Discavo-Debatte: Wo fängt eigentlich Homophobie an?

Discavo, eine neue Startup-Hotelbewertungsplattform der ProSiebenSat.1-Gruppe ist mit einem seiner Spots in die Kritik gekommen. Das LGBT-Portal Queer.de wirft den Initiatoren vor, sich billigen Schwulen-Klischees zu bedienen und nach außen zu vermitteln, dass es für heterosexuelle Männer das Schlimmste sei, für schwul gehalten zu werden.

Worin besteht genau der Homophobie-Vorwurf? In dem Spot sitzen zwei Geschäftsmänner beim Abendessen im Hotelrestaurant zusammen und werden dort mit vielen romantischen Aufmerksamkeiten überhäuft. Mit den Worten „Bon Appetito, ihr Süßen“ serviert ihnen der Kellner dann eine Portion Pasta in Herzform und die Stimme aus dem Off klärt auf, dass die Herren offenbar das falsche Hotel gebucht hätten.

Ich finde den Spot aus einem Grund nicht wirklich gut gelungen. Die Botschaft (Mit Divago findet man das richtige Hotel), die dieser Spot transportieren soll, ist zu abstrus dargestellt und zu weit runtergebrochen. Zwar schafft eine solche Inszenierung Aufmerksamkeit, aber wie nachhaltig diese ist, sie mal dahingestellt. Es geht aber um die Frage der Darstellung.

Mal abgesehen davon, dass der Spot alles andere als lustig ist (meine Meinung) ist die Darstellung in meinen Augen nicht wirklich gelungen. Wenn man sich Klischees bedient, sollte man es gut machen. Trotzdem würde ich die Macher vom Homophobie-Vorwurf freisprechen. Werbung und Humor generell spielen nun mal mit Klischees, auch über heterosexuelle Männer und Frauen. Die Gefahr eine gesellschaftliche Minderheit zu stereotypisieren besteht immer darin, dass man es treffend und gut macht. Erst diese Woche stürzte eine Welle des Protests über die Macher von „How I Met Your Mother“ ein, da sich die Macher vieler Klischees über Asiaten bedient haben. Noch größere Empörung lösten die sogenannten Yellowfaces aus (mehr nachzulesen bei SPON).

Für mich ist der Spot nicht homophob, nur will er in seiner Darstellung unglücklich ist. Zwar teile ich auch die Ansicht, dass durch diesen Spot mitschwingt, dass es für heterosexuelle Männer (anscheinend) schlimm, oder peinlich ist, für schwul gehalten zu werden. Das ist in meinen Augen aber eher eine Beleidigung für alle heterosexuellen Männer in diesem Land und weniger ein Angriff auf Schwule. Auch wenn das „rustikale“ Hotel aus dem TV-Spot mit allerlei Kitsch für die zwei Herren auffährt ist das wohl eher darauf zurückzuführen, dass das eine Art Romantik-Hotel sein soll und dass das nicht ein billiges Schwulenklischee darstellt.

Ich bin in diesem Fall eher entspannt und würde sagen, dass man das aushalten kann. Alle Frauen in Deutschland müssen ja auch die schlechten Witze von Mario Barth ertragen, die sich allen erdenklichen billigen Klischees bedienen. Die Grenze zur Homophobie beginnt für mich dort, wo Menschen in negativer Weise dargestellt werden. Ein Beispiel für eine solche Diskriminierung habe ich schon an anderer Stelle beschrieben. Die rheinlandpfälzische Stadt Zweibrücken warb mit dem Slogan “Nüchtern cool, saufen schwul”, um Jugendliche vor dem übermäßigen Alkoholkonsum zu warnen. Der Begriff “schwul” ist eine Schmähung für Homosexuelle und daher wurde diese Werbekampagne zu Recht eingestellt. Ähnlich Entrüstung gab es wegen eines Plakat-entwurfs für Maredo mit der Aufschrift “Tofu ist schwules Fleisch”.

In beiden Fällen ist für mich die Grenze zur Homophobie deutlich überschritten, da es im ersten Fall um eine diskriminierende Bezeichnung handelt. Gerade die Debatte um Homosexualität und den inflationären Gebrauch von „schwul“ auf deutschen Schulhöfen hätte die Verantwortlichen zu mehr Feingefühl bewegen können. Im zweiten Fall wird Tofu als Lebensmittel für verweichlichte Menschen/ Männer bezeichnet also als schwules Fleisch. Diese Werbung bedient sich wirklich absolut billiger Klischees.

Bei Discavo ist diese Grenze nicht wirklich überschritten. Der W&V antworteten die Verantwortlichen: „Es liegt uns fern und wir verurteilen ausdrücklich jegliche Formen der Diskriminierung von Minderheiten. Sollten sich Zuschauer dennoch diskriminiert fühlen, so entschuldigen wir uns aufrichtig.“ Auch wenn der Spot kein Kleinod der Werbeindustrie ist, würde ich die Aufregung mit diesem Statement beenden.

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Ein Kommentar zu “Discavo-Debatte: Wo fängt eigentlich Homophobie an?

  1. Ich teile Deine Ansicht, David. Mir ging es genauso wie Dir, als ich den Spot das erste Mal sah (ich habe sogar geschmunzelt). Als homophob würde ich ihn nicht bezeichnen – da sprechen die von Dir genannten eindeutig schwulenfeindlichen Beispiele (Zweibrücken, Maredo) eine andere Sprache. Die Analogie zu Mario Barth und dem von ihm inszenierten Frauenbild (übrigens tatsächlich überhaupt nicht lustig) finde ich sehr passend.

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