in der Gesellschaft klassische Rollenvorstellungen überdenken, was weiblich und was männlich ist. Denn homosexuelle Beziehungen bestehen in erster Linie zwischen zwei Frauen oder zwei Männern. Die Wahrnehmung bei Heterosexuellen kommt meines Erachtens aus den oben beschriebenen Rollenklischees, die erst nach und nach abgebaut werden.

Wie seht ihr das? Gibt es in homosexuellen Partnerschaften immer einen Partner, der die Rolle des anderen Geschlechts übernimmt? Woher glaubt ihr, dass diese Vorstellung kommt?

Ich bin auf eure Meinungen gespannt.

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6 Kommentare zu “Homo-Klischees: Wer ist bei euch eigentlich die Frau in der Beziehung?

  1. Guter Beitrag! Ich habe kürzlich noch von einer Freundin genau diese Frage gehört und wollte auch einen Beitrag darüber verfassen.

    Ich stimme dir auch voll zu, meiner Meinung ist die Vorstellung es gäbe immer einen männlichen und einen weiblichen Part, auch in homosexuellen Partnerschaften , auf den jahrhundertelangen Standard zurückzuführen. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und lässt dann erstmal von seinen eingemeißelten Einstellungen nicht so schnell ab.
    Ein weiterer Aspekt ist wahrscheinlich auch, dass man wenn man zwei Männer auf der Straße trifft und einer von beiden weibliche Züge gar, zB „schwul spricht“, direkt zu der Konklusion gesprungen wird, dass es sich um ein homosexuelles Paar handeln muss, wohingegen wenn ein tatsächlich schwules Paar durch die Gegend läuft ohne jetzt offen ihre Zuneigung zu zeigen (durch Küsse oder Händchenhalten) es sich auch einfach nur um „Kumpel“ handeln kann. Dadurch entsteht natürlich ein verzerrtes Bild, weil man so fast immer nur die Paarung männlicher + weiblicher Eigenschaften sieht.
    Ein letzter Punkt für mich ist auch mal wieder die Darstellung von Homosexualität in den Medien. In vielen Filmen und Serien kommen homosexuelle Paare vor, aber grade in Sitcoms zB werden Lesben häufig in der Paarung enorm weiblich / butch-Typ mit tiefer Stimme und Schwule sehr feminin mit nasal-hoher Stimme, die in lila Polos durch die Gegend schweben. Kein Wunder also, dass diese Vorstellung fest in den Köpfen der Menschen verankert ist.

      • Wir sind hier ja im Internet ;) Da sollte sich jeder um seine eigene Rechtschreibung kümmern. Bin auch immer um Lektoren dankbar^^

        Aber ich finde es schlimm genug, dass weiblichere Verhaltenszüge ausreichen, jemandem die Männlichkeit abzusprechen (bei Lesben genau umgekehrt). Wie ich im Artikel bereits gesagt habe: Für mich gibt es in jeder Beziehung eine gewisse Aufgabenteilung.

      • Das kann ich so unterschreiben – richtig ist das auf keinen Fall.
        Ich denke dass wirklich jeder unabhängig von der sexuellen Orientierung auch in gewissem Maße männliche oder weibliche Züge hat. Meine Schwester zb ist der absolute Fußballfan und kennt sich unglaublich gut damit aus, Eigenschaften die man eher Männern zuschreibt; ich interessiere mich im Gegensatz dazu für Mode, Ernährung und einige andere Dinge die vllt eher Frauen zugesprochen werden. Ich finde aber dass das eher etwas positives ist wenn man dadurch auch eine gewisse Empathie entwickelt und so charakterlich wächst.
        Das zu oder absprechen von Männlich- oder Weiblichkeit ist also für mich in sofern überflüssig, als dass jeder das eine oder andere charakteristikum erfüllt was nicht unbedingt in die typischen Kategorien männlich/weiblich passt – ob er es sich das eingesteht oder nicht ist die andere frage ;)

  2. Wirklich interessant. Meistens wollen die Heten wissen, wie sich die Rollenaufteilung gestaltet. Mit harmlosem geht es los, wer bei ‚uns kocht …… was sie wissen wollen ist aber wer ist top und wer bottom. Ich denke Schubladen erleichtern das LEben, leider. Andererseits ist so ein grundsätzliches Interesse nicht schlecht und kann ein Einstieg ins Thema sein.

  3. ja, schubladen denken. viele hetenpaare können es sich (leider) nicht vorstellen, dass es in einer beziehung gleichberechtigung gibt. hin und werde ich das auch gefragt, wie das bei uns ist. dann lade ich die leute ein, dass sie sehen können, dass wir beide in der küchen sehen, dass wir beide tischdecken können usw. mein freund und ich haben schon immer darauf geachtet dass jeder alles kann. ob kochen oder waschen oder einkaufen oder abwaschen oder putzen oder was auch immer … ob er oder ich es tue ist oft eine frage der zeit oder der lust und laune. ich und er wollte unabhängig bleiben und nicht ggf. irgendwann nach jahren dastehen, weil sich der andere getrennt hat oder gestorben ist, und nicht wissen wie man die wäsche macht.
    und es ist den heten schwer vermittelbar, dass das auch für das bett gilt – nun gut, das ist ihnen jetzt nicht zu verdenken.

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