Homophobie kommt von Unwissen – Was die CDU nicht versteht.

Die CDU in Baden-Württemberg hat auf einem Parteitag in Donaueschingen klar gemacht, was sie von Aufklärung als Prävention gegen Homophobie hält. Nämlich ziemlich wenig (Mehr Infos zum Bildungsplan). Laut den Delegierten des Landesparteitags sei es nicht Aufgabe des Schulunterrichts, den Schülern gesellschaftspolitische Einstellungen zu vermitteln. Die CDU opponiert damit gegen den Bildungsplan der grün-roten Landesregierung. Dieser widerspreche laut CDU dem „Schutz von Ehe und Familie“ sowie den Bestimmungen zur „Entfaltung in Freiheit“ und der „Erziehung auf Grundlage der christlich-abendländischen Kultur“.

Auch wenn die Christdemokraten ihre Ablehnung zum Bildungsplan mit der Erziehung auf der Grundlage der christlichen, abendländischen Kultur begründen, widerspricht diese Initiative so ziemlich allem, wofür der christliche Glaube steht. Denn im des Bildungsplans geht es nicht darum, den Kindern christliche Werte auszutreiben, sondern sie nach diesen zu erziehen. Kinder sollen lernen, andere Menschen, egal wie Gott sie geschaffen hat, zu akzeptieren. In meinen Augen ist das ein christlicher Wert. Die Aufklärung darüber, dass es vielfältige Lebensformen gibt, führt nicht dazu, dass traditionelle Familienbilder bedroht werden. Kindern soll damit vielmehr vermittelt werden, dass es abseits von klassischen Familien auch noch andere legitime Lebensformen gibt, die das gleiche Recht auf Anerkennung und Respekt verdient haben.

Neben dem Bezug auf das Christentum blasen die Christdemokraten wieder in das Familienhorn. So langsam reagiere ich genervt auf die ewig gleiche Leier, dass durch Toleranz von Homosexuellen Ehe und Familie bedroht würden. Kein heterosexueller Jugendlicher wird durch die Aufklärung über Homosexualität plötzlich schwul oder lesbisch und fängt schon gar nicht an, die heterosexuelle Ehe in Frage zu stellen. Durch Toleranz und Gleichstellung verliert die Ehe nicht ihren Wert.
Interessant finde ich die Begründung, dass dadurch die Freiheit der Erziehung verletzt würde. Eltern haben also ein Recht darauf, ihre Kinder zu Homophobikern zu erziehen? Diese Forderung widerspricht sich im Übrigen mit dem Artikel zur „Erziehung auf Grundlage der christlich-abendländischen Kultur“. Denn nicht jedes Elternteil möchte sein Kind im christlichen Glauben erziehen. Nichtsdestotrotz muss die Schule gewisse Werte vermitteln, unabhängig von der Überzeugung der Eltern. Jeder Schüler muss in der Schule hinsichtlich unserer demokratischen Werte erzogen werden. Diese sind das Fundament unserer Gesellschaft und müssen somit Teil des Schulunterrichts sein. Die Erziehung nach christlichen Werten ist in meinen Augen ein viel problematischerer Artikel, da sich nicht mehr die Mehrheit unserer Gesellschaft zum christlichen Glauben bekennt.
Die Schule hat aber auch die Aufgabe, Kindern über die Vielfältigkeit des Lebens aufzuklären. Dinge, die nicht jede Familie leisten kann. Dazu gehören unterschiedliche politischen Weltanschauungen, Geschichte, Religionen und eben auch unterschiedliche Lebensformen. Kinder müssen lernen, dass es legitim ist, anders zu sein. Sie müssen auch lernen, das Anderssein zu akzeptieren. Ablehnung entsteht aus Unwissen. Durch Aufklärung über die Gründe von Homosexualität in der Schule und durch die generelle Aufklärung zu diesem Thema, könnten viele Vorurteile vermieden werden. Durch die jahrelange Versäumnis dieses Themas ist das eine Leistung, die man Eltern nicht zumuten kann. Die Delegierten des Parteitages der CDU sind der beste Beweis dafür, dass Ablehnung aus Unwissen entsteht. Die CDU legt sich in der Bildungspolitik die Dinge gerne wie sie es möchte. In vielen Dingen wird gefordert Eltern gewisse Erziehungsleistungen abzunehmen, geht es um die Vermittlung eines Weltbildes, das der Spießbürgerlichkeit der baden-württembergischen CDU widerspricht, verteidigen die Christdemokraten die Freiheit der Erziehung.

Diese Rückwärtsgewandtheit ist in meinen Augen auch ein Grund dafür, dass die CDU die Villa Reitzenstein räumen musste und einer bürgerlich moderne Regierung Platz gemacht hat.

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3 Kommentare zu “Homophobie kommt von Unwissen – Was die CDU nicht versteht.

  1. „Denn im des Bildungsplans geht es nicht darum, den Kindern christliche Werte auszutreiben, sondern sie nach diesen zu erziehen.“

    Das ist Deine persönliche Sicht. Die CDU und viele religiöse Menschen präferieren offenbar andere Bibelstellen.

    „Die Aufklärung darüber, dass es vielfältige Lebensformen gibt, führt nicht dazu, dass traditionelle Familienbilder bedroht werden.“

    Streng genommen, schon. Denn wenn mehrere Lebensformen akzeptabel sind, verliert das „traditionelle Familienbild“ automatisch sein Alleinstellungsmerkmal.

    „Kein heterosexueller Jugendlicher wird durch die Aufklärung über Homosexualität plötzlich schwul oder lesbisch“

    Und selbst wenn: Wo läge das Problem?

    „und fängt schon gar nicht an, die heterosexuelle Ehe in Frage zu stellen.“

    Meine Homosexualität hat durchaus dazu beigetragen, die heterosexuelle Ehe in Frage zu stellen.

    „Eltern haben also ein Recht darauf, ihre Kinder zu Homophobikern zu erziehen?“

    Selbstverständlich! Wer, wenn nicht die Eltern? Die Alternative wäre ja, Kinder den Eltern wegzunehmen, und sie fern vom Einfluss der Eltern zu erziehen.

    Dem Rest stimme ich zu :)

    • In der Tat sind die meisten Punkte Ansichtssache. Ich habe auch nicht davon gesprochen den Eltern die Erziehungsverantwortung zu nehmen. Das war nicht meine Intention.

      Es geht vielmehr darum, dass die Schule neben der Wissensvermittlung die Aufgabe hat, Kinder zu demokratischen Bürgern zu erziehen. Da ist es völlig gleich, ob das Elternhaus anders eingestellt ist oder nicht. In der Schule lernen Kinder die Werte der freiheitlich demokratischen Grundordnung.

      Meine Forderung ist es, Kindern, die zuhause keine Aufklärung über Homosexualität erhalten oder sogar zum Hass gegen Homosexuellen erzogen werden, Wert der Toleranz und der Aufklärung zu vermitteln. Das ist die Pflicht der Schule. Steht sogar in jedem Lehrplan von Ethik oder Religion. Das Thema Homosexualität davon auszuklammern ist bigott.

      Es geht aber nicht darum Eltern das Erziehungsrecht zu nehmen (sofern keine Kindeswohlgefährdung vorliegt), sondern Erziehungsdefizite in der Schule aufzufangen und gesellschaftliche Grundwerte zu vermitteln.

      • Ich denke nicht, dass es die meisten stören würde, wenn Homosexualität im Unterricht behandelt würde. Woran sich der Unmut entzündet ist offenbar ein falsch verstandener Begriff von „sexueller Vielfalt“ – womit man aber hätte rechnen müssen, denn dieser Begriff ist m.E. dämlich, weil er alles auf Sexualität reduziert -, sowie die Breitenwirkung, die LGBTI-Themen im Unterricht erhalten sollen.

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