Darf ich bitte mit meinem Freund im Doppelzimmer schlafen?

USA Urlaub August-September 2009 294In einem meiner letzten Beiträge habe ich bereits beschrieben, welchen Einfluss das Reiseland für Schwule und Lesben hat. Je offener und toleranter ein Land, desto eher können sich homosexuelle Pärchen offen und vertraut auf der Straße bewegen, ohne Diskriminierung zu fürchten. Dabei ist klar, dass das in großen Städten wie Madrid und Barcelona eher möglich ist als in kleineren Städten Spaniens.

Neben dem Reiseland und dem Stadt-Land Gefälle kommt es natürlich darauf an, welche Art von Urlaub man bevorzugt. Städte-Trips mit Kultur und Party oder entspannt am Strand. In Städten ist es, so meine Erfahrung, leichter Hotels, Restaurants und Partys zu finden, die „gayfriendly“ sind. Wer im Urlaub eher entspannen möchte, dem ist vor allem die Atmosphäre im Hotel wichtig. Wie reagieren die übrigen Urlauber darauf, wenn zwei Männer oder zwei Frauen vertraut beim Frühstück sitzen oder am Strand liegen.

Eines der entschiedensten Punkte für mich ist aber, wie das Hotelpersonal auf die Gäste reagiert. Das beginnt schon bei der Anreise. Bei einem Urlaub vor einigen Jahren in New York, hatte ich mit meinem damaligen Freund ein Doppelzimmer mit Doppelbett gebucht. Das schien den Rezeptionisten zu irritieren, denn er wollte uns die partout in ein Zimmer umbuchen, das getrennte Betten hatte. Es ist ja auch möglich, dass zwei gute Freunde einen Städte-Trip nach New York machen, doch wollte der Herr nicht verstehen, dass wir beide doch lieber in einem Bett schlafen wollten. Zwar war das Hotel, das wir damals gebucht hatten, nicht explizit gayfriendly, dennoch ist es doch verwunderlich, dass die Hotelbetreiber in einer weltoffenen und liberalen Stadt wie New York auf das Thema Homosexualität nicht ausreichend vorbereitet sind. Schließlich ist die Stadt eines der beliebtesten Reiseziele bei Schwulen und Lesben.

Eine solche Situation dürfte in einem homofreundlichen Hotel nicht vorkommen. Klar ist es eine schwierige Situation einzuschätzen, ob die beiden Gäste homosexuell sein könnten. Jedoch hätte die bloße Feststellung, dass man ein Doppelzimmer mit Doppelbett gebucht habe gereicht. Regt sich bei den Gästen kein Widerstand, dann sollte man nicht anbieten, die Gäste umzubuchen. Mich nervt es, ständig erklären zu müssen, dass ich schwul bin und daher ein Doppelzimmer haben will. Schwule und Lesben sehnen sich im Alltag nach Normalität und wollen nicht, dass sie ständig als Besonderheit wahrgenommen werden bzw. sich erklären müssen.

Letztlich habe ich mich dafür entschieden es dem Rezeptionisten nicht zu erklären. Warum auch?  Denn mit wem ich in einem Bett schlafe ist meine Privatsache. Heterosexuelle Pärchen fänden diese Situation auch höchst irritierend. Für Hoteliers ist es daher wichtig, dass sie ihr Personal schulen. Gerade in einer Stadt wie New York hätte ich damals erwartet, dass die Menschen keine solch starren Schablonen im Kopf haben.

(c) by David Renner

Eine andere Situation ist es, wenn das Hotel ausgewiesen schwulenfreundlich ist. Ein wirklich schönes Hostel (dafür man gerne mal Werbung machen) befindet sich in Madrid – genauer gesagt an der „Plaza Puerta del Sol“ Als ich meinen Auslandsaufenthalt 2010 in Spanien startete habe ich mich dort eingebucht. Mehr aus Zufall und wegen des verdammt guten Preises, aber das Prädikat gayfriendly war zugegeben ein Grund, weswegen ich mich dafür entscheiden hatte. Ich finde zwar nicht, dass man als schwuler Tourist unbedingt in ein ausgewiesenes Gay Hostel gehen muss, die Erfahrung ist es aber durchaus wert. Nun waren meine Erwartungen an die Schwulenfreundlichkeit bei diesem Hotel extrem hoch, sie wurden aber nicht enttäuscht. Denn so unverkrampft und selbstverständlich habe ich homosexuelle Pärchen noch nie in beim gemeinsamen Hotel-Frühstück gesehen. Es lag eventuell auch daran, dass der große Teil des Personals selbst homosexuell war, die Atomsphäre in den öffentlichen Räumen des Hotels war eine ganz andere. Vor allem gab es keine „Gaffer“, die tuschelnd und mit langen Hälsen die Pärchen wie Zootiere beobachten. Das mag vielleicht überspitzt formuliert sein, dennoch kann es einem als homosexuelles Pärchen passieren, dass man zur Hotelsensation wird.

Für mich sind beide Erfahrungen die besten Beispiele dafür, worauf es beim gayfriendly Reisen ankommt: Gutes, geschultes Personal und eine angenehme, unverkrampfte Atmosphäre in den öffentlichen Bereichen des Hotels.

Habt ihr dazu auch eure Erfahrungen gemacht? Schaut ihr bei der Buchung auf das Prädikat gayfriendly?

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