Wie merke ich, dass ich schwul bin?

Mariah hat mir geholfen mich akzeptieren zu lernen

Mariah hat mir geholfen mich akzeptieren zu lernen

Woher weiß man eigentlich, dass man schwul ist? Dass Homosexualität keine Wahl ist oder ein Lebensstil, für den man sich entscheidet, werde ich nicht zur Diskussion stellen.

In den letzten Monaten und Wochen wurde zwar vermehrt das unsagbar dumme Argument wiederholt, dass die Aufklärung über Homosexualität in der Schule, Mädchen und Jungen dazu verleiten könnte, homosexuell zu werden. Ein Klassiker der alten Homophobenschule ist auch die These, dass Mütter, die ihre Kinde nicht hart genug erziehen, diese schwul gemacht hätten. 

Das alles ist völliger Unsinn. Trotzdem machen sich vor allem junge Männer, die noch nicht so richtig wissen, ob sie schwul sind, diese Gedanken. Daneben plagt sie die Frage, ob diese Gefühle oder Gedanken wieder weggehen. 

Denn sich über seine Identität bewusst zu werden, ist für Homosexuelle ein oft langer Weg. Daher sehe ich diesen Artikel auch ein Stück weit als Aufklärung.
Es ist bei mir zwar schon ein paar Jahre her, aber ich möchte in diesem Beitrag von meinem Weg berichten. Nicht jeder Schwule erlebt diese Selbstfindungsphase gleich, jedoch steht jeder junge schwule Mann im Laufe seines Lebens vor der Frage „Bin ich eigentlich schwul?“

Woran man merkt man überhaupt, dass man schwul ist?

Bei mir kam dies Frage mit 16 Jahren auf. Vorher hatte ich zwar biologisch eine sexuelle Reife, aber geistig und emotional würde ich behaupten, dass ich keinerlei Interesse an Mädchen oder Jungen hatte. Das änderte sich mit einem Mal und plötzlich merkte ich, wie meine Blick in Filmen immer zu den männlichen Partnern wanderte. Zudem wurde ich in der der Gegenwart von Jungs nervöser und aufgeregter.

Was heterosexuelle Jugendliche als spannende Phase erleben, war für mich ein furchtbares Gefühl. Denn es durfte in meiner Vorstellung nicht so sein. Ich möchte meiner Familie keinen Vorwurf machen, aber natürlich bekommt man von den Eltern häufiger vorgezeichnet, wie sie sich das Leben ihres Kindes vorstellen und dazu gehört eine Frau und natürlich Enkelkinder. Das Gefühl, dass ich diese Erwartungen nicht erfüllen kann, die für mich bis dahin selbstverständlich waren, war grauenhaft. Zudem hatte ich das Gefühl, dass diese Gefühle falsch sind. Bis dahin hatte ich wenige Kontakt zum Thema Homosexualität und wenn wurde das Thema problematisiert (HIV, Diskriminierung etc.) oder ins Lächerliche gezogen (Über den Schuh des Manitu etc. habe ich schon geschrieben).

Jeder junge Homosexuelle erlebt das Gefühl anders zu sein verschieden. Ich habe von einigen Freunden und Bekannten gehört, dass sie es relativ schnell akzeptiert hatten, andere haben dafür sehr lange gebraucht. Ich war wohl ein mittlerer Fall. Das innere Outing – das Eingeständnis und die Akzeptanz von mir selbst – waren für mich trotzdem schwierig.

Dazu kam die Angst aufzufliegen. Ich dachte, dass ich von diesen Gefühlen niemals jemanden erzählen werde. In der Hoffnung, dass sie irgendwann wieder vorbei gehen. So dumme Dinge dachte ich mit 16 Jahren. Denn  es ist keineswegs falsch, was ich gefühlt habe. Nur die Umstände, in denen ich gelebt habe, waren nicht optimal, um meine eigene sexuelle Identität zu finden. Auch wenn, wie ich schon erwähnt habe, meine Familie wirklich sehr tolerant mit dem Thema Homosexualität umgegangen ist.

Was mir in der Zeit geholfen hat, war der Glaube, dass ich auch diese Situation irgendwie meistern kann. Ich erinnere mich an einen TV-Abend aus dieser Zeit, an dem Mariah Carey ihre damals unglaublich gefloppte Comeback-Single „Through the Rain“ in der RTL-Show „Millionär gesucht“ gesungen hat. Ein Lied, in dem es darum geht, Krisen zu bewältigen und gestärkt daraus hervorzugehen. Das mag für den ein oder anderen kitschig und albern klingen, aber dieses Lied ist bis heute ein Symbol für diese schwere Zeit und ein kleiner Indiz woher meine fanatische Fanliebe für Mariah Carey kommt. Damals dachte ich noch, dass ich damit diese Gefühle wieder loswerden kann und irgendwann wieder „normal“ werde. Heute weiß ich, dass mir dieses Lied geholfen hat, mich selbst zu akzeptieren. Da wohl auch kein heterosexueller Mann eine Krose mit einem Lied von Mish Carey bewältigen würde ;-)

Letztendlich kann man aber die eigene Homosexualität nicht diagnostizieren, man fühlt es einfach. Die Frage, ob man schwul sein könnte, gibt in der Regel schon die Antwort darauf, dass man es ist. Ein Junge, der sich zu Frauen hingezogen fühlt, wird sich diese Frage in der Regel nicht stellen, da die Umstände, in denen wir leben, dieses Gefühl zu einer Belastungen machen. Auf diese Frage wird sich keine rationale Antwort finden, denn Gefühle funktionieren nicht anders. Daher kann ich nur raten, darauf zu hören, was ihr fühlt. Fühlt ihr euch zu Frauen hingezogen? Oder doch zu Männern? Vielleicht auch zu beiden Geschlechtern. In jedem Fall ist es völlig normal und richtig, was ihr fühlt. Ihr müsst es nur akzeptieren. 

Niemand kann beeinflussen ob und wann ein junger Mensch vor der Frage steht, ob er oder sie homosexuell ist. Aber die Umstände können wir sehr gestalten und verbessern, so dass es jungen Lesben und Schwulen leichter fällt, diese Frage zu beantworten. Hätte ich damals das Gefühl gehabt, dass Homosexualität normal und akzeptiert ist, wäre es mir deutlich wahrscheinlich einfacher gefallen, mich zu akzeptieren. Ich unterstelle einfach, dass es vielen Jugendlichen auch heute noch so geht.

Es würde mich freuen, wenn ihr auch eure inneren Outings mit mir teilen würdet. Wie habt ihr es erlebt, als ihr für euch herausgefunden habt, dass ihr homosexuell seid.

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Die sechs Typen des Online Datings

GayromeoJe länger man sich auf Schwulen Dating-Seiten bewegt desto eher kommt man zu der Erkenntnis, dass ob Grindr oder Gayromeo sich die Nutzer in nur wenige Kategorien einteilen lassen.

Aus meiner Erfahrung möchte ich euch die sechs nicht ganz ernst gemeinten Typen des schwulen Online-Datings beschreiben.

  1. Der „Ich schau mich hier nur mal um“-Typ: In diese Kategorie fallen alle Unentschlossenen, die ihre und die Zeit anderer verschwenden, in dem sie nicht wirklich zu wissen scheinen was sie wirklich wollen. Wollen sie überhaupt Männer treffen oder schaffen sie niemals den Sprung aus der Anonymität in ein reales Treffen. Meisten ist der „Ich schau mich hier nur mal um Typ“ von der ungeouteten Fraktion. Mein Tipp für alle, die wirklich auf der Suche nach einem festen Partner sind: Lasst die Finger davon. Wenn es zu einem Treffen kommen sollte, sind diese meistens eher anonymer Natur und eine nette Konversation bzw. ein Wiedersehen sind eher selten.
  2. Mein absoluter Lieblings-Online-Dater ist der „Keine Tucken und keine Fetten“-Typ: Ein wirklich höchst sympathischer Zeitgenosse. In vielen Fällen ist dieser Typ zwar recht attraktiv, dennoch ist die Liste der Dinge, die er verabscheut ziemlich lange. Die Profiltexte dieser Nutzer lesen sich meistens alle gleich: „Schreibt mir bloß nicht, wenn ihr fett, hässlich oder psychopathisch seid!“. Diesem Typen habe ich schon mal einen kleinen Beitrag gewidmet, aber weil es so schön ist, darf er hier nicht fehlen. Manchmal frage ich mich insgeheim nach dem Sinn und Zweck solcher Profiltexte. Wer liest diesen Text und findet die Person dahinter sympathisch? Wer bezeichnet sich denn selbst als psychopathisch oder hässlich? Dieser Typ wirkt in meinen Augen hauptsächlich arrogant und bekommt die meisten seiner Nachrichten eher trotz und nicht wegen seines Profiltextes.
  3. Der Poet: Dieser Typ liebt lange und ausführliche Texte und hat eine umfangreiche Gebrauchsanweisung über den Umgang mit sich ins Profil gesetzt. Daher reagiert der Poet auch ziemlich angesäuert, wenn ein Nutzer gegen diese Anleitung verstoßen hat. Denn dadurch beweist er ja, das Profil nicht aufmerksam genug gelesen zu haben. In vielen Fällen werden auch die Lieblingsgedichte und die Lieblingssongs des Poeten in das Profil eingebaut. Welcher Aussagecharakter dahinter steckt bleibt den meisten Nutzern verborgen, da die Texte natürlich in Spanisch, Chinesisch oder Klingonisch verfasst sind. Der Poet stellt sich und seine Intelligenz gerne in de Vordergrund.
  4. Der Massenaussender: Der Spam-Bot unter den Dating-Usern. In der Regel hat der Massenaussender eine Zielgruppe, die fernab seiner Reichweite liegt und entschließt sich daher breit zu streuen. In der Regel hat der Massenaussender in alter Pressereferenten-Manier ein Bewerbungsschreiben konzipiert, das unangepasst an alle Nutzer verschickt werden kann oder er hofft mit einem schlichten „Hi“ das Interesse von einem der 200 angeschriebenen Profilen zu wecken. Einige Massenaussender koppeln ihre Nachrichten manchmal an eine Taschengeld-Angebot (positive Incentivierung), um die Rücklaufquote zu erhöhen. Der Erfolg ist trotzdem eher gering.
  5. Der Fetischist: Mit Gummimaske und Reiterstiefeln posiert der Fetischist auf seinen Profilfotos. Der Text ist eine detaillierte Beschreibung der eigenen sexuellen Phantasien. Das Spektrum der Fetischisten ist beinahe grenzenlos. Von super devot bis sadistisch-dominant ist alles dabei. Die Zielgruppe des Fetischisten ist zwar eine sehr kleine, doch durch die Möglichkeiten des Internets ist der Erfolg das passende Gegenstück zu finden besonders groß.
  6. Der Frustrierte ist nach dem „Keine Tucken und keine Fetten“-Typ mein Favorit. Der Weltenhass spricht aus seinem Profil. Im Prinzip ist Gayromeo/ Grindr oder wie das Portal auch heißen mag eine sinnlose Zeitverschwendung und die meisten Nutzer wollen ihn nur verarschen. Der Frustrierte spart sich positive Formulierungen in seinem Profil und belässt es dabei alles Unheil in seinem Leben offen zu erzählen. Besonders aggressive Exemplare könnte man auch Denunzianten nennen, denn sie veröffentlichen gerne vollständige Chat-Konversationen mit anderen Nutzern oder warnen in ihrer Headline vor dem Umgang mit anderen Nutzern. Das Schönste an diesem Typ ist, dass, wenn er mal einen anderen Nutzer anschreibt, er in der Regel nicht davon ausgeht, keine Antwort zu bekommen. Daher schreibt er in der Regel die Feststellung, dass er wahrscheinlich zu hässlich für das Gegenüber ist hinterher.

Alle diese Typen tauchen so oder so ähnlich auf Grindr, Gayromeo und wie sie sonst so heißen auf. Habt ihr euch erkannt oder liege ich mit meiner Typologie völlig daneben? Ich bin übrigens eher der Poet. Darum würde ich es euch raten, mich nicht zu fragen, was ich suche.