Warum ich immer noch single bin

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c by David Renner

Ich möchte mit diesem Text outen: Ich bin Single – und das schon ziemlich lange. Ich schreibe bewusst nicht alleine, denn das bin ich nicht. Trotzdem wird mir in unterschiedlichen Abstände und Paraphrasen von Freunde, Familie und Chats auf Gayromeo genau diese Frage gestellt: „Warum bist du eigentlich noch single?“

Eine wirklich fiese Frage. Denn die Antwort darauf kann ich nicht geben.  Könnte ich es, hätte ich wahrscheinlich bereits längst etwas daran geändert. Single sein ist nicht immer eine freie Entscheidung, auch nicht bei Menschen, die das nach außen tragen. Oftmals ist das in meinen Augen ein Selbstbetrug, denn der Mensch braucht einen Begleiter im Leben. Freunde können in vielen Bereichen diese Begleiter sein und oftmals ist diese Begleitung auch dauerhafter und nachhaltiger als die eines Partners, aber gewisse Dinge sind einer Verbindung zweier Liebender vorbehalten.

Warum bin ich eigentlich single?

„Das Angebot ist einfach schlecht“ ist eine weitere Phrase aus dem Repertoire der Langzeitsingles. Alles nur Selbstbetrug? Irgendwie schon. Denn ich glaube kaum, dass das Angebot schlechter ist als vor 20 Jahren. Damals war die Zahl der Singles deutlich geringer als heutzutage. Für mich scheint es eher so, als falle es uns zunehmend schwer, Verbindlichkeiten einzugehen und uns auf eine Person wirklich einzulassen. Doch eigentlich sind diese Verbindlichkeiten genau das, was wir uns insgeheim wünschen. Zumindest ist das bei mir so.

Was hält mich aber ab, eine solche Verbindlichkeit einzugehen? Nachdem ich mein Exfreund-Trauma überwunden hatte, zog ich mit einer langen Liste an Do’s und Don’t’s von Date zu Date. Ich wollte ja verhindern, nochmal auf so einen Trottel hereinzufallen. Das Ende war bisher immer gleich: Ich habe frustriert festgestellt dass es da draußen niemanden zu geben scheint, der die Eigenschaften, die ich suche, im Paket mitbringt. Dabei würde ich nicht sagen, dass ich besonders anspruchsvoll bin. Trotzdem waren es in meiner Wahrnehmung immer die falschen Typen, die sich nach einem Date am nächsten Tag gemeldet haben. Auf die Nachricht der anderen warte ich bis heute vergeblich.

Wenn man sich die Frage, warum man eigentlich noch single ist, ehrlich selbst beantwortet, muss man bei sich selbst anfangen. Alles andere ist reiner Selbstbetrug. Meine Checkliste im Kopf, mit der ich jeden Typen, der halbwegs Interesse an mir gezeigt hat, abgeschrieben habe, ist nur ein Grund. Die vielen anderen Gründe, sind mir wahrscheinlich bis heute nicht bewusst. Denn auch die Taktik, auf diese Checkliste zu verzichten hat bisher nicht wirklich was gebracht. Auf der Suche nach Erklärungen wird mir wahrscheinlich nichts anderes übrig bleiben als weiter Männer zu daten, die oberflächlich meine Anforderungskriterien erfüllen, und immer wieder erneut das gleich ermüdende Referat über meinen Werdegang zu halten. Bis dahin, muss ich mir die wiederkehrende Frage, warum ich noch single bin, gefallen lassen. Ich habe mir dafür auch die passende Antwort zurechtgelegt: Es hat bisher noch nicht gepasst. Das Traurige ist, dass ich zwar klar Vorstellungen habe, was ich nicht möchte, aber nicht so wirklich weiß, was ich eigentlich genau von einem Partner erwarte: Ehrlichkeit, Humor, eine gute Bildung und natürlich muss er mich äußerlich ansprechen. Aber das ist nicht wirklich konkret, um nicht zu sagen völlig vage. Was heißt schon humorvoll oder was ist eine gute Bildung? Wahrscheinlich sitze ich irgendwann dem nächsten Hallodri gegenüber, der völlig verquere Vorstellungen vom Leben hat und bin nach 10 Minuten hoffnungslos verknallt, um mich in mein nächstes Unglück zu stürzen. Vielleicht bin ich aber einfach nur kompliziert.

Ich will mit diesem Beitrag aber kein Mitleid, sondern bei allen glücklichen Paaren die Sensibilität wecken, diese Frage nicht mehr zu stellen. Denn sie ist nicht so leicht zu beantworten. Welche Langzeitsingle kann darauf schon eine vernünftige, nicht deprimierende Antwort geben?

Für uns Langzeitsingles ist es an der Zeit bei der Fehlersuche in uns reinzuschauen und nach unseren Ex-Freund-Traumata, enttäuschten Erwartungen und unseren festgefahrenen Blaupausen zu schauen. Den Traummann gibt es nicht und wenn, dann können wir ihn nicht auf dem Reißbrett entwerfen. Warum ich noch single bin, kann ich aber nach diesem Text immer noch nicht beantworten. Was denkt ihr? Warum finden viele Menschen oder auch ihr selbst keinen Partner? Ich freue mich über eure Erfahrungen.

Copyright by @Doug8888 (http://bit.ly/1bUpWX1)

Mit Socken und Penissen für die Krebsvorsorge

#CockinasockEs gibt ja bizarre Trends und Aktionen, die durch soziale Medien große Kreise ziehen. Oftmals steht dabei kein oder ein fragwürdiger Anlass dahinter. Manchmal sollen solche Aktionen aber auch dazu dienen, Aufmerksamkeit für ein sehr ernstes Thema zu schaffen. So geschehen durch die Aktion #Cockinasock (mehr dazu hier): Männer posieren nackt vor dem Spiegel und machen ein Selfie von sich. Das einzige, was sie bedeckt, ist eine Socke über dem besten Teil. Die Bilder laufen unter dem Hashtag #ckockinasock über Facebook, Twitter und vor allem Instagram.

Initiiert wurde die Aktion zum Zweck der Krebsvorsorge. Erfunden hat die skurrile Kampagne das Cancer Research Institute in Großbritannien, um Aufmerksamkeit für die Gefahren von Hodenkrebs zu schaffen und nebenbei Spenden für die eigene Arbeit einzusammeln. Natürlich gibt es zu der Aktion auch eine offizielle Facbook-Seite, auf der sich mehr Informationen über das Projekt finden.

Was bringt die Aktion?

Die Aktion schafft vor allem eins – große Aufmerksamkeit. Unter dem Hashtag (#cockinasock) finden sich mittlerweile schon mehr als 24.000 Bilder auf Instagram. Ich frage mich dabei allerdings, ob der Transfer von Selfies nackter Männer mit Socken über dem Penis zur eigentlichen Intention der Kampagne (Aufmerksamkeit für die Gefahren von Hodenkrebs) glückt. Können die Initiatoren dadurch tatsächlich eine signifikant höhere Summe an Spenden einnehmen.

Die Antwort darauf wird es wahrscheinlich erst nach Ablauf der Kampagne geben. Der Bezug zum Thema ist jedenfalls gegeben und die Aktion ist gleichermaßen einzigartig wie provokant. Zudem bedient sich das Cancer Research Institut dem Drang schwuler Selbstdarstellungsdrang. Denn Instagram ist ein schwules Sebstdarstellungsmedium geworden. Täglich werden tausende Selfies von schwulen Männern, angezogen wie spärlich bekleidet, veröffentlicht, um vor allem eins einzusammeln – Komplimente. Instagram ist zum onlinen Komplimentemarkt geworden und viele Schwule bieten sich dort selbst zum Voting an. Welches Bild beommt mehr Likes „Wows-Kommentare“ oder Herzchen. Schwule lieben es sich zu präsentieren Instagram ist die perfekte Plattform dafür. Ich will mich dabei auch gar nicht ausnehmen. Wer mir bei Instagram folgen mag, hier geht es zu meinem Channel (Komplimente mag ja schließlich jeder).

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Auch wenn die Kampagne eine gute Mechanik nutzt, so ist es trotzdem kein viraler Selbstläufer, sondern ein perfekt durchgeplanter PR-Coup. Der Erfolg gibt der Kampagne recht. Das Thema Krebsaufklärung steht zwar bei den meisten Bildern eher nicht im Vordergrund, dennoch haben Thema und Institut über Nachrichtenmedien eine Aufmerksamkeit erhalten, die sie sonst nicht bekommen hätten.

 

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