Grindr mich, wenn du kannst

Grindrt mich, wenn ihr mich findet ;)

Grindrt mich, wenn ihr mich findet ;)

Wer hätte es vor ein paar Jahren für möglich gehalten, dass wir freiwillig völlig unbekannten Menschen unseren Standpunkt mitteilen? Dass wir uns mit wenig Mühe für andere lokalisieren lassen und dies tun ohne eine schlechtes Gefühl zu haben.

Eine der häufigsten Handbewegungen, wenn ein Schwuler an einen neuen Ort kommt, ist der Blick in die Smartphone App Grindr. Die Information, welche Gays in meiner Umgebung sind ist für viele eine der wichtigsten Zeitvertreibe geworden. Bis dahin waren die Vorteile des realen Datings und Flirtens in der Bar der, dass es unmittelbar war. Online war man zwar mutiger – da man sich im Schutz der Anonymität fühlte – doch dann war der Typ auch noch räumlich so weit weg.

Grindr verbindet nun scheinbar beides: Unmittelbarkeit und Anonymität. Es ist erschreckend schnell herauszufinden, ob im unmittelbaren Umfeld jemand datingbereit ist. Grindr hat die Art der Kommunikation vollkommen verändert. Die Profile bieten viel weniger Informationen, es lässt sich nur ein Bild hochladen und die Nutzer können nur per Textnachricht kommunizieren. Eine Vielzahl an Informationen werden von so gut wie keinem Nutzer verwendet wie die Integration von Sozialen Netzwerken. Das ist auch wenig verwunderlich, denn die Weiterleitung führt über einen Browser zu einer webbasiierten Version der Kanäle und nicht in die jeweilige App rein. Das macht diese Funktion ehre nutzlos.

Dafür ist die Art der Nachrichten direkter geworden. Manche Nutzer machen sich nicht einmal die Mühe in ganzen Sätzen zu schreiben. Manchmal reicht ein Substantiv bzw. ein Verb, um das Interesse kund zu tun. Es in meinen Augen auch noch mehr dazugeführt, dass die kommunikativen Sitten verroht sind. Die Wenigsten antworten in zusammenhängenden Sätze, meisten wird nur nach „Pix“ gefragt. Dazu erlischt das Interesse bei Grindr schneller als ein Streichholz und dann werden Nutzer schon  mal mitten in der Unterhaltung geblockt oder es gibt aus unerfindlichen Gründen keine Antwort mehr. Das frustriert manchmal, ist aber der Schnelllebigkeit dieser App geschuldet. Der erhobene Zeigefinger führt da zu gar nichts. Ich habe gelernt, mich in solchen Fällen in Gelassenheit zu üben. Denn auch wenn wir alle uns über diese App und ihre Wettberber „Scruff“, „Hornet“ und wie sie nicht heißen ärgern, wir nutzen sie doch zu einem großen Teil.

Ich nutze Grindr mittlerweile seit ein paar Jahren und wie mit allen Plattformen ist es auch bei Grindr gleich: Die Plattform bietet nur die Möglichkeiten. Was wir daraus machen, bleibt uns überlassen. Wer das schnelle Date mit Sex sucht, wird das über Grindr am schnellsten finden, zumindest wenn er in einem urbanen Gebiet wohnt (Eifel bleibt leide Eifel). Letztlich ist das auch nichts Verwerfliches. Eine ernsthaftes Date mit der Option auf mehr zu finden ist zwar schwierig, aber nicht unmöglich. Manchmal ist Grindr einfach nur der einfachst Weg, zu der Person in der Nähe Kontakt aufzunehmen. Wenn man sich dann trifft, lernt man die Person auch persönlich kennen. Ich habe viele nette Menschen über Grindr kennen gelernt, zu denen ich immer noch Kontakt habe. Für mich ist Grindr auch ein bisschen Werbung für meine Social Channels (Wer diese noch nicht abonniert hat, findet mich hier auf Twitter, Facebook und Instagram – Ausreden unerwünscht). Daher ist meine Anonymität eher beschränkt. Generell hängt der Grad der Anonymität stark davon ab, was man alles in sein Profil hineinschreibt. Auch wenig Text lässt einigen Spielraum zu verraten, wer man ist und was man mit dieser App erreichen möchte.

Zusammengefasst erscheint Grindr als die leichte und unkomplizierte Art, Männer kennen zu lernen und doch hat es das Online-Dating nicht einfacher gemacht. Klingt beim ersten Lesen etwas paradox, ist es aber nicht. Die Überflutung mit Möglichkeiten führt anscheinend dazu, dass wir immer nach etwas noch besserem, unmittelbarerem ausschau halten. Wir sind alle etwas ungeduldiger geworden und unser Interesse ist noch flüchtiger geworden als es sowieso schon war. Grindr macht es manchmal schwer, nach Verbindlichkeiten zu suchen, da das Unverbindliche so einfach zu bekommen ist. Die Ungeduld nach neuen Menschen, die plötzlich im Online-Radius des eigenen Profils aufpoppen können hat schwules Dating nachhaltig verändert.

Wie seht ihr Grindr? Nutzt ihr die App überhaupt und ist sie für euch mehr Fluch oder Segen?

 

 

 

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2 Kommentare zu “Grindr mich, wenn du kannst

  1. Hallo :)

    Ich bin auch Grindr-Nutzer, allerdings auch eher nur aus Neugierde und zum Zeitvertreib. Wenn man im Hörsaal in der Uni Langeweile hat, mal eben aufs Handy gucken und … ach sieh da, der Typ zwei Reihen vor mir ist schwul. „Wie klein die Welt doch ist!“
    Die Möglichkeiten die diese „Radar-Suchen“ mit sich bringen, sind schon wesentlich besser, als bei klassischen Dating-Portalen, aber man muss es auch so nutzen wie es gedacht ist. Ich bin z.B. echt kein großer Freund von langen Chatgesprächen, ich brauch immer die unmittelbare Erfahrung und möchte mich deshalb recht schnell mit den Leuten treffen. Dafür ist Grindr dann schon prädestiniert ;D
    ABER so schön das auch alles klingen mag, ist die Mehrzahl der User nur auf schnelle Nummern aus und das hohe Maß an Promiskuität schreckt mich dann doch ab auf solchen Portalen nach „dem Einen“ zu suchen.

    Bisher bin ich auch mit dem Motto „Nicht suchen, gefunden werden.“ ganz gut gefahren … ich muss nicht krampfhaft immer einen Freund haben, wie es ja heute scheinbar „in“ ist, ich bin da doch eher romantisch veranlagt und will den „Prinzen“ :D

    Lg Tom :)

  2. Ich nutze Grindr nicht. Ich hatte die App mal ein paar Wochen auf dem Smartphone, habe aber festgestellt, dass sie mir nichts gibt oder bringt, und sie dann wieder gelöscht. Ist mir viel zu anstrengend, andauernd nachzuschauen, wer in meiner aktuellen Umgebung schwul ist oder wie weit dieser oder jene Typ – und sei er noch so süß – gerade entfernt ist. Das hat für mich auch keinen wirklichen Nutzwert, denn für spontane Verabredungen habe ich meistens gar keine Zeit, und diese fragmentarische Kommunikation nervt mich eher. Im übrigen bin ich – wie Tom – eher romantisch veranlagt… ;-)

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