Produkte nur für Schwule – geniale Idee oder Risiko?

 

 

Pretty-gay-stuff.de

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Was bewegt einen heterosexuellen Mann Kosmetikprodukte für Schwule zu verkaufen? Die Frage habe ich mir am vergangenen Freitag gestellt als ich eine recht ungewöhnliche Anfrage bekommen habe. Ein Mitarbeiter des Online-Shops „Pretty-Gay-Stuff“ fragte mich, ob ich ihre exklusive Kosmetik für schwule Männer testen möchte. Besagter Mitarbeiter war kein engagierter Schwuler, der mit diesem Shop Kosmetik für andere Schwule vertreiben will, sondern ein heterosexueller Geschäftsmann, der sich dadurch Profit verspricht. Die Frage muss also lauten, was bewegt Geschäftsleute Produkte ausschließlich an schwule Männer zu adressieren? Vor allem aber, ist das eine geniale Idee oder wirtschaftlich unklug?

Da ich Kosmetik immer gebrauchen kann habe ich natürlich nicht nein gesagt. Mir persönlich ist aber ein anderer Aspekt wichtiger. Warum Kosmetik extra für schwule Männer?

An der Zusammensetzung der Produkte kann es nicht liegen. Denn schwule Haut hat dieselben Probleme und Bedürfnisse wie heterosexuelle Haut. Zwischen Männern und Frauen gibt es schon Unterschiede. Dennoch drängt sich die Frage auf, warum die Zielgruppe so spitz zu wählen. Man könnte doch auch eine Shop für Männer allgemein aufmachen. Die Antwort auf diese Frage habe ich zum einen auf der Webseite gefunden. Darin schreiben die Betreiber:

„Kosmetikprodukte, bei denen dir die Frauen zu Füßen liegen, findest du an jeder Ecke. Doch was, wenn das überhaupt
nicht dein Ziel ist? Wir entwickeln Pflegeprodukte gezielt für schwule Männer, die sich von dem bestehenden Kosmetikangebot nicht angesprochen fühlen und besonderen Wert auf Exklusivität und Ästhetik legen.“

Zum andern hat mir der Betreiber, der selbst übrigens heterosexuell ist, fände sich die Antwort auf meinem Blog. In einem meiner letzten Artikel beispielsweise schrieb ich über meinen lieben Büro-Buddy Brad und den Gay Lifestyle. Darin habe ich den schwulen Lebensstil mit diesen Worten zusammengefasst:

„Wir reisen gerne und geben tendenziell mehr Geld aus (da wir ohne Familie auch mehr Geld zur Verfügung haben). Wir haben eine große Affinität zu Kosmetik und Mode sowie gut produzierter Popmusik (von ABBA bis Whitney). Wir legen besonderen Wert auf unser Aussehen, achten mehrheitlich auf unsere Ernährung und haben ein Faible für Design und Dekoration. Wir haben unsere eigenen Beziehungsmodelle entwickelt und lieben trotzdem genauso intensiv wie heterosexuelle Pärchen. Nicht jeder Schwule wird sich in allen Punkten wiederfinden, dennoch trifft diese Beschreibung auf die meisten von uns zu.“

Die anderen Gründe, warum Schwule als Marketingzielgruppe relevant sind habe ich zudem hier zusammengefasst.

Daher ist es für eine Marke oder einen Shop sehr wichtig auch Schwule Käufer anzusprechen, vor allem bei Produkten, zu denen Schwule eine hohe Affinität haben.

Warum exklusiv ansprechen?

Dennoch drängt sich die Frage auf, warum Schwule durch diesen Shop exklusiv angesprochen werden. Man könnte Schwule Männer durch gezielte Werbung auch implizit erreichen und sich die Tür so auch für heterosexuelle Käuferschichten offenhalten.

Eine explizite und exklusive Ansprache von Schwulen hat auf jeden Fall den Vorteil, dass sich die Zielgruppe als besonders gewürdigt betrachtet. Das ist bei Schwulen kein unbedeutender Punkt. Wir haben aus der Geschichte heraus und unseren gesellschaftlichen Position eher die Erfahrung gemacht, für das, was wir sind, diskriminiert oder ausgeschlossen zu werden. Die umgekehrte Erfahrung kann das Kaufargument sein, weswegen ein Homosexueller nicht in einem Shop für jedermann einkauft, sondern in einem Shop, der sich gezielt an ihn richtet.

Natürlich ist es Homosexualität nicht die Bedingung bei Pretty-Gay-Stuff.com zu ordern, es wirkt aber eher abschreckend auf heterosexuelle Männer bei einem Shop zu bestellen, der „schwule“ Sachen verkauft. Eine zu direkte, explizite Ansprache birgt immer das Risiko, heterosexuelle Käufer zu verschrecken. Welchen genauen Einfluss die direkte oder indirekte Ansprache von Schwulen in der Zielgruppe hat, habe ich in einem anderen Artikel schon zusammengefasst.

Bei diesem Shop haben sich die Nutzer bewusst für eine Nische entschieden und wollen für diese Zielgruppe Exklusivität beten. Ob die Cremes der schwulen Haut besonders gut tun oder nicht, werde ich in einem weiteren Beitrag zeigen. Ich finde die Idee einen schwulen online Shop aufzubauen mutig und wichtig. Wie steht ihr zu exklusiven schwule Shops? Wäre das Attribut „for Gays“ ein Kaufgrund für euch? Bin auf eure Meinungen gespannt. Ich habe die Cremes auch getestet und sie machen wirklich eine sehr zarte Haut, ob sie auf heterosexueller Haut anders wirkt, weiß ich aber nicht ;)

 

 

 

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4 Kommentare zu “Produkte nur für Schwule – geniale Idee oder Risiko?

  1. Zwei Gedanken hierzu:

    Erstens ist mir unter diesem Beitrag erstmals der Hinweis „Sponsored Post“ aufgefallen. Bedeutet das, dass jemand diesen Beitrag, sagen wir, finanziell unterstützt? Also zum Beispiel „Pretty Gay Stuff“?

    Zweitens die Antwort auf Deine Frage: Ich bin deutlich weniger markenorientiert und wähle auch Kosmetikprodukte eher nach ökologischer Verträglichkeit oder bewährter Qualität als nach Marketingaspekten aus. Abgesehen von Kondomen und anderen Sex-Untensilien – die ich ausschließlich im „schwulen Fachhandel“ beziehe – habe ich jedoch speziell in einem Fall tatsächlich „for gays“ als (durchaus einzigen) Kaufgrund gewählt: bei der explizit auf Schwule ausgerichteten Kreditkarte „PayGay“ (http://planetgay.de/00004.php), die die Berliner Bank Anfang/Mitte der 2000er Jahre herausgegeben hat und die in Schwarz oder – natürlich – Rosa erhältlich war. So konnte man beim Bezahlen im Laden oder auch im Lokal demonstrieren, welche Neigung man hat, denn der Schriftzug „PayGay“ war prominent zu lesen, und auch ein stilisierter Regenbogen war aufgedruckt. Über die Sinnhaftigkeit kann man freilich diskutieren, aber ich fand das – gerade in einschlägigen Geschäften, Restaurants oder Bars – witzig und war in meinem Freundeskreis auch nicht der einzige, der dieses Kartenangebot genutzt hat. Die Bank hat die Karte dann allerdings nach wenigen Jahren eingestellt – die Nachfrage war wohl doch nicht groß genug. Und Kunde der Berliner Bank bin ich deshalb (abgesehen von dem temporären Kreditkartenkonto) auch nicht geworden.

    • Ich habe Produkte geschickt bekommen. Das ist, wenn man es genau nimmt Werbung und als diese muss ich das kenntlich machen. Meine Meinung ist aber nicht käuflich, d.h. ich habe kein Geld für diesen Beitrag genommen.
      Auch ist die Meinung, die ich in diesem Beitrag vertrete, nicht geschönt oder mit irgendwem abgestimmt.

  2. Danke für die Aufklärung. Ich hoffe, meine Frage kam nicht als böswillige Unterstellung an – denn dass Dein Beitrag authentisch ist, merkt man, und dass eine Veröffentlichung in Deinem Blog und insbesondere Deine Meinung nicht käuflich sind, habe ich vorausgesetzt. Deshalb hat mich der Hinweis eher irritiert. So aber ist das ein geradezu vorbildlicher, transparenter Umgang mit dem Kontext.

    • Kein Problem ;)
      Ich bin für Transparenz und in den Fällen, in denen ich etwas bekomme oder zur Verfügung gestellt bekommen habe, sage ich Bescheid. Ich hoffe das las man auch aus meinem Artikel heraus.

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