Warum die Homophobie Debatte aktueller ist denn je

münchenIn den vergangenen Wochen ist das Thema Homophobie in der Gesellschaft aktueller denn je geworden: In München, wo in den kommenden Wochen Kommunalwahlen stattfinden, plakatierte die „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ einen besonders geschmacklosen Beweis für homophobe Reste in der Gesellschaft.Die Entrüstung Matusseks, dass das Thema überpräsent sei, ist in meinen Augen unverständlicher denn je.

Das Plakat der rechten Bürgerinitiative zeigt auf rotem Grund zwei durchgestrichene Männchen in „Doggy-Stellung“. Darunter steht der Spruch: „Schluß mit der städtischen Schwulen- und Lesbenförderung! Stoppt die Umerziehung an Münchner Schulen und Kindergärten“. Der Gebrauch der alten Rechtschreibung ist auf diesem Plakat nur ein weiterer Beweis für das rückwärtsgerichtete Gedankengut.

Die Entrüstung auf dieses Plakat ließ nicht lange auf sich warten. Die Münchner Behörden reagierten auch prompt und ließen das Plakat schnell entfernen. Beunruhigend ist dieses Plakat aber aus ganz anderen Gründen. Denn die Angst und der Ekel vor Homosexualität in großen Teilen der Gesellschaft ist in den letzten Wochen und Monaten immer wieder herausgebrochen. Es gibt für die Homophobie zwar keinen verlässlichen demoskopischen Gradmesser, denn bei Umfragen geben die meisten Befragten ihre homophoben Einstellungen nicht unbedingt Preis – aus Angst gesellschaftlich isoliert zu werden. Ein Phänomen, das es auch bei rechtsradikalem Gedankengut gibt. Doch im Schutze der Anonymität, vor allem im Internet oder auch am Telefon (wie die Hörerkommentare des Deutschlandfunks beweisen) brechen diese Einstellungen an die Öffentlichkeit. Dabei ist das nicht zwangsläufig eine Frage der Generation – Homophobie ist auch bei jungen Menschen ein Thema. Auf den Schulhöfen in Deutschland ist Lesben- und Schwulenfeindlichkeit weit verbreitet.

Die Proteststürme gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg zeigen doch, wie viel Unwissen, Vorurteile und Ressentiments gegen Schwule und Lesben existieren.

Ich bin fest davon überzeugt, dass das Plakat in München auch stillen Beifall bekommen hat. Für mich zeigt das deutlich, dass Deutschland noch keinen unverkrampften Umgang mit diesem Thema pflegen kann. Die Matusseks dieser Republik, die genervt die Augen verdrehen, wenn Lesben und Schwule sich gegen die gesellschaftliche Diskriminierung wehren, begreifen nicht wie wertvoll es ist, dass sich niemand um die eigene sexuelle Identität schert. Die Debatte um Homophobie ist nämlich erst dann zu Ende, wenn der Homosexualität eines Menschen, ob berühmt oder nicht, keine Bedeutung mehr zugemessen wird.

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