Schon umgeparkt im Kopf?

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Kampagnen-Motiv „Umparken im Kopf“
C by Opel

Opel ist ja so etwas wie die Madonna der Automobilindustrie. Kaum ein anderer Automobilhersteller hat über die Jahre so viele Imagewandel vollzogen wie die Rüsselsheimer: Früher galt Opel als das solides Familienauto, dann war Opel zu spießig („jeder Popel fährt ’nen Opel“), bis man man zur Protzkarre à la Manta Manta mutierte. Nun will Opel Treiber neuer Innovationen sein. Ein Facelift hat Opel gerade jedenfalls dringend nötig. In den letzten Jahren hat die Marke Opel nämlich stark gelitten: sinkende Verkaufszahlen in Europa, der beinah Verkauf an Magna und die Schließung des Opel Werks in Bochum taten ihr übriges.

Mit dem Aufräumen alter Klischees soll es nun darangehen die angestaubte Marke aufzufrischen. Die Klischees sind simpel: Rothaarige Frauen sind feurig, Schwule können nicht Fußball spielen, und in Hamburg regnet es am meisten. Immer startet Opel mit einer Annahme, die in vielen Teilen Bevölkerung als gesetzt gilt, um sie dann im nächsten Satz in Frage zu stellen. Unter dem Claim „Umparken im Kopf“ plakatiert der Automobilhersteller auf riesigen, schreiend gelben Plakaten und wirbt im TV und Internet.

Das ziel der Kampagne ist es, die Leute zum Umdenken zu bewegen. Alte Denkmuster aufzubrechen und alte gesellschaftliche Klischees, wie der Annahme, dass homosexuelle Männer nicht gut im Fußball wären, aufzugeben. Das soll letztlich die Konsumenten auch anregen umzudenken, was ihre Vorurteile gegenüber Opel angeht.

In meinen Augen ist die aktuelle Kampagne von Opel eine der innovativsten und besten Werbekampagnen der letzten Monate. Der Bezug zur Marke Opel und zum Produkt Auto ist perfekt hergestellt. Zudem sprechen die Rüsselsheimer ihre Konsumenten auf eine neue und vollkommen innovative Art und Weise an. Die Kampagne „Umpacken im Kopf“ schafft es, bei mir jedenfalls, dass ich mich mit dem Inhalt auseinandergesetzt habe. Eine Tatsache, die vielen aktuellen Werbekampagnen fehlt.

Natürlich kann man sich darüber streiten, ob das Klischee, das Opel im Zusammenhang mit Homosexuellen verwendet, treffend ist oder nicht. Als ich das erste Mal dieses Plakat gesehen habe, dachte ich mir, dass das schon etwas weit hergeholt ist. Natürlich bezieht sich das Plakat ganz aktuell auf Thomas Hitzlsperger, den ehemaligen deutschen Fußballspieler, dessen Outing vor kurzem durch die Presse jagte. Wikipedia hat mir auch verraten, dass Hitzlsperger mit dem VfB Stuttgart in der Bundesliga-Saison 2006/07 die Deutsvhe Meisterschaft gewann. Von daher passt auch dieses Plakat. Ich fand aber, dass das Plakat von der Formulierung und von der Eindeutigkeit am schwächsten war. Die Kampagne ihren Zweck auch voll erfüllt, denn besagter Fußballer twitterte ein Bild eines Plakats mit genau diesem Motiv.

Opel ist mit Hitzlsperger auf ein aktuelles Thema aufgesprungen. Versteht mich nicht falsch. Ich will darüber gar nicht meckern, denn die Idee das Thema Homosexualität im Fußball aufzugreifen finde ich sehr gut. Ich finde es nur schade, dass in einer so starken Kampagne, ausgerechnet das Plakat zu Homosexualität gestalterisch am schlechtesten ist. Nichtsdestotrotz ist mir die Marke Opel durch die Aktion und im Speziellen auch wegen des Engagements für Homosexuelle sympathischer geworden. Findet ihr die aktuelle Opel Kampagne „Umparken im Kopf“ gelungen? Oder hättet ihr euch auch ein anderes Motiv gewünscht? Ich bin auf eure Antworten sehr gespannt!

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Ein Kommentar zu “Schon umgeparkt im Kopf?

  1. Ich fand die Kampagne von Anfang an sympathisch und habe – ganz ehrlich – erst durch Deinen Blogbeitrag kapiert, dass sie von Opel kommt. Allein insofern ist sie tatsächlich gelungen.

    Das „Schwule-Fußballer-Motiv“ war auch das erste, das ich von der Kampagne wahrgenommen habe (man ist als Schwuler halt sensibilisiert gegenüber solchen Inhalten), und ich finde diese Denkanstöße witzig, aber auch wirklich sinnvoll. Dass das inzwischen vierte Motiv das Image von Opel zum Gegenstand hat, fand ich zwar insofern bemerkenswert, als hier direkt eine Marke angesprochen wird (und ich dachte mir: „Hoppla – das ist aber jetzt auf einmal konkret… aber stimmt eigentlich.“), doch dass Opel der Urheber der Aktion sein könnte, kam mir nicht in den Sinn. Ich bin sogar gleich Follower des Twitter-Accounts geworden!

    Den Titel „Umparken im Kopf“ fand ich spontan originell und treffend, aber mit dem jetzt bekannten Hintergrund ist er umso genialer, weil er indirekt schon von Beginn an den Bezug zum Autofahren herstellt.

    Insofern stimme ich Dir in Deinem Urteil zu, und auch wenn ich mir niemals einen Opel kaufen werde, ist mir die Marke als solche – wie Dir – sympathischer geworden. Die Kampagnenmacher haben dahingehend ihr Ziel erreicht.

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