Danke liebe Katholiken! Jesus würde sich für euch schämen!

Eine provokante Headline, ohne Zweifel. Ich möchte sie auch gleich zu Beginn etwas einschränken. Natürlich bezieht sich meine Kritik nicht auf alle Katholiken bzw. Christen allgemein, sondern nur auf solche, die aufgrund ihres Glaubens meinen ableiten zu können, welchen Menschen welche Rechte zustehen und wen man diskriminieren und verfolgen darf, weil er in Sünde lebt.

Ausgangspunkt meiner Wut (Verzweiflung trifft Fassungslosigkeit trifft es auch) ist das Referendum vom vergangenen Sonntag, das von der katholischen Kirche unterstützten Initiative „Im Namen der Familie” initiiert wurde. Ein schwerer Schlag für Homosexuelle in Kroatien, ein Land, in dem Homophobie noch alltäglicher ist als im westlichen Teil Europas. Der vehemente Kampf der katholischen Kirche in Kroatien gegen die Einführung der Homo-Ehe markiert nur einen Punkt innerhalb des langen Kreuzzuges von christlichen Fundamentalisten gegen die rechtliche Gleichstellung. In einigen Ländern geht der Kreuzzug sogar bis zur Kriminalisierung und Verfolgung von Homosexualität (wie in Uganda). Alles mit der Begründung, Homosexualität ist von Gott nicht gewollt und ein sündhaftes Verhalten. In Deutschland sind die Töne zwar vergleichsweise moderat, aber im Endeffekt bleibt immer die gleiche Botschaft – Homosexuelle haben nicht die gleichen Rechte wie heterosexuelle Menschen.

Doch was treibt diese religiöse Fundamentalisten immer wieder dazu gegen Homosexualität in den Krieg zu ziehen? Im Prinzip habe ich mir mit dem Wort „Fundamentalismus“ die Frage schon beantwortet. Die allwissende Wikipedia definiert den Begriff Fundamentalismus wie folgt: Fundamentalismus (von lateinisch fundamentum ‚Unterbau‘, ‚Grund‘, ‚Fundament‘) ist eine Überzeugung oder soziale Bewegung, die ihre Interpretation einer inhaltlichen Grundlage (Fundament) als einzig wahr annimmt. Fundamentalismus wird durch eine stark polarisierte Auslegung einer Letztbegründung umgesetzt“.

Fundamentalisten teilen die Welt in schwarz und weiß, richtig und falsch oder Gut und Böse ein. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie einfache Antworten auf komplexe Fragen finden. Darin liegt in meinen Augen auch das Problem. Natürlich ist es bequem sich bei komplexen Fragen auf die Antworten eines 2000 (oder noch älter) Jahre alten Buch zu verlassen. Eigenständiges, selbstkritisches Denken ist ungleich schwerer.

Was ich aber nicht verstehe ist, dass solche Fundamentalisten durch ihren teilweise hassgetriebenen Kampf die Grundsätze ihres eigenen Glaubens verraten. Ich bin nicht wirklich der gläubigste Mensch und will hier auch keine theologische Grundsatzdiskussion anstoßen, dennoch verstehe ich nicht, wie Verfolgung und Diskriminierung durch tief gläubige Christen mit den Werten von Jesus Christus vereinbar sind. Natürlich finden sich in der Bibel auch viele Stellen, die Homosexualität verurteilen und je nachdem, wie man die Bibel auslegt, kommt man zu einem milderen bzw. härteren Urteil gegenüber Homosexualität. Man darf allerdings nicht vergessen, dass Jesus (sollte er etwas gegen Schwule und Lesben gehabt haben, was ich bezweifle) und die Autoren der heiligen Schriften vor 2000 Jahren gelebt haben. Daher sollte man nicht sklavisch jedes einzelne Wort, das zu diesem Thema gesagt wurde, auf die Goldwaage legen. Tieropfer und drakonische Strafen dieser Zeit gelten ja schon lange nicht mehr. Diese starren Regeln hatten in der Anfangsphase aller monotheistischen Religionen auch durchaus Sinn um ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Allerdings widersprechen sich mehrere Textstellen so fundamental (da ist das Wort wieder), dass eine eindeutige Auslegung praktisch unmöglich ist. Auch hat sich unsere Gesellschaft mittlerweile diesbezüglich etwas weiterentwickelt.

Ich frage mich daher, was Jesus zu den Verfolgungen und Diskriminierungen von Lesben und Schwulen durch seine Gläubigen sagen würde. Hat das etwas mit Toleranz zu tun? Hat das etwas mit Nächstenliebe zu tun? In meinen  Augen nicht. Leben Lesben und Schwule in Beziehungen, ob mit oder ohne Trauschein, nicht nach christlichen Idealen? Auch wenn ich mich damit weit aus dem Fenster lehne, stelle ich die These auf, dass sich Jesus für die Intoleranz und die homophoben Hasstiraden seiner fundamentalistischen Glaubensbrüder schämen würde. Denn diese haben nichts mit der Botschaft zu tun, die er verkünden wollte.

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Ein Kommentar zu “Danke liebe Katholiken! Jesus würde sich für euch schämen!

  1. Aber nein. Du lehnst dich damit die dieser Behauptung gar nicht weit aus dem Fenster.
    Ja, im Grunde kommst du nicht mal in die Nähe eines Fenster, aus dem du fallen könntest, um in dieser Metapher zu bleiben.
    Volle Zustimmung von meiner Seite aus.

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