Was fühlen Eltern homosexueller Kinder?

Ich habe schon viel über die Problem und Sorgen von Schwulen und Lesben beim Coming-Out geschrieben. Ein Aspekt, der beim Coming-Out häufig aus dem Blick verloren wird ist die Situation der Angehörigen. Was fühlen eigentlich die Eltern von jungen Lesben und Schwulen, die sich outen? Welche Gefühle sind legitim und was dürfen sie eigentlich ihren Kindern gegenüber äußern?

Die perfekte Reaktion gibt es eigentlich nicht. Auch wenn Eltern von Anfang an tolerant mit der Homosexualität ihres Kindes umgehen möchten, gibt es dennoch Ängste, Sorgen und Vorurteile, die so schnell nicht aus dem Weg geräumt werden können. Meine Eltern waren mir gegenüber sehr offen, welche Ängste sie haben. Das hat mich anfangs zwar überfordert und verärgert, letztlich ist es aber besser als diese Ängste totzuschweigen.

Die Angst vor Einsamkeit, Diskriminierung und einer HIV-Infektion sind nur einige Gedanken, die Eltern mit dem Thema Homosexualität assoziieren. Vor allem schmerzt Eltern die fehelende Chance auf Enkelkinder. Auch wenn es für Kinder schmerzlich ist, sich diese falschen Vorurteile und unbegründeten Sorgen anzuhören, so hilft es meistens der Eltern-Kind-Beziehung, wenn sie darüber sprechen. Eltern sollte auch keine falsche Zurückhaltung verspüren, Vorurteile anzusprechen. Jedes homosexuelle Kind hat natürlich die Hoffnung, dass ein Outing perfekt abläuft und die Eltern sich sofort für das Kind freuen. Es muss sich aber auch kein Elternteil schämen, wenn das nicht so ist. Langfristig zahlt sich diese Offenheit für die Eltern-Kind-Beziehung aus.

Ein besonders schönes Beispiel für die Eltern-Kind-Beziehung habe ich in einem Video von Expedia gefunden. Der Reiseveranstalter ist einer seiner Kampagnen hat sich in einem Video mit der Gefühlswelt von Eltern homosexueller Kinder beschäftigt. In dem sehr emotionalen Video erzählt ein Vater wie er lernen musste damit umzugehen, dass seine Tochter eine Frau heiraten wollte. Dabei drückt er die Gefühle vieler Eltern von homosexuellen Kindern in einfachen aber treffenden Worten aus:

My expectations of what Jill’s life was going to be included a husband. So when Nikki came to ask permission to marry our little girl, that startled me. I told her, this is not the dream I had for my daughter.‘ I didn’t say yes, I didn’t say no.

Der Titel des Videos lautete „Find Your Understanding“ und war Teil der Kampagne „Find Yours“. Im Rahmen dieser Kampagne konnten Menschen ihre persönlichen Reisen oder Lebenswege teilen. Aus diesen Geschichten hat sich Expedia dann einige Beispiele ausgesucht und daraus einen Film gemacht.

Das Besondere an diesem Film ist, dass er für das Thema Homosexualität eine andere Perspektive wählt. Das ist auch eine Perspektive, die in der Öffentlichkeit häufig vernachlässigt wird – die der Eltern. Denn auch wenn das Outing eines Homosexuellen eine harte Prüfung ist und die gesellschaftliche Diskriminierung Schwule und Lesben ein Leben lang herausfordern wird, ist für Eltern das Coming-Out des Sohnes oder der Tochter keine einfache Situation.

Auch von der Öffentlichkeit wird selten wahrgenommen, dass auch Eltern unter der gesellschaftlichen Diskriminierung ihrer Kinder leiden. Auch haben sich Eltern in den seltensten Fällen die Lebensplanung ihres Kindes so vorgestellt und müssen sich daher mit der Tatsache abfinden, niemals Enkel zu bekommen. Es ist außerdem nicht immer leicht, zu akzeptieren, dass das eigene Kind einen völlig anderen Weg gehen möchte.

Das Hauptmotiv in diesem Film ist aber die Akzeptanz. Dieser Film ist sozusagen die Idealform wie Akzeptanz aussehen sollte. Das zeigt sich ganz wundervoll an den Gefühlen, die der Vater über das Outing seiner Tochter beschreibt. Die Liebe zu seiner Tochter stellte er aber niemals in Frage.

Die Frage, was Expedia eigentlich verkaufen möchte, ist bei den persönlichen Reisen nicht ganz einfach zu erkennen. Denn der Weg zur Akzeptanz der Homosexualität ist nicht unbedingt über Expedia buchbar. Letztlich ist das Video aber eine gelungene Imagekampagne, die dem online Reiseveranstalter ein sehr menschliches und mitfühlendes Image verleiht.

Natürlich möchte Expedia durch diese Kampagne seine Sympathie für alle Lebensentwürfe demonstrieren. Denn gerade für die Reisebranche sind Schwule und Lesben eine wichtige Zielgruppe. Schon TUI hat in Deutschland das Potenzial früh erkannt, und einen schwulen Reisekatalog herausgegeben. Auch wird das Attribut „gay-friendly“ mittlerweile für viele Destinationen ausgewiesen. Denn laut aktuellen Zahlen der Gay European Tourism Association geben Schwule und Lesben in Europa 50 Milliarden Euro pro Jahr für Reisen aus. Das sind acht Prozent am europäischen Reisemarkt, obwohl Homosexuelle nur Verbandsschätzungen nur 2,6 Prozent der Bevölkerung stellen.

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