Bildungsplan in Baden-Württemberg: Kein Einknicken in Sicht

Auch wenn sich der homophobe Tross auf die Schultern klopfen mag, dass er die grün-rote Landesregierung unter Winfried Kretschmann zum Einlenken gebracht hat, so ist die Überarbeitung des Bildungsplans kein Einknicken, sondern eher ein genialer Schachzug. Grün-Rot demonstriert abermals, dass sie gesellschaftliche Diskurse vernünftig angehen. Trotzdem werden  gesellschaftliche Proteste angegangen, ohne dabei wie die Mappus-CDU zum Wasserwerfer zu greifen. Die Überarbeitung des Bildungsplans liegt eher im Detail und in der Wortwahl, nimmt aber dennoch den Gegnern des Planes den Wind aus den Segeln.

Ministerpräsident Kretschmann (Quelle: http://www.gruene-landtag-bw.de).

Letztlich wurde vor allem die Formulierung „sexuelle Vielfalt“, die tausende Menschen veranlasst hat eine Petition zu unterschreiben, ersetzt. Statt „sexueller Vielfalt“ spricht der neue Bildungsplan eher von „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ ohne sich dabei direkt auf Sexualität zu beziehen. Hauptkritikpunkt vieler Bildungsplangegner war vor allem die Sexualisierung von Kindern und Jugendlichen, die durch die fachübergreifende sexuelle Aufklärung im Schulunterricht mit Analsex und Dildos konfrontiert würden. Eine platte Überspitzung des Bildungsplans, doch die rechtspopulistische Propaganda hatte bei vielen damit Erfolg.

Die Abänderung in „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ nimmt diesen Kritikpunkt aus der Diskussion ohne den Kern des Bildungsplans zu ändern (Mehr zum Thema Bildungsplan HIER, HIER und HIER). Die Landesregierung spricht von einer Versachlichung der Diskussion.

Versachlicht wurden nur die Argumente der Gegner. Denn es ging (auch wenn es einige anders sahen) von Anfang an darum, Schüler zu einem toleranten Umgang mit anders fühlenden bzw. seienden Menschen zu erziehen. Ein weiterer Kritikpunkt war die Überbetonung einer kleinen Minderheit (Homosexuelle) im Schulunterricht. Die Umformulierung hat nun die Betonung von der einzelnen Gruppe auf die Erziehung zu mehr Toleranz gelegt.

An diesem Punkt können sich alle Bildungsplangegner fragen, ob sie weiterhin dagegen sind, dass ihre Kinder zu toleranten aufgeschlossenen Bürgern erzogen werden. Grün-Rot umgeht damit geschickt die Kritik der Bildungsplangegner und kann trotzdem den Kern des Bildungsplans erhalten. Ein Zugeständnis an die Gegner ist es in diesem Sinne zwar schon, da man sich von der Formulierung „Sexuelle Vielfalt“ verabschiedet hat. Letztendendes hat sich inhaltlich nicht viel verändert. Zwar frohlockte die bürgerlich-konservative Presse , dass sich Grün-rot von einem seiner Kernprojekte verabschiedet hat. Das beweist allerdings nur, dass Bild und Co. nichts verstanden haben.

Wie seht ihr die Revision des Bildungsplans? Ist Grün-Rot eingeknickt oder ist die Debatte dadurch geschickt befriedet worden? Ich bin auf eure Meinungen gespannt.

 

 

 

 

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