Was bedeutet eigentlich gayfriendly reisen?

Quelle: Detour

Schwule und Lesben reisen gerne und geben dabei viel Geld aus. Das hat die Reiseindustrie mittlerweile entdeckt und die Kategorie gayfriendly in die Reisekataloge aufgenommen. Der Reiseveranstalter Detour hat sogar ein schön gemachtes Gay Travel Blog auf seiner Homepage. Doch was ist gayfriendly und wie kann ein Ort diese Kategorie erhalten? Gayfriendly bedeutet nichts anderes als freundlich gegenüber Homosexuellen. Denn Schwule und Lesben halten sich lieber an Orten auf, an denen sie siche erwünscht fühlen und an denen sie frei und offen lebenen können. Das Bedürfnis von Homosexuellen  nach gesellschaftlicher Normalität und Akzeptanz ist das Reiseargument für bestimmte Destinationen.

Doch welche Kriterien sind erforderlich, damit man von gayfriendly sprechen kann? Zum einen hängt gayfriendly mit den Gegebenheiten vor Ort zusammen. In manchen Ländern ist die Situation für Lesben und Schwulen besser als in anderen.

Besser und schlechter hat in diesem Fall zwei Dimensionen: Zum einen die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die von der kompletten gesetzlichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen bis hin zur Illegalität von Homosexualität unter Androhung der Todesstrafe variieren können. Zum anderen hängt die Situation vom Grad der gesellschaftlichen Toleranz ab. Meistens sind beide Situationen eng an einander geknüpft. In Uganda, wo Homosexualität seit kurzem unter harte Strafen gestellt wird ist der Hass gegen Lesben und Schwule auch tief in der Gesellschaft verwurzelt. Das Gleiche gilt für Russland.

Trotzdem kann es in Ländern, die Homosexualität vollkommen gleichgestellt haben wie Frankreich, dazu kommen, dass tief sitzende Ressentiments ausbrechen. Die Demonstrationen in Paris sind der Ausdruck von einer tief verwurzelten Homophobie (in gewissen Teilen der französischen Gesellschaft). Daher sind Lesben und Schwule in Frankreich zwar vor dem Gesetz gleich, jedoch können sie sich nicht unverrampft in allen Bereichen des öffentlichen Lebens bewegen, ohne Angst haben zu müssen, diskriminiert und angegeriffen zu werden.

Der Gay Travel Index 2014 ist der Versuch diese Kriterien messbar zu machen und Länder zu zeigen, in die Schwule und Lesben sicher reisen können. Der Index bewertet insgesamt 138 Länder der Welt, ob diese als Reiseziele für Schwule und Lesben in Frage kommen. Dabei vergibt der Index Ländern, die besonders homofreundlich sind eine hohe Indexzahl und Länder, die besonders homofeindlich sind haben eine Zahl im Minusbereich. Auf der Karte sind gayfriendly Länder blau und feindliche Länder rot eingefärbt. Die grau schraffierte Länder wurden nicht bewertet. In manchen Fällen macht dies auch keinen Sinn, wenn Homosexuelität schon per Gesetz verboten wurde.

Auftraggeber ist der Berliner Bruno-Gmünder-Verlag. Der Index wird vergleicht jährlich 138 Reiseländer weltweit anhand von 14 Kategorienund vergibt Plus- oder Minuspunkte. Dazu zählen zum Beispiel die Gesetzeslage für Homosexuelle, Einreisebeschränkungen für HIV-positive Touristen, religiöse Einflüsse sowie die Mordrate an Homosexuellen in dem jeweiligen Land. Die Veränderungen von Jahr zu Jahr halten sich in Grenzen, denn die gesellschaftliche Veränderung für Homosexuelle geht nur langsam voran. Demnach ist Schweden das beste Reiseziel für Lesben und Schwule, da dort sowohl rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Toleranz am weitesten vorangeschritten sind. Die letzten Plätze (u.a. Iran) sind nicht wirklich überraschend.

In meinen Augen liegt die Schwäche des Index darin, dass gerade Länder wie die USA nicht als homogenes Land betrachtet wurden. Das ist eine Vereinfachung, die so nicht machbar ist. In einigen Teilen (New York, LA etc.) sind die Einstellungen gegenüber Homosexualität eher freundlich und offen. Wohingegen Bundesstaaten wie Arizona vor Kurzem bewiesen haben, dass sie Homosexualität nicht ganz so offen begegnen wollen. Das gilt übrigens auch für Europa, wenn auch im Kleinen. Natürlich sind Weltstädte wie Paris, London, Madrid und Berlin liberaler als ländliche Regionen in den gleichen Ländern. Aber selbst in diesen Großstädten ist es für Lesben und Schwule nicht immer möglich überall offen über die Straße zu laufen. In den Banlieus von Paris sollten zwei Schwule eher nicht Arm in Arm über die Straße laufen.

Daher gibt für mich dieser Index lediglich einen groben Überblick, kann aber nicht wirklich als letzte Entscheidungsgrundlage für homofreundliches Reisen gelten. Es hilft wohl nichts anderes als sich vorher eingehend zu informieren. Solche Informationen bereitzustellen könnte ein lukratives Geschäftsmodell werden.

Wonach Lesben und Schwule ihre Reiseziele auswählen sollten und welche Orte sich lohnen, möchte ich in einer kleinen Serie beschreiben und dabei auf meine eigenen Reiseerfahrungen zurückgreifen

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2 Kommentare zu “Was bedeutet eigentlich gayfriendly reisen?

  1. Wichtig ist mir natürlich, dass das Personal der Hotelrezeption nicht die Augenbrauen hochzieht, wenn ich mit meinem Freund auftauche und nach dem reservierten Doppelzimmer frage. Ich will ganz einfach und normal behandelt werden, wie andere Päärchen auch, denn ich bin ja auch nicht anders wie andere Päärchen auch!

    • Hey, genau das ist mir auch schon passiert. Über diese Erfahrung werde ich in naher Zukunft auch etwas schreiben :)

      Die Herausforderung für das Hotelpersonal ist es, diskret in Erfahrung zu bringen, ob da zwei Freunde oder ein Liebespaar anreist. Das erwarte ich bei einem Hotel, das „gayfriendly“ ist.

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