Die sechs Typen des Online Datings

GayromeoJe länger man sich auf Schwulen Dating-Seiten bewegt desto eher kommt man zu der Erkenntnis, dass ob Grindr oder Gayromeo sich die Nutzer in nur wenige Kategorien einteilen lassen.

Aus meiner Erfahrung möchte ich euch die sechs nicht ganz ernst gemeinten Typen des schwulen Online-Datings beschreiben.

  1. Der „Ich schau mich hier nur mal um“-Typ: In diese Kategorie fallen alle Unentschlossenen, die ihre und die Zeit anderer verschwenden, in dem sie nicht wirklich zu wissen scheinen was sie wirklich wollen. Wollen sie überhaupt Männer treffen oder schaffen sie niemals den Sprung aus der Anonymität in ein reales Treffen. Meisten ist der „Ich schau mich hier nur mal um Typ“ von der ungeouteten Fraktion. Mein Tipp für alle, die wirklich auf der Suche nach einem festen Partner sind: Lasst die Finger davon. Wenn es zu einem Treffen kommen sollte, sind diese meistens eher anonymer Natur und eine nette Konversation bzw. ein Wiedersehen sind eher selten.
  2. Mein absoluter Lieblings-Online-Dater ist der „Keine Tucken und keine Fetten“-Typ: Ein wirklich höchst sympathischer Zeitgenosse. In vielen Fällen ist dieser Typ zwar recht attraktiv, dennoch ist die Liste der Dinge, die er verabscheut ziemlich lange. Die Profiltexte dieser Nutzer lesen sich meistens alle gleich: „Schreibt mir bloß nicht, wenn ihr fett, hässlich oder psychopathisch seid!“. Diesem Typen habe ich schon mal einen kleinen Beitrag gewidmet, aber weil es so schön ist, darf er hier nicht fehlen. Manchmal frage ich mich insgeheim nach dem Sinn und Zweck solcher Profiltexte. Wer liest diesen Text und findet die Person dahinter sympathisch? Wer bezeichnet sich denn selbst als psychopathisch oder hässlich? Dieser Typ wirkt in meinen Augen hauptsächlich arrogant und bekommt die meisten seiner Nachrichten eher trotz und nicht wegen seines Profiltextes.
  3. Der Poet: Dieser Typ liebt lange und ausführliche Texte und hat eine umfangreiche Gebrauchsanweisung über den Umgang mit sich ins Profil gesetzt. Daher reagiert der Poet auch ziemlich angesäuert, wenn ein Nutzer gegen diese Anleitung verstoßen hat. Denn dadurch beweist er ja, das Profil nicht aufmerksam genug gelesen zu haben. In vielen Fällen werden auch die Lieblingsgedichte und die Lieblingssongs des Poeten in das Profil eingebaut. Welcher Aussagecharakter dahinter steckt bleibt den meisten Nutzern verborgen, da die Texte natürlich in Spanisch, Chinesisch oder Klingonisch verfasst sind. Der Poet stellt sich und seine Intelligenz gerne in de Vordergrund.
  4. Der Massenaussender: Der Spam-Bot unter den Dating-Usern. In der Regel hat der Massenaussender eine Zielgruppe, die fernab seiner Reichweite liegt und entschließt sich daher breit zu streuen. In der Regel hat der Massenaussender in alter Pressereferenten-Manier ein Bewerbungsschreiben konzipiert, das unangepasst an alle Nutzer verschickt werden kann oder er hofft mit einem schlichten „Hi“ das Interesse von einem der 200 angeschriebenen Profilen zu wecken. Einige Massenaussender koppeln ihre Nachrichten manchmal an eine Taschengeld-Angebot (positive Incentivierung), um die Rücklaufquote zu erhöhen. Der Erfolg ist trotzdem eher gering.
  5. Der Fetischist: Mit Gummimaske und Reiterstiefeln posiert der Fetischist auf seinen Profilfotos. Der Text ist eine detaillierte Beschreibung der eigenen sexuellen Phantasien. Das Spektrum der Fetischisten ist beinahe grenzenlos. Von super devot bis sadistisch-dominant ist alles dabei. Die Zielgruppe des Fetischisten ist zwar eine sehr kleine, doch durch die Möglichkeiten des Internets ist der Erfolg das passende Gegenstück zu finden besonders groß.
  6. Der Frustrierte ist nach dem „Keine Tucken und keine Fetten“-Typ mein Favorit. Der Weltenhass spricht aus seinem Profil. Im Prinzip ist Gayromeo/ Grindr oder wie das Portal auch heißen mag eine sinnlose Zeitverschwendung und die meisten Nutzer wollen ihn nur verarschen. Der Frustrierte spart sich positive Formulierungen in seinem Profil und belässt es dabei alles Unheil in seinem Leben offen zu erzählen. Besonders aggressive Exemplare könnte man auch Denunzianten nennen, denn sie veröffentlichen gerne vollständige Chat-Konversationen mit anderen Nutzern oder warnen in ihrer Headline vor dem Umgang mit anderen Nutzern. Das Schönste an diesem Typ ist, dass, wenn er mal einen anderen Nutzer anschreibt, er in der Regel nicht davon ausgeht, keine Antwort zu bekommen. Daher schreibt er in der Regel die Feststellung, dass er wahrscheinlich zu hässlich für das Gegenüber ist hinterher.

Alle diese Typen tauchen so oder so ähnlich auf Grindr, Gayromeo und wie sie sonst so heißen auf. Habt ihr euch erkannt oder liege ich mit meiner Typologie völlig daneben? Ich bin übrigens eher der Poet. Darum würde ich es euch raten, mich nicht zu fragen, was ich suche.

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2 Kommentare zu “Die sechs Typen des Online Datings

  1. Witzig – und zutreffend. Die Typen gibt es alle, und vielleicht noch (mindestens) einen siebten: den „Party-Tiger“ (oder wie man ihn auch nennen mag). Auf Fotos ist er meistens in Begleitung anderer Jungs oder (nota bene) Mädels zu sehen – gern in engem Körperkontakt mit seiner Entourage -, und er hat immer ein alkoholisches Getränk (von der Bierflasche über das Sektglas bis zum Cocktail) in der Hand. Der Profiltext ist meist eher unbestimmt (von „weiß nicht, was ich hier reinschreiben soll, wer was wissen will, kann/soll fragen“ bis „weiß nicht, was ich suche, Hauptsache Fun“), enthält aber, wenn es mehr Text gibt, gern den Hinweis „chems-friendly“. Hier regieren die Oberflächlichkeit und der Rausch.

    Generell ist es immer wieder erschreckend, welche Kommunikations(un)kultur und Beliebigkeit in den genannten und anderen Portalen herrscht und wie viele Leute sprachliche Grundlagen entweder nicht beherrschen oder nicht für wichtig halten.

    Übrigens bin ich, wenn überhaupt, auch eher der Typ „Poet“. Muss heute Abend mal die Positivität meiner Angaben überprüfen… ;-)

  2. Im Großen und Ganzen zutreffen für viele user. Zugegebener maßen eine Umschreibung der eher unsympatischen Profile. Ich würde noch einen 7. Typ hinzufügen, der wahrscheinlich auf die Meisten Normalos zutreffen dürfte: Den „Ich bin nur zufällig hier“-Typ: Ähnlich wie der „Ich schau mich nur mal um“ weiß er auch nicht so richtig was er bei GR will – aber eigentlich auch nur deshalb, weil er GR auch nich ernst nimmt. Meistens ist dieser Typ absolut geoutet und bewegt sich eher in Kneipen als bei GR online zu sein – sieht GR aber häufig als Medium einfach mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Statistische Anmerkung: Wahrscheinlich der häufigste Typ von Profilen – allerdings selten online.

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